Sie schwingen am Greenfield den Hammer

Erstmals hat am Mittelaltermarkt am Greenfield Festival auch ein Schmied sein Lager aufgeschlagen. Schmieden und Mittelalter – für Bruno Staub und seinen Schüler die perfekte Symbiose zweier Leidenschaften.

Ringe, Werkzeug, Schlüssel: Am Mittelaltermarkt wirft ein Schmied seine Esse an. Video: Martin Bürki
Martin Bürki@tinubuerki27

Kaum betätigt Bruno Staub den Hebel des Blasebalgs, lodern in der Esse die Flammen hoch. Der Metallstift, den der Schmied mit einer Zange festhält, beginnt zu glühen. Er führt ihn zum Amboss und fängt an, den Stift mit dem Hammer zu bearbeiten. Sobald das Eisen abgekühlt ist, beginnt die Prozedur von vorne.

Bruno Staub ist eigentlich gelernter Sanitärinstallateur, bis er 2007 einen Grundkurs im Schmieden belegt hat. «Ich habe schon zuvor mit Metall gearbeitet, doch letztlich wurde ich dort mit dem Schmiedevirus infiziert», lacht der Zürcher, der schliesslich 2015 eine eigene Schmiede- und Schlosserfirma gegründet hat. «Ganz von der Schmiede kann ich nicht leben, aber immerhin macht sie die Hälfte meines Umsatzes aus.»

Für Staub zählt die Leidenschaft. Deswegen opfert er auch eine ganze Woche, um am Mittelaltermarkt des Greenfield Festivals einen Stand inklusive Showschmiede aufzubauen, so dass man ihm bei der Arbeit über die Schulter blicken kann. Ein gutes Dutzend solcher Mittelaltermärkte in der ganzen Schweiz besucht er jedes Jahr, am Greenfield ist es aber eine Premiere. «Es ist ein kleiner Markt, und die meisten Leute sind wegen des Metalfestivals hier. Aber ich hatte in diesen Tagen interessante Gespräche. Abwarten, wieviel wir am Ende einnehmen. Wenn ich meine Rechnungen nicht bezahlen kann, weiss ich nicht, ob ich nächstes Jahr wiederkomme.»

In der Mittelalterszene wird man ihn aber ganz sicher auch in Zukunft antreffen. Ein Arbeitskollege hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, «vorher kannte ich das gar nicht. Aber das sind so nette, lässige Menschen, ich fühl mich wahnsinnig wohl. Schmieden ist so ein ursprüngliches Handwerk, das passt ganz gut.

Im Internet habe er sich dann über das Frühmittelalter schlau gemacht, über die Gewandung, aber auch die Ausrüstung. «Zuhause in meiner Werkstatt arbeite ich mit einem elektrischen Krafthammer, der mir erlaubt, mit höherer Geschwindigkeit zu schmieden. Doch es ist immer noch Handarbeit.» In den letzten hundert Jahren habe sich an der Technik sowieso nicht viel geändert.

Und Staub gibt seine Kenntnisse auch gerne weiter: Er ist nicht der einzige, der in den letzten Tagen auf dem Gelände des Flugplatzes Interlaken den Hammer geschwungen hat. Er teilt sein Lager mit Tim Kousadianos, sozusagen seinem Schüler. «Ich bin etwa vor einem Jahr auf einem Mittelaltermarkt an Bruno herangetreten», erzählt der 25-jährige IT-Student. In einem eintägigen Schnuppertag konnte er den Meister von seinem Potenzial überzeugen. «Seither würde ich am liebsten nichts anderes mehr machen.»

«Er hat wirklich ein Händchen dafür», attestiert ihm Bruno Staub. «Er blüht richtig auf, das ist schön zu sehen. Mein Vorteil ist bloss, dass ich mehr in dem Bereich arbeiten kann.» Und er hofft, dass er das Geschäft mit dem handwerklichen Schmieden noch weiter ausbauen kann.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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