Mürren

Sonnige Aussichten trotz Sturm

Mürren1993 ging auf Birg die damals höchste Solaranlage ans Netz. Was Ingenieure von dieser Anlage gelernt haben, erklärte Urs Muntwyler an einem Treffen der Genossenschaft Solar BeO Ost und des Vereins zur Förderung erneuerbarer Energien.

Die erste der beiden Solaranlagen auf Birg (hier kurz nach ihrem Bau) liefert schon seit 1993 Strom und wichtige Messdaten.

Die erste der beiden Solaranlagen auf Birg (hier kurz nach ihrem Bau) liefert schon seit 1993 Strom und wichtige Messdaten. Bild: zvg

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Gut dreissig Solargenossenschafter und Fördervereinsmitglieder gondelten am Samstag mit der Schilthornbahn zum Ideenaustausch auf die Zwischenstation Birg – trotz Schneesturm, der die Dämmerung schon am Nachmittag beginnen liess. «Bei diesem schwachen Licht erreichen die Anlagen wohl nur 5 Prozent ihrer Leistung», schätzte Urs Muntwyler. «Aber solches Wetter ist hier oben ja die Ausnahme.»

Für den Leiter des Fotovoltaiklabors an der Berner Fachhochschule Technik und Informatik ist insbesondere die erste der ­beiden Solaranlagen auf Birg eine ­alte Bekannte: Seit 1993, als sie ans Netz ging, gehört sie zu den zwanzig Anlagen, an denen die angehenden Ingenieure seit der Zeit von Muntwylers Vorgänger Heinrich Häberlin detaillierte Langzeitmessungen durchführen.

Erstaunliche Messresultate

«Nicht alles kann vorausberechnet oder im Labor simuliert werden», sagte Muntwyler. Überraschend war etwa das Ausmass der Spitzenleistungen auf Birg im Winter, die durch die Lichtreflexion von Schnee und Eis noch verstärkt werden.

So produziert die Fassadenanlage auf Birg übers Jahr gesehen 30 Prozent mehr Strom als ein optimales Solardach im Mittelland. Und sie produziert den Strom genau dann, wenn am meisten davon gebraucht wird: tagsüber, mit maximaler Leistung im Winter. Tagsüber fällt natürlich überall Solarstrom an – im Mittelland jedoch im Winter weniger als im Sommer.

Strom zur richtigen Zeit

Zur Lösung dieses Problems setzt Muntwyler auf eine Kombination diverser Ansätze: auf Stauseen; auf den Ersatz der Elektro­heizungen und -boiler durch Wärmepumpen, die weniger Strom brauchen; auf Solaranlagen in den Bergen, wo im Winter meist intensiver Sonnenschein herrscht.

Flächen an Bahnstationen gibt es zwar nur begrenzt. Aber heute werden schon an Lawinenverbauungen Anlagen installiert. Und besonders mag Muntwyler Oberländer Chaletdachflächen, die traditionell nach Westen und Osten ausgerichtet sind und damit pro Tag länger und insgesamt mehr Strom produzieren als Nord-Süd-Dächer. Doch wie lassen sie sich vom Schnee befreien? «Die Suche nach möglichst günstigen Lö­sungen ist derzeit ein wichtiges Projekt.»

Grundsätzlich kein Problem ist die Menge verfügbarer Solarenergie; denn selbst im Mittelland «lässt die Sonne jedes Jahr so viel Energie auf jeden Quadratmeter plumpsen, wie in 120 Litern Öl steckt, was auch bei weit weniger effizienten Solaranlagen als den heute gängigen und ohne Anlagen auf der grünen Wiese für die Energiewende reicht».

Ebenfalls wenig problematisch wären kurzfristige Überschüsse; sie liessen sich dezentral, insbesondere in Autobatterien, speichern – wo sie zugleich Benzin ersetzen und so einen Beitrag zur CO2-Reduktion auch im Verkehr leisten.

Zuversicht im Oberland

Über die lokale Förderung der Solarenergie, die nach Muntwylers Überzeugung auch aus volkswirtschaftlichen Gründen die Hauptrolle bei der Energiewende spielen wird, diskutierte die Versammlung angeregt.

Co-Präsident Roland Burn berichtete, wie der Verein zur Förderung erneuerbarer Energien die Pilotanlage auf Birg baute und wie der Ertrag aus der Stromproduktion nicht nur für den Unterhalt, sondern auch für den Anstoss neuer Projekte reichte.

Das Solardach auf Mattens Chabismoos-Schulhaus und die Beratungs- und Ausbildungs­angebote der jungen Genossenschaft Solar BeO Ost stellte Präsidentin Branka Fluri vor. Christie Sieber zeigte, wie 2012 ihre Familiensolaranlage auf Birg entstanden war.

Und als Burn und Sieber der Schilthornbahn dankten, dass sie die Fassaden auf Birg zur Verfügung gestellt hatte, entgegnete Direktor Christoph Egger schmunzelnd: «Heute gäben wir den Platz nicht mehr – wir würden die Anlagen selber bauen.»

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Erstellt: 22.02.2016, 08:41 Uhr

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