St. Stephan legt seine Sesselbahn still

St. Stephan

Das Ende der Sesselbahn Ried-Lengenbrand ist besiegelt. Die Gemeindeversammlung St. Stephan hat beschlossen, künftig auf einen Skibus zu setzen. Vor allem aus Kostengründen.

Anstelle der Sesselbahn wird künftig ein Bus den Weg ins Skigebiet der Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) bestreiten.<p class='credit'>(Bild: Fritz Leuzinger)</p>

Anstelle der Sesselbahn wird künftig ein Bus den Weg ins Skigebiet der Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) bestreiten.

(Bild: Fritz Leuzinger)

Es war Dienstagabend kurz nach 22.30 Uhr, als das Ergebnis feststand: St. Stephan nimmt Abschied von seiner Sesselbahn Ried-Lengenbrand. Jener Bahn, die seit Jahrzehnten den Zugang ins Gebiet Chaltebrunne-Parwengesattel und damit der Bergbahnen Destination Gstaad (BDG) sichergestellt hat. 232 Personen waren an diese denkwürdige ausserordentliche Gemeindeversammlung (GV) gekommen.

Das sind gut 23 Prozent und somit fast ein Viertel der stimmberechtigten Bevölkerung, die sich nach ausführlicher Orientierung zur Vorgeschichte durch Gemeindepräsident Albin Buchs, dessen Vize Patrick Aegerter und Gemeindeverwalter Beat Zahler dafür entschied, auf den Fortbestand der 47-jährigen Transportanlage zu verzichten und dafür auf einen Skibus als Versuch zu setzen.

«Wer will so eine Bahn finanzieren? Es ist das reine Prinzip Hoffnung. Damit können wir nicht kutschieren.»Albin Buchs, Gemeindepräsident

98 votierten in geheimer Wahl für die Sesselbahn, 121 für die Busvariante. In der Schlussabstimmung kurz vor 23 Uhr war dann auch der Verpflichtungskredit von 300'000 Franken für drei Jahre Busbetrieb mit 159 Ja- zu 58 Nein-Stimmen gesprochen, womit der Gemeinderat mit dem Abschluss einer Leistungsvereinbarung beauftragt wird.

Damit setzte sich die günstigere Variante durch. Bei Aufrechterhaltung des Sesselbahnbetriebs bis zu deren Konzessionsende am 31. Juli 2021 hätte es einen Verpflichtungskredit von 720'000 Franken benötigt, um die marode Anlage wieder auf Vordermann zu bringen.

Dazu gehören Unterhalts- und Instandhaltungarbeiten von je 150'000 Franken, ein Betriebsbeitrag von 300'000 Franken und eine Reserve für Unvorhergesehenes von 120'000 Franken. Der Gemeinderat hatte schon letzte Woche signalisiert, dass er einen Weiterbetrieb der Sesselbahn Ried-Lengenbrand aus finanzpolitischen Gründen nicht verantworten könne.

Grossaufmarsch an der Gemeindeversammlung in St. Stephan: Ob Weiterbestand der Sesselbahn Ried-Lengenbrand oder Versuchsbetrieb mit einem Skibus – das hat bewegt. Foto: Svend Peternell

Nicht Aufgabe der Gemeinde

Es sei auch nicht Aufgabe einer Gemeinde, eine Bergbahn zu betreiben und somit die Sesselbahn Ried-Lengenbrand zu übernehmen. «Einer privaten Trägerschaft steht es offen, diesbezüglich Abklärungen vorzunehmen und mit der BDG entsprechende Verhandlungen aufzunehmen», schreibt die Exekutive im Gemeindemitteilungsblatt zur Orientierung über die Bergbahnen.

Die vom Gemeinderat (GR) bevorzugte Lösung eines Busbetriebs konnte und wollte er aus Rücksicht auf die Weggenossenschaft Ried-Gandlauenen nicht an der GV vorbringen (wir haben berichtet). Diese hatte sich im Vorfeld für eine Abstimmung zur Variante Sesselbahn ausgesprochen. Erst bei einem negativen Bescheid zur Bahn hatte der Vorstand Hand für die Lösung mit einem Skibus angeboten. Was ja jetzt der Fall ist.

