Spiez

Spiez feiert Grossratspräsidentin Ursula Zybach

SpiezAm Donnerstag wurde Ursula Zybach mit fast allen Ehren auf Schloss Spiez empfangen – denn: Der Salut für die am Dienstag gewählte Grossratspräsidentin musste in Bern abgefeuert werden.

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Artikel 6 Absatz 4 des Gemeindepolizeireglements von Spiez bestimmte am Donnerstag das Programm der Feier zu Ehren der höchsten Bernerin mit. «Das Freudenschiessen ist verboten», besagt genannter Passus.

Da im Winzerdorf selbst für Amts- und Würdenträger keine Ausnahmen gemacht werden, wurden die historischen Flinten nicht abgefeuert. Der Ehrensalut durch die Ehrenformation des Kantons erfolgte daher bereits auf dem Berner Rathausplatz, wofür sich Ursula Zybach bei der Stadt bedankte.

Die Marsch-Frage

Im Anschluss ging es für die neue SP-Grossratspräsidentin mit insgesamt 170 angemeldeten Gästen per Extrazug nach Spiez. Und dort wurde ihr vom Musikverein Spiez und von der Musikgesellschaft Einigen gleich zünftig der Marsch geblasen. Der «Berner Marsch».

Jene inoffizielle Berner Hymne also, die vor Jahresfrist zu einem Thema geworden war, weil sich Sozialdemokratin Zybach an der Feier für Vorgänger Carlos Reinhard zu den Klängen nicht erhoben hatte.

Wegen des kriegerischen Textes, wie sie die Medien später wissen liess. In Spiez umschiffte die ausgebildete Lebensmittelingenieurin die delikate Situation gekonnt, indem sie den Marsch beim Aussteigen aus dem Zug trommeln und blasen liess.

Vom Bahnhof, dem eine feier­liche Beflaggung gut angestanden wäre, zog die Festgemeinde in den Schlosshof, wo auf Einladung der Gemeinde Spiez die öffentliche Feier stattfand. Trotz des vorgezogenen Saluts habe man nicht alles Pulver verschossen, begrüsste Moderatorin Vreni Blesi Regierungspräsident Bernhard Pulver (Grüne).

Der ging in seiner Ansprache auf «die anspruchsvollen Aufgaben» ein, die ein politisches Präsidium mit sich bringt. Diese seien nicht nur repräsentativer Natur. Pulver betonte, dass die Vorsitzenden «entscheidend zum Funktionieren der Gremien und zur Qualität der Entscheidungsfindung» beitrügen.

«Dank verschiedenen Ämtern auf allen Ebenen bringt Ursula Zybach einen reichen Schatz an Erfahrungen mit, auf den sie im Amtsjahr zurückgreifen kann», wusste Jolanda Brunner, Vizegemeindepräsidentin, um die Stärken ihrer Gemeinderatskollegin. SP-Fraktionspräsidentin Elisabeth Striffeler war überzeugt, dass die Gewählte «mit viel Sachverstand und Weitsicht, aber auch als Brückenbauerin durch die Sessionen führen wird».

Der abtretende Thuner Carlos Reinhard schliesslich blickte auf sein Amtsjahr mit 120 Auftritten zurück und wünschte der Nachfolgerin «Fingerspitzengefühl, Zufriedenheit und unvergessliche Begegnungen». Höchste Bernerin sein zu dürfen, sei «eine Ehre – und Verpflichtung zugleich».

«Spiezer» für alle

Ursula Zybach erhielt vom Vorgänger, was schon der SC Bern oder Fabian Cancellara erhalten haben: eine Berner Fahne mit der unbernischen Botschaft «Schneller, als man denkt». Nach einem Merci sprach die Frischgewählte. «Wichtig ist, dass wir uns als Team verstehen und aus dem Gefühl der Verantwortlichkeit Entscheidungen fällen!»

