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«Caravan of Love»

In See stechen statt im Stau stehen: Spiez Marketing will neu mit einem schwimmenden Wohnwagen auftrumpfen. Verbirgt sich hinter dem jüngsten Angebot mehr als nur ein Marketinggag?

Jürg Spielmann
Der Wohnwagen, der auch Elektroboot ist: Der Sealander wurde gestern an seinem Standort in Faulensee eingewassert.
Der Wohnwagen, der auch Elektroboot ist: Der Sealander wurde gestern an seinem Standort in Faulensee eingewassert.
Jürg Spielmann

«Join the caravan of love...» Wer älter ist als das Internet, mag sich womöglich an den Hühnerhautrefrain des ­A-capella-Klassikers der Housemartins erinnern. Eine gänzlich andere Liebeskarawane biegt am Montagnachmittag beim Tourismusbüro Faulensee auf den Parkplatz ein.

Es ist ein – zumindest auf den ersten Blick stinknormaler – blauer Caravan. Einachsig, zweirädrig.Um aber lediglich einen handelsüblichen Wohnwagen vorzustellen, bat die Spiez Marketing AG freilich nicht ans Thunerseeufer.

Mit einer «nationalen Neuheit» sollte die regionale Medienschar ebenso geködert werden wie jene mit den schnellen (Online-)Buchstaben aus den Ballungszentren Bern, Basel oder Zürich. Einige bissen an, viele nicht.

Sealander heisst das Amphibiengefährt, der jüngste Schrei der Spiez Marketing AG (Smag). Er ist eine Mischung aus Wohnwagen und Elektrojacht. Die touristische Neuheit in Faulensee wird ab Samstag an über 18-Jährige vermietet. Erst mal ins Wasser gelassen, ermöglicht der strassentaugliche Anhänger mit seinem 3-PS-Elektromotörchen Plausch- und Bade- oder Campingausfahrten mit Übernachtung auf dem See. Ohne Führerschein.

Der Caravan soll Gäste locken. Video: Jürg Spielmann

Der gut vier Meter Lange, 1,9 Meter Hohe und gut 500 Kilo Schwere ist schlicht, aber funktional ausgerüstet: Kochnische, Grill, Spülbecken, Kühlschrank, Musikboxen, Innenbeleuchtung, portables WC. Zugelassen ist der verrückte Caravan für vier Personen. «Zum Übernachten ist er für deren zwei geeignet», sagt Stefan Seger, Geschäftsführer der Smag. Die Liegefläche sei mit 1,60 mal 2 Metern «komfortabel», meint er.

Laut Importeur Patrick Nagbe aus dem Luzernischen cruisen in helvetischen Landen (respektive Gewässern) bislang sieben Stück umher. «Keines aber kann gemietet werden», weiss Seger. Was kostet Hobbykapitäne der Spass? Der Sealander ist ab 250 Franken (4 Stunden) bis 390 Franken (24 Stunden) zu haben. Jeder weitere Tag: 150 Franken.

Wer will, kann den Anhänger auswassern und weiterziehen. Das soll, nach einer Kurzinstruktion, selbst für Laien machbar sein. Die Smag liess sich ihre Attraktion, die Teil einer touristischen Vorwärtsstrategie in Faulensee ist (siehe Kasten), stolze 38 000 Franken kosten. 23 000 kostet die Basisvariante, von der bis dato gerade mal dreissig Stück die produzierende Werft nahe Hamburg verlassen haben. «Ich bin gespannt, wie gut sich der Sealander vermieten lässt», meint Stefan Seger.

«Es gilt unser Element Wasser zu nutzen», sagt Stefan Seger, Geschäftsführer der Smag. Video: Jürg Spielmann

Seine Firma hat Erfahrungen mit kuriosen Wassergefährten: In der Spiezer Bucht dreht seit 2016 ein Schwanenpedalo seine Runden, nicht selten mit Hochzeitspaaren. 30-mal pro Saison wird das vermietet. Seger: «Es gilt unser Element Wasser zu nutzen.»

Er ist also mehr als barer Sauglattismus. «Carawahnsinn» betitelte den Wohnwagen fürs Wasser (oder doch das Hausboot fürs Land?) «Der Spiegel». Man kann ihn auch als mobile Insel bezeichnen. Zum Tuckern gen Sonnenuntergang lässt sich so nicht nur «Caravan of Love», sondern auch «Jede bruucht sy Insel» summen. Auch Peter Rebers Hit kennt, wer älter ist als das Internet.

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