Schnappt sich Interlaken ein weiteres eidgenössisches Fest?

Interlaken

Mit Pauken und Trompeten: Interlaken bewirbt sich um die Austragung des Eidgenössischen Musikfestes im Jahr 2021. «Die Chancen auf den Zuschlag sind durchaus intakt», sagt der Präsident des Initiativkomitees.

Parademusik am Höheweg: Schon 1996 massen sich die Musikvereine am eidgenössischen Fest in Interlaken. Hier marschiert strammen Schrittes die MG Reutigen.

(Bild: zvg)

Es ist nichts weniger als die grösste blasmusikalische Zusammenkunft von Europa, die sich Interlaken unter den Nagel reissen will: Das eidgenössische Blasmusikfest 2021 findet in Interlaken statt – womöglich. «Ja, wir bewerben uns», sagt Grossrat Peter Flück, der designierte OK-Präsident.

Marschmusik am Höheweg, Konzertvorträge aller Klassen in umliegenden Sälen, Tausendschaften von Musikanten in Festlaune: Das gabs in Interlaken vor 21 Jahren bereits einmal: Schon 1996 fand das «Eidgenössische» hier statt, damals mit Albert Lüthi als erfolgreichem OK-Präsidenten. Das Fest gibt es alle fünf Jahre. Zuletzt waren 2011 St. Gallen und letztes Jahr Montreux die Veranstaltungsorte.

Entscheid im April 2018

Massgeblich an der Idee beteiligt, das eidgenössische Blasmusikfest wieder nach Interlaken zu holen, ist auch die Firma Jungfrau World Events. «Wir stellen immer wieder fest, dass sich Interlaken bestens für Grossanlässe eignet», sagt Geschäftsführerin Iris Huggler und erwähnt die hohe Wertschöpfung eidgenössischer Feste für die Region.

2010 fand das Eidgenössische Trommler- und Pfeiferfest hier statt, 2011 das Jodlerfest, dazu alle sechs Jahre der Unspunnenschwinget und alle zwölf Jahre das heuer anstehende Unspunnenfest. «So wurde auch das Musikfest zum Thema», so Huggler, die mit Peter Flück im Initiativ­komitee Einsitz genommen hat.

Die Entscheidung, wo das Fest 2021 stattfindet, fällen die Delegierten des Schweizerischen Blasmusikverbandes im April 2018. Interlaken und seine Mitbewerber haben dort 15 bis 20 Minuten Zeit, sich zu präsentieren – dann wird auf der Stelle entschieden. «Zuerst müssen wir bis Ende 2017 noch die schriftliche Bewerbung einreichen», sagt Flück. «Die Chancen auf den Zuschlag sind durchaus intakt.»

Im Jahr 1996 waren – über zwei Wochenende im Juni verteilt – in Interlaken rund 460 Vereine mit 24'000 Musikanten zu Gast. Die Zuschauerzahl blieb infolge nasskalten Wetters mit rund 60'000 Besuchern etwas unter den Erwartungen.

Die Dimensionen haben sich seither etwas geändert: Letztes Jahr vermeldeten die Organisatoren in Montreux eine Besucherzahl von insgesamt um die 200'000 Personen – und die Anzahl der teilnehmenden Vereine, nämlich 556, bedeutete Rekord. Allerdings gab es nach Montreux auch diverse negative Rückmeldungen aus den Reihen der Musikanten, die vor allem die Organisation betrafen.

Darum sei der Schweizerische Blasmusikverband derzeit dabei, das Reglement für das eidgenössische Fest zu entschlacken. «Die Veranstaltungsorte sollen mehr Mitspracherecht erhalten, um den Anlass für die Region verträglich gestalten zu können», so Flück.

Neben einem Budget von rund 6 bis 8 Millionen Franken braucht es in Interlaken auch die ent­sprechende Infrastruktur. «13 bis 15 Konzertlokale mit jeweils zwei Einspielmöglichkeiten sind nötig», sagt Iris Huggler.

Das OK formiert sich

Im Initiativkomitee sind neben Flück als Präsident und Huggler als Geschäftsführerin auch schon weitere Posten besetzt: Der Brienzer Blasmusikfachmann Alfred Fischer übernimmt das Musikressort, der Böniger Gemeindepräsident Herbert Seiler das Bauwesen. «Anfang April findet die nächste OK-Sitzung statt», sagt Flück, der sich wünscht, dass auch einige junge Personen im OK mitmachen.

Ebenfalls braucht es einen Trägerverein, den die umliegenden Musikgesellschaften stellen sollen. Der 2015 fusionierte Musikverein Interlaken-Unterseen stellt sich nicht zur Verfügung, da hier in den nächsten Jahren musikalische Ziele im Vordergrund stehen. «Von den Musikgesellschaften Matten, Wilderswil und Ringgenberg haben wir jedoch bereits ein positives Echo bekommen», sagt Iris Huggler.

Um die gewünschte breite Abstützung in der Region zu erreichen, werden in Kürze weitere Musikgesellschaften und Vereine für eine Zusammenarbeit angefragt. «Auch dieses Fest wird nur umsetzbar, wenn wir auf viele freiwillige Helfer zählen können.»