Schürli – funktionslos, nicht nutzlos

In der Region dürften 20000 Schürli dem Untergang geweiht sein, wenn es nach dem Bund geht. Doch ein Verein kämpft für ihren Erhalt und setzt sich für die Biodiversität und die Kulturlandschaft ein.

Schürli unterstützen und fördern die Biodiversität. Diese beiden stehen in Boltigen.

Schürli unterstützen und fördern die Biodiversität. Diese beiden stehen in Boltigen.

(Bild: PD)

Als Schürli bezeichnet man allgemein kleine Ställchen, Heuschober, Weidehütten und Lischeschober. Davon soll es in der ganzen Schweiz weit über 100­000 geben. Sie alle zeugen von einer lokalen natur- und umweltangepassten Landwirtschaft, die es so heute nicht mehr gibt. Als Folge davon stehen diese Schürli, die weit älter sind als all unsere Gesetze, Verordnungen und Sachpläne für Naturschutz oder Raumplanung, ohne Funktion herum und verfallen.

Beschleunigtes Sterben

Ohne Funktion, aber nicht ohne Nutzen: Denn Schürli dienen einer Vielzahl von Fledermäusen, Vögeln und Insekten als Lebensraum. Auch Fuchs und Wiesel verstecken sich gerne darin. Sollten diese Schürli abgerissen werden, wie das der Bund in der Raumplanungsversion 2 laut Michel Gehret aus Gsteig, Präsident des Vereins Schür.li, fordert, ginge das alles verloren.

Gehret argumentiert, er habe eben die Raumplanungsversion 2 durchgelesen, darin gehe es dem Bund vornehmlich um Kompensation. Das heisst, der Bund fordere, dass die Fläche der abgerissenen Gebäude in der Landwirtschaftszone mit neuen Scheunen kompensiert werde. «Dann steht plötzlich eine Riesenscheune auf einer Ebene, und unzählige kleine Schürli werden abgerissen», ärgert sich Gehret, der darin, im Gegensatz zum Bund, keine Erhaltung der Biodiversität oder der Kulturlandschaft sieht.

Der Entwurf der Raumplanungsrevision 2 gefährde schweizweit rund 90000 Gebäude ohne Nutzen, also Schürli. Für Gehret ist diese Idee «ein Brandbeschleuniger für das Schürli-Sterben».

Umnutzung statt Abriss

Statt die Schürli abzureissen, sieht Michael Gehret in der Umnutzung die Möglichkeit, ein «auf der Welt einzigartiges Landschafts- und Kulturerbe» zu erhalten. Doch auch die Vorgaben des Vereins sind strikt: keine neuen Erschliessungen, keine Emissionen, keine sichtbaren Veränderungen der Fassaden, keine unwirtschaftlichen Schutzklausen und keine hässlichen, trennenden Hecken. Was wäre denn eine mögliche Nutzung? Gehret: «Das Einfachste wäre eine Umnutzung in einen Wohnraum, ein sogenanntes positives Kaltbett.»

Idealerweise übernachtet jemand zwei- oder dreimal im Jahr in einem Schürli und pflegt dabei die Umgebung. Noch bis zum 31. Dezember läuft die Vernehmlassung zum bernischen Sachplan Biodiversität. «Wir sind mit den Parlamentariern in Kontakt und hoffen auf eine Anhörung», äussert sich Michael Gehret dazu.

Berner Oberländer

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