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Spiez kommt spielend zum Museum

Am 3. März wird das neue Spielzeugmuseum bei der Niesenbrücke für das Publikum eröffnet. Bis es so weit ist, bleibt noch einiges zu tun, wie ein Blick hinter die noch verschlossenen Türen zeigt.

Das Aschenbrödel, eine 80-jährige Käthe-Kruse-Puppe, hat bereits seinen Platz im Spiezer Spielzeugmuseum gefunden – im Cheminée des ehemaligen RestaurantsNiesenstübli.
Das Aschenbrödel, eine 80-jährige Käthe-Kruse-Puppe, hat bereits seinen Platz im Spiezer Spielzeugmuseum gefunden – im Cheminée des ehemaligen RestaurantsNiesenstübli.
Jürg Spielmann
Bei einer einzigen Puppe bleibt es natürlich nicht.
Bei einer einzigen Puppe bleibt es natürlich nicht.
Jürg Spielmann
Gehören dem Vorstand des Spielzeugmuseums an: Elisabeth Meier (links) und Christine van Vloodorp.
Gehören dem Vorstand des Spielzeugmuseums an: Elisabeth Meier (links) und Christine van Vloodorp.
Jürg Spielmann
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Das Aschenbrödel hat einen Logenplatz. Der war einst brandheiss. «Wir haben das Cheminée, das mit grünen Keramikplatten ausstaffiert war, aufgehübscht und weiss eingefasst», erzählt Christine van Vloodorp. Russrückstände im Innern des Kamins zeugen davon, dass in der Märchenkulisse früher so manches Feuer gelodert hat.

Van Vloodorp ist eines von fünf Vorstandsmitgliedern des Vereins Spielzeugmuseum Thun. Der Name werde Ende Monat an der Hauptversammlung in Spielzeugmuseum Spiez umgewandelt, sagt sie. Dieser Schritt erfolgt aus gutem Grund: Der Ort, wo das Aschenbrödel künftig ins beste Licht gerückt entzückt, liegt in Spiez. Im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses an der Oberen Bahnhofstrasse 60 – dort, wo einst die Niesenstübli-Gäste bewirtet wurden. Und zuletzt der Jugendtreff einer Freikirche eingemietet war.

Hierhin ist das Spielzeugmuseum, das zwölf Jahre an der Thuner Burgstrasse 15 beheimatet war, am 1. November mit Sack und Pack gezogen (siehe Kasten). An alter Stätte am Fusse des Schlossbergs waren die Lichter bereits Mitte September ausgegangen. Zuvor hatte der Verein mit der Hausbesitzerin und Museumsinitiantin Edith Schönholzer keine Einigung punkto Mietzins und Betrieb des Cafés in deren Haus Engel finden können.

Man blicke nun nach vorn und freue sich auf den Neustart in Spiez, liess Vorstandsfrau Elisabeth Affolter letzten Sommer nach Bekanntwerden der Umzugspläne verlauten.

Die Eisenbahn im Pissoir

Die damals skizzierte Neueröffnung auf Ende 2017 erwies sich rasch als unrealistisch. Die Restauranträumlichkeiten wollten erst museumstauglich angepasst respektive umgebaut sein. Fünf bis sechs Mann, Ehepartner von Museumsfrauen, machten sich unter Anleitung von lokalen Fachbetrieben an die Arbeit.

«Es wurden Holzbalken in der ehemaligen Gaststube entfernt, ­Sanitäranlagen in den Toiletten rückgebaut, um zusätzlichen Ausstellungsraum zu schaffen, und alle Bereiche neu gestrichen», fasst Evert Jan van Vloodorp zusammen. Wo die «Stüb­li»-Gäste einst die Notdurft ­verrichteten, wird künftig der «Bubenbereich» mit einer Modelleisenbahn, Marke Märklin, sein. Laut dem gebürtigen Holländer und pensionierten Bautechniker wurden bis dato «mindestens 500 Arbeitsstunden geleistet».

Wie sich auf einem Rundgang durch das 125-Quadratmeter-Museum zeigt, dürften nochmals ähnlich viele Stunden nötig sein, ehe am 2. März die geladenen Gäste und tags darauf das Publikum einen ersten Augenschein vom jüngsten Spiezer Kulturangebot nehmen können.

In den Räumen herrscht derzeit noch ein ziemliches Durcheinander. Während einige Bereiche bereits mit Exponaten – die wertvollen, seltenen und teils antiken Stücke sind im Besitz des Vereins oder sind versicherte Leihgaben Privater – bestückt sind, warten ungezählte Puppen oder Plüschtiere in Kisten gestapelt auf ihr finales Plätzchen.

«Die grösste Herausforderung ist es, dass wir alles unterbringen», sagt Christine van Vloodorp. «Der Platz ist etwas enger bemessen als in Thun.» Beziffern lasse sich die Zahl der Exponate nicht, sagt sie. Damit aber möglichst viel gezeigt werden könne, seien Wechselausstellungen vorgesehen. Und Führungen für Gruppen.

1000 Eintritte als Ziel

Betrieben wird das Spielzeugmuseum von ehrenamtlichem Personal aus dem 230 Mitglieder zählenden Verein. «Bislang konnten wir das Meiste selber finanzieren», sagt Vorstandsfrau van Vloodorp. Man sei aber froh um Unterstützung. Der Betrieb finanziert sich über Mitgliederbeiträge, Sponsoren und Eintritte.

«In Thun zählten wir rund 1000 Besucher pro Jahr.» Die Macherinnen hoffen, dies auch in Spiez zu erreichen. Vorteile seien hier die Parkplätze direkt vor dem Haus, der nahe Bahnhof sowie die rollstuhlgängigen Museumsräume. Diese werden regulär stets von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr zugänglich sein.

Aschenbrödel, Jahrgang 1938, ist freilich nicht mehr die Jüngste, gealtert aber ist sie kaum. Die Käthe-Kruse-Puppe trägt ihren mit Ölfarbe übermalten Stoffkopf auf einem Körper, gestopft mit Rentierhaar. Letzteres halte das Ungeziefer fern, ist über die inneren Werte von Aschenbrödel zu erfahren. Der beste Ort übrigens dafür, die beliebte Märchenfigur an ihrem Logenplatz im Cheminée zu bestaunen, ist die Kaffeeecke just vis-à-vis. Die liegt, wie es sich gehört, in der ehemaligen Gaststube.

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