«Schade, dass nicht mehr Junge kommen»

Blumenstein

In der Kirche neben dem Fallbach in Blumenstein beginnt am Sonntag der neue Zyklus der 4-Jahreszeiten-Konzerte. Dabei sein wird auch Kurt Egger, der die Kammermusik Konzertreihe seit Beginn unterstützt.

Kurt Egger vor der Kirche Blumenstein, in welcher die 4-Jahreszeiten-Konzerte stattfinden werden.<p class='credit'>(Bild: Marc Imboden)</p>

Kurt Egger vor der Kirche Blumenstein, in welcher die 4-Jahreszeiten-Konzerte stattfinden werden.

(Bild: Marc Imboden)

«Im Bestreben, unserer Zeit der Rastlosigkeit und der Stressbelastungen Oasen der Ruhe, der Besinnung und der Naturnähe entgegenzuhalten, hat sich der Cellist Patrick Demenga die 4-Jahreszeiten-Konzerte einfallen lassen.» Das schrieb der verstorbene Berner Kulturjournalist Martin Etter am 20. April 1995 im «Bund».

Gut einen Monat später, im Frühlingskonzert vom 28. Mai, interpretