Spiez

Seaside scheint sicher, aber...

SpiezDer bis dato grösste Buchtanlass war ein Erfolg. Wird er aber auch fortgesetzt? Die Zeichen seitens Gemeinde und Veranstalter sind positiv, definitiv ist aber nichts, weil die detaillierte Analyse zum Seaside Festival noch aussteht. Klar ist: Die Rückmeldungen sind durchwegs positiv.

Beim Abbau auf dem Festivalgelände, der bis heute Abend dauert, helfen Asylbewerber vom Durchgangszentrum Freyberg Hondrich unter der Leitung von Luis Duarte (Mitte) dem Spiezer Werkhof. Die Holzschnitzel im Mühlebächli werden entfernt und auf Spielplätzen als Fallschutz verstreut.

Beim Abbau auf dem Festivalgelände, der bis heute Abend dauert, helfen Asylbewerber vom Durchgangszentrum Freyberg Hondrich unter der Leitung von Luis Duarte (Mitte) dem Spiezer Werkhof. Die Holzschnitzel im Mühlebächli werden entfernt und auf Spielplätzen als Fallschutz verstreut. Bild: Jürg Spielmann

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Die rockigen und poppigen Klänge sind verhallt, die Scheinwerfer gelöscht, die 19'000 berieselten Besucherinnen und Besucher abgezogen. «Ahoi und danke für Deine Teilnahme am ersten Seaside Festival. Das zweite Seaside Festival findet am 24. und 25. August 2018 in Spiez in der schönsten Bucht Europas statt.»

Mit dieser klaren Ansage wurden registrierte Nutzer des bargeldlosen Bezahlsystems am späten Dienstag per Mail begrüsst. Darin wurde über die Rückvergütung von ungebrauchtem Guthaben informiert. Cashless funktionierte an der Premiere, anders als 2013 beim erst- und bis heute einmaligen Versuch am Gurtenfestival, störungsfrei. Etwas, das fürs Gelingen des Seaside unabdingbar war.

Vertrag nur mit Partnern

Wieso aber wird die Zweitauflage bereits fix vermeldet? Die Seaside Festival AG um Veranstalter Philippe Cornu machte zwar nie einen Hehl daraus, den zweitägigen Event wiederkehrend durchführen zu wollen. Doch wurde in der positiven Bilanz vom Sonntag darauf verzichtet, das Folgefestival 2018 als gegeben anzukünden. Auch die Spiezer Gemeindepräsidentin Jolanda Brunner liess nur vernehmen, dass «die Zeichen positiv stehen».

Dieselben Worte wiederholte sie am Mittwoch – aus gutem Grund: Derzeit sei die Fortsetzung des Festivals schlicht noch keine beschlossene Sache. «Wir werden uns zeitnah zum Debriefing mit dem Veranstalter treffen und analysieren den Anlass gemeindeintern. Zudem werten wir die Rückmeldungen aus der Bevölkerung aus.» Letztere war eingeladen, sich an einer Umfrage zum Festival zu beteiligen.

Anschliessend wird laut Brunner der Kontakt mit dem Verein Bucht, dem Mühlematteleist, der die Interessen der Anwohner vertritt, sowie dem Regierungsstatthalter gesucht. Letztgenannter bewilligt das Open Air – auf Antrag des Gemeinderats. «Von verschiedener Seite ist die Falschinformation zu mir durchgedrungen, das Festival habe einen Drei- oder gar Fünfjahresvertrag mit der Gemeinde. Verträge hat es mit Sponsoren, aber nicht mit uns», präzisierte die Gemeindepräsidentin. Jährlich sei die Bewilligung aufs Neue beim Regierungsstatthalter zu beantragen.

Nichtsdestotrotz sendete Jolanda Brunner ein untrügliches Zeichen aus: «Obwohl es vereinzelte negative Stimmen gibt, überwiegen klar die positiven Rückmeldungen.» Der Anlass lief laut ihr sehr gut ab. «Wir erhielten viel Lob dafür, dass wir das Open Air durchführen und hörten Stimmen, die sagten, sie seien stolz, Spiezer zu sein.» Einige wenige Reaktionen hätten sie vom anderen Seeufer aus Merligen und Sigriswil erreicht, welche die Lärmbelastung kritisierten.

Was sagen die Anwohner?

Festivalmacher Philippe Cornu stellte am Mittwoch klar: «Unser Plan ist es, dass das Seaside Festival ein Traditionsanlass wird, darum haben wir mit den Partnern Dreijahresverträge abgeschlossen.» Aus der Anwohnerschaft habe er «eine positive Resonanz» gehabt. «Die Nachbarn müssen zwingend Gehör erhalten, denn sie sind klar exponiert. Deren Einbezug ist das A und O.»

Was aber sagen die Anwohner selbst? «Der Mühlematteleist kann noch keine definitive Stellungnahme zu Seaside abgeben. Wir erhalten noch laufend Rückmeldungen, welche wir am Auswerten sind», orientierte Leistpräsident Oskar Diesbergen. «Fakt ist, dass wir bis jetzt von der Anwohnerschaft sowohl sehr negative wie auch sehr positive Reaktionen erhalten haben. Schliesslich liegt unser Fokus auf der jährlichen Gesamtbelastung in der Bucht. Dieses Thema werden wir mit der Gemeinde genauer anschauen.»

Auch vier Tage nach der Seaside-Premiere ist derweil Philippe Cornu «überwältigt von den Gefühlen», wie er sagt. «Eine so grosse Freude bei den Leuten habe ich in meiner ganzen Karriere als Veranstalter nirgendwo erlebt.» Er sei «wahnsinnig stolz auf das neue Festival. Wir möchten es weiterentwickeln.»

Bedarf gebe es diesbezüglich bei der Anzahl Getränkestationen. «Hier waren wir unterdotiert.» Trotzdem dürfte die Rechnung für die Seaside Festival AG aufgehen. Cornu: «Die Zahlen zu den Ticketverkäufen und zum Umsatz sind sehr erfreulich. Wir gehen davon aus, die erste Ausgabe trotz der Initialkosten zumindest kostendeckend abzuschliessen, eventuell gar mit kleinem Gewinn.»

Flüchtlinge packen mit an

Auch von einem Gewinn, indes für die Gemeinde, sprach am Mittwoch Werkhofchef Markus Schärer. In der Bucht sollen die Spuren vom Open-Air-Anlass bis Donnerstagabend ­beseitigt sein. Seit nunmehr fast zwei Jahren könnten er und sein Team auf die willkommene Unterstützung von Asylsuchenden aus dem Durchgangszentrum Freyberg in Hondrich zählen. «Morgens sind sie im Deutschunterricht, nachmittags werden sie beschäftigt.»

Ein solches Beschäftigungsangebot, das den Flüchtlingen nebst einer Tagesstruktur auch 3 Franken Sackgeld pro Arbeitsstunde garantiert, bot er diesen Sommer an den grossen Buchtanlässen. «Total werden es um die 1500 geleistete Mannstunden sein.»

Werden die Männer üblicherweise zur Neophytenbekämpfung, beim Littering oder für Laubarbeiten eingesetzt, schaufeln sie aktuell das temporär mit Holzschnitzeln zugedeckte Mühlebächli wieder frei. «In der Bucht sind durch das Festival keine grösseren Schäden entstanden», so Schärer. (Berner Oberländer)

Erstellt: 31.08.2017, 06:26 Uhr

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