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Seit 12'000 Jahren «Fremdenverkehr»

Ein botanischer Abendspaziergang vom Englischen Garten zum Lütschinendelta führte zu den Pflanzen, die sich seit der letzten Eiszeit auf dem Bödeli angesiedelt haben.

Botanisieren am Strassenrand: An der Stützmauer beim Ostbahnhof wurden am Abendspaziergang mehrere Farne und Blütenpflanzen bestimmt.
Botanisieren am Strassenrand: An der Stützmauer beim Ostbahnhof wurden am Abendspaziergang mehrere Farne und Blütenpflanzen bestimmt.
zvg

Im Englischen Garten zwischen der Aare und dem Interlakner Ostbahnhof treffen nicht nur Gartenkultur und Natur, sondern auch «einheimische» und «fremde» Pflanzen aufeinander. «Das passt gut zum Tourismusort Interlaken», fand der Botaniker Adrian Möhl und bestimmte die kleine Parkanlage zum Treffpunkt für seinen Volkshochschulkurs in Botanik vom Mittwochabend.

«Einheimisch» und «fremd» sind allerdings gerade bei der Interlakner Flora relative Begriffe. Denn zunächst einmal liess der Aaregletscher nach der letzten Eiszeit einen langen See zurück, in dem erst durch das Geschiebe von Lombach und Lütschine das heutige Bödeli entstand.

Bönigens Alpengarten

Doch sobald die ersten Schwemmlandinseln zumindest zeitweise aus dem Wasser auftauchten, wanderten auch schon die ersten Pflanzen ein. Wie es damals ausgesehen haben könnte, zeigt heute das Lütschinendelta bei Bönigen – einer der wenigen Orte, wo noch die Dynamik eines naturnahen Flussdeltas herrscht. Zu den Pionieren auf den unsicheren Sandböden gehören neun Weidenarten, die mit ihren federleichten Samen viele Kilometer weit wandern können. Dazwischen blühen derzeit Alpenwundklee und Kriechendes Gipskraut – eigentlich typische Alpenblumen, die der Fluss ins Tal geschwemmt hat.

Die botanische Siedlungsgeschichte vom Bödeli, die mit der Zeit auch immer stärker vom Menschen mitbestimmt wurde, rollte Adrian Möhl am Spaziergang von hinten auf. Zu den letzten Ankömmlingen gehört die Armenische Brombeere, die schon vor Jahrzehnten aus Gärten verwildert ist und die mancherorts vielfältige Pflanzengemeinschaften verdrängt. Neu am Ostbahnhof ist aber auch der Dreifingerige Steinbrech – ein zierliches Pflänzchen der trockensten Magerwiesen, das vor 20 Jahren vom Aussterben bedroht war, weil solche mageren Standorte immer seltener werden. Dann entdeckte der her­bizidresistente Winzling aber den Eisenbahnschotter und Mauerritzen als neue «Nische» und hat seither die Bahnareale erobert.

Natur- und Kulturgeschichte

Auf unterhaltsame Weise verband der Botaniker die genaue Beobachtung von Blatt- und Blütenmerkmalen mit Angaben zu ökologischen Zusammenhängen, die Geschichte der Kulturlandschaft mit Sagen und der Verwendung verschiedener Pflanzen einst und heute. Der facetten­reiche Blick auf die Pflanzen ist typisch für die Führungen von Adrian Möhl und den anderen Mitgliedern des Berner Botanikervereins Aquilegia.

Diesen Sommer verlässt Aquilegia den Botanischen Garten Bern für drei Kurse der Volkshochschule Interlaken und Umgebung. Auf den Abendspaziergang zum Lütschinendelta folgen am 1. Juni Christine Föhrs «Sumpftour ohne Kopfweh» durch die Weissenau und am 28. Juni Deborah Schäfers Waldspaziergang «im Land der Riesen» am Rugen.

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