Spannung auf dem Energiepodium

Spiez

Auf Einladung der Genossenschaft Spiez Solar sprachen Fachleute vor einem grossen Publikum über die Energiewende. Im Fokus standen die Klimaerwärmung und die Sonnenenergie.

Das Podium (v. l.): Moderator Stefan Geissbühler, Chefredaktor TT und BO, Nationalrat Jürg Grossen, Urs Muntwyler, Professor BFH, Syril Eberhard, E-wende.ch, Markus Stoffel, Professor Uni Genf, Josef Jenni, Solarpionier, Roman Gysel, Meyer Burger AG, und Nationalrätin Christine Häsler.

Das Podium (v. l.): Moderator Stefan Geissbühler, Chefredaktor TT und BO, Nationalrat Jürg Grossen, Urs Muntwyler, Professor BFH, Syril Eberhard, E-wende.ch, Markus Stoffel, Professor Uni Genf, Josef Jenni, Solarpionier, Roman Gysel, Meyer Burger AG, und Nationalrätin Christine Häsler.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Sieben Referenten stellten im mit rund 400 Personen sehr gut besetzten Lötschbergsaal Fakten und Thesen zur Energiewende vor. Es begann global: Markus Stoffel, Professor für Umweltwissenschaft an der Uni Genf, sprach über den Klimawandel. Die Temperatur könnte in den nächsten hundert Jahren um fünf Grad steigen. Dies wegen des massiv angestiegenen Kohlstoffdioxids (CO2) in der Atmosphäre. Der Walliser Markus Stoffel stellte konkrete Folgen vor: ein paar mickrige Eisfelder namens Aletschgletscher und ein im Sommer trockenes Flussbett der Rhone.

Verursachen das tatsächlich die Menschen? Stefan Geissbühler, Chefredaktor des «Thuner Tagblatts» und des «Berner Oberländers», übernahm als Moderator die Rolle der Skeptiker. «Tatsächlich beeinflussen auch viele natürliche und sehr komplexe Faktoren das Klima», sagte Stoffel. Die Wissenschafter seien heute in der Lage, den CO2-Anteil zu messen, der durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern verursacht wird.

Zu Beginn der Industrialisierung 1850 lag er bei 280 Millionsteln (ppm), dann stieg er in einer ab 1950 immer steiler werdenden Kurve auf 400 ppm an. Was nützt da die Schweizer Energiewende? «Wir sollten mit gutem Beispiel vorangehen», fand der Professor.

Solar-Optimisten

Urs Muntwyler, seit Jahrzehnten Sonnenenergiepionier und Professor an der Berner Fachhochschule, sagte: «Wir müssen einfach dort hinstehen, wo die Energie am einfachsten kommt.» Und das sei die Sonne. Eine schädliche Stromlücke sieht er nicht, denn man könne viele Kraftwerke ­bauen. «Sehr viele Leute haben ja ein Hausdach», sagte er. Stefan Geissbühler wies auf die befürchteten hohen Kosten für die Energiebezüger hin.

Urs Muntwiler zeigte anhand einer Aufstellung, zu der auch der Einbezug von Autos gehört, dass sich sogar Geld sparen lasse. Der Unternehmer Josef Jenni, auch er ein mehrfach ausgezeichneter Sonnenenergiepionier, setzt mehr auf Wärmeproduktion, mit grossen Speichern auch in Mehrfamilienhäusern, was er anhand von Beispielen im In- und Ausland vorstellte. Für ihn hat die Sonnenenergie schon ein Problem, weil sie hauptsächlich im Sommer anfällt. Eine gute Ergänzung sei die Holzenergie.

Solar-Selbstbauer

Nicht auf die Politik warten wollten die Initianten der Genossenschaft Spiez Solar, die zum Infoanlass eingeladen hat. Syril Eberhart hat als Geschäftsführer der Energiewendegenossenschaft EWG aufgezeigt, wie Hausbesitzer mit Unterstützung von Fachleuten ihre Solaranlage selber installieren können.

Hilfe erhalten sie von anderen Laien, auf deren Dach sie dann Gegenrecht halten. Er ist überzeugt, dass diese Art von Solarenergie-Installation den ausgewiesenen Fachleuten nicht die Arbeit wegnimmt. «Wichtig ist, dass Anlagen installiert werden, von wem sie kommen, ist weniger wichtig», sagte er.

Stefan Geissbühler sprach von Sorgen über die Schönheit von Ortsbildern und Landschaften. Die Solar­experten sind überzeugt, dass die Solaranlagen künftig einfach dazugehören werden und auch bereits jetzt ansprechend gestaltet werden. Woher die Panels kommen können, zeigte Roman Gysel von der Meyer Burger AG auf. Er glaubt an die Zukunft: Die Kosten seien seit 2001 um das Neunfache gesenkt worden, während der Wirkungsgrad ähnlich stark stieg.

Nationalrätin Christine Häsler (Grüne) sprach zum Thema «Wasserkraft und Fotovoltaik – eine Partnerschaft für die Zukunft». «Eine Batteriemöglichkeit ist die Wasserkraft», sagte sie. Die Kraftwerke Oberhasli, deren Kommunikationsbeauftragte sie ist, seien bereit für eine neue Rolle in der neuen Zeit.

Nationalrat Jürg Grossen (Grünliberale) wunderte sich, dass es ­gerade jene Kreise, die sich so stark für die Selbstständigkeit der Schweiz einsetzen würden, nicht störe, dass sie im Energiesektor zu 75 Prozent vom Ausland abhänge und 16 von 20 Energiemilliarden dorthin abflössen. «In Sachen erneuerbare Energie sind wir ein Entwicklungsland», sagte er. Auf dem Siegertreppchen ganz oben stehe bei der Energiewende die Energieeffizienz, und dafür brauche es Steuerungsoptimierungen.

Berner Oberländer

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