Schneequader eiskalt in Form gebracht

Grindelwald

Das World Snow Festival in Grindelwald ist in vollem Gange und dauert noch bis zum Wochenende. Zehn Nationen aus aller Welt kämpfen nicht nur mit der richtigen Form.

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Wir haben dieses Jahr weniger Glück ge­habt», sagen die Mitglieder des US-amerikanischen Teams beim Bearbeiten ihres Quaders im Dorfzentrum von Grindelwald lachend. Sie kämpfen mit Schneeklumpen, die ein exaktes Schneiden fast unmöglich machen. «Das gehört zum Geschäft, es ist schliesslich Naturschnee», sagt Ben Barreau.

Die Lösung sei eine Handsäge gewesen, mit der man ihrer Figur – die die Balance zwischen allen Lebewesen beschreiben soll – die Form gebe. Schliesslich laute das Motto «Harmonie», da müsse man sich wohl auch mit den ­Elementen versöhnen, so die Künstler.Die Suche nach Schnee war nämlich gar nicht so einfach, die Quader wurden zu dieser Zeit des Winters bereitgestellt, als die weisse Pracht noch Mangelware war. «Es ist alles Naturschnee aus Grindelwald», sagt Bruno Hauswirth, Geschäftsführer von Grindelwald Tourismus. Deshalb weise dieser auch unterschiedliche Qualitäten auf, mit dem sich die Künstler auseinandersetzen müssten. «Vergessen wir nicht, pro Schneequader benötigen wir rund 50 Kubikmeter Schnee.»

Dieser wird mit einer Schneefräse in eine Holzform aufgefüllt, danach muss sich der Naturstoff einige Tage setzen und sich verfestigen. Dieser Prozess macht jedes Kunstwerk sehr individuell punkto Farbe oder Konsistenz. Mitunter ist es mehr Eis denn Schnee und sehr zäh: «It’s a hard work», erklärt auch Darell Wilkinson vom englischen Team, der mit allerlei Werkzeugen dem Block dir richtige Form abringt. Sein Quader sei extrem fest, jede Formgebung arte in schweisstreibende Arbeit aus, erklärte er. Dennoch bleiben die Briten gelassen, man sei in den vergangenen Jahren noch immer fertig geworden.

Das deutsche Team sticht aus allen anderen Teams hervor, denn es ist ein reine Frauengruppe. «Das hat sich so ergeben», erklärt Franziska Agrawal. «Ich hatte sonst immer ge­mischte Gruppen, aber ich finde es schön, ein komplettes Frauenteam zu sein.» Und es funktioniere gut. Zu ihrem Kunstwerk sagt sie: «Man spürt, dass es sehr warm war, der Schnee nicht so kompakt im Kubus zusammengepresst wurde.» Die Beschaffenheit reiche von Pulverschnee bis Eis, das macht die Arbeit sehr speziell. «Man kann sich nicht immer auf das Material verlassen, aber es funktioniert.» Ihre Skulpturen entsprechen dem Konzept der konkreten Kunst, «wir machen immer geometrische Figuren.»

Die Kunstwerke stossen beim Publikum schon in der Entstehung auf reges Interesse. Und weil die Künstler anders als in einem Atelier einfacher zugänglich sind, entstehen so angeregte Gespräche. Diese dauern so lange, bis ein Teammitglied dann und wann von einem Kollegen an den Zeitplan gemahnt wird.

Video: Fritz Lehmann

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