Jetzt etwas «reissen»

Weil der GR keinen Antrag für die Busvariante stellte, konnte nur darüber abgestimmt werden, wenn ein solcher aus der Versammlungsmitte erfolgen würde. Was dann auch der Fall war. Zuvor hatte Petra Krebs von der Kerngruppe IG Skiverbindung dafür plädiert, «ein deutliches Zeichen zu setzen» und jetzt etwas «zu reissen», indem die ­Sesselbahnvariante unterstützt wird.

«Die Emotionen zum Gebiet können wir denen nicht erklären, die das nicht spüren.»Petra Krebs, IG Skiverbindung

Die IG will damit die Arbeitsplätze sichern und einen Handlungsspielraum haben, wenn es später darum gehen könnte, die Sesselbahn zu erneuern. «Die Emotionen zum Gebiet können wir denen nicht erklären, die das nicht spüren», sprach sie damit die BDG an: «Es kommt sie günstiger, St. Stephan zu streichen, als zu investieren.» Und zum GR: «Bis jetzt hat St. Stephan noch nicht gesagt, wo es hingehört.

Der GR zieht sich aus der Verantwortung, indem er den Schwarzen Peter der Weggenossenschaft Ried-Gandlauenen zuschiebt.» Sie riet der Behörde, trotz der vorher skizzierten unglücklichen Erfahrungen in den letzten Jahren mit der BDG über der Sache zu stehen. Für die IG ist klar: «Der Weiterbetrieb der Bahn ist die beste Lösung. Ob es die richtige ist, können wir nicht sagen.» Albin Buchs beruhigte, dass die BDG die Angestellten anderweitig weiterbeschäftigt, wenn die Bahn zugehen würde.

Vorgängerwerk zerstören?

Ein Folgeredner stärkte die Exekutive, weil «die BDG ein schlechter Vertrauenspartner» sei. Ein weiterer wünschte der Bahn das Erreichen des 50. Jahres: «Wollen wir das Werk, das unsere Vorgänger in Angriff genommen haben, zerstören?» Ein anderer Mann unterstützte die IG und riet, im Verbund mit den Bergbahnen dranzubleiben. Die Vision des Gstaader Immobiliers Marcel Bach solle man weiterverfolgen.

«Die BDG ist ein schlechter Vertrauenspartner.»Votum aus der Versammlung

Bach bezeichnet die Verbindung der Skigebiete Gstaad und Adelboden-Lenk als «Traumprodukt», das sich ideal vermarkten lässt. Albin Buchs hat diese Vision – trotz Blockade der beiden Skigebiete – weiterhin im Auge und verspricht sich Chancen auch für seine Gemeinde.

«Ich sehe nicht, dass Marcel Bach einschreitet und uns unterstützt.»Votum aus der Versammlung

Ein anderer Votant warnte davor, sich zu sehr auf Bach abzustützen: «Ich sehe nicht, dass er einschreitet und uns unterstützt.» Als Geldverschlinger bezeichnet er die Beschneiung mit den Pistenmaschinen und als Gefahr jenen Gast, der nicht mit der Natur lebt, im November beschneite Pisten will und ab Mitte Februar nirgends mehr ist. Ein anderer warnte, sich nicht von der BDG erpressen zu lassen und eine längerfristige Lösung zu überlegen.

Für einen Unterbruch sorgte das Wahlverfahren. Der GR zog sich zurück, weil ein Mann meinte, der Skibus hätte im Voraus traktandiert werden müssen. Beat Zahler gab Entwarnung. Das Organisationsreglement Artikel 40 bestätigt in diesem konkreten Fall zwei vorliegende Anträge, die sich gegenseitig ausschliessen. Die Schlussphase konnte eingeläutet werden. Die Konsequenz wiegt schwer: St. Stephan hat die Sesselbahn stillgelegt.

Berner Oberländer

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