Mit der Aussage appellierte sie auch an die Verantwortlichkeit der gesamten Schweizer Politik, denn erst mit der Balance zwischen Freiheit und Verantwortlichkeit könne sich ein demokratischer Staat zum Wohle seiner Bürgerinnen und Bürger erfolgreich entwickeln.

Im Anschluss an den Festakt samt Apéro mit Gekeltertem vom Rebbau – die Gemeinde liess sich den Jubeltag gegen 40'000 Franken kosten – ging es ins Ausbildungszentrum für die Schweizer Fleischwirtschaft. Im ABZ wurden den Geladenen Riesling-Sylvaner-Suppe, Rindsbraten und ein Erdbeer-Vanille-Traum serviert. Letzterer garantiert ohne Knall­­effekt garniert. (Berner Oberländer)

Erstellt: 08.06.2017, 18:05 Uhr

Das Amt bleibt fest in Oberländer Hand

Aller guten Dinge sind...fünf: Mit der Spiezerin Ursula Zybach (SP) bekleidet bereits zum dritten Mal in Folge ein Mitglied des Kantonsparlaments aus dem Oberland und der Region Thun das Amt der höchsten Bernerin respektive des höchsten Berners.

Den Auftakt machte der Thuner Marc Jost (EVP) als Grossratspräsident 2015/2016, gefolgt von Carlos Reinhard (FDP), ebenfalls aus Thun. Nach Ursula Zybach wird aller Voraussicht nach Jürg Iseli aus Zwieselberg 2018/2019 zum präsidialen Handkuss kommen. Der SVP-Grossrat ist am Dienstag mit 139 Stimmen zum ersten Vizepräsidenten des Kantonsparlaments gewählt worden.

Als zweiter Vizepräsident – und designierter Grossratspräsident 2019/2020 – wurde der Uetendorfer Hannes Zaugg (GLP) gewählt. Er setzte sich in einer seltenen Kampfwahl mit 77 Stimmen knapp gegen den Grünen Bruno Vanoni (73 Stimmen) aus Zollikofen durch.

Übrigens: Das Präsidialamt ist 186 Jahre alt. Mit der liberalen Verfassung von 1831 (entworfen vom Thuner Karl Koch) wurde im Kanton Bern die repräsentative Demokratie mit dem Grossen Rat als Volksvertretung eingeführt. Gleichzeitig wurden Exekutive und Legislative getrennt. Das Amt des Grossratspräsidenten gibt es damit seit 1831. jss/mik

O-Ton


  • Ich werde mich in den kommenden 12 Monaten bemühen, diese Aufgaben zum Wohle des Kantons Bern und zur Zufriedenheit der Bevölkerung zu erfüllen. – Das Versprechen von Grossratspräsidentin Ursula Zybach (SP).

  • Was die regionale Verteilung der Präsidien anbetrifft, so leistet ja wenigstens der Regierungsrat einen kleinen Beitrag zur Berücksichtigung der verschiedenen Regionen dieses Kantons... – Regierungspräsident Bernhard Pulver (Grüne) zur Tatsache, dass das Grossratspräsidium seit 2015 und noch bis 2020 in der Thunerseeregion ist.

  • Ich habe 1996 auch hier in Spiez geheiratet. Meine Hochzeit wird aber kaum in die Historie eingehen. – Der abtretende Grossratspräsident Carlos Reinhard (FDP) aus Thun weiss auch, warum: Anders als an Franz Ludwig von Erlachs Hochzeit seien an seiner nicht 830 Flaschen Wein kredenzt worden...

  • Spiez ist stolz, dass eine Spiezerin das Grossratspräsidium übernehmen darf. – Jolanda Brunner (SVP), die von Ursula Zybach – wohl beabsichtigt – als Gemeindepräsidentin betitelt wurde. Zybach dürfte so ihren Unmut darüber geäussert haben, dass sich ihre Ende 2016 klar gewählte GP-Konkurrentin wegen einer Wahlbeschwerde bis heute Vizegemeindepräsidentin nennen muss.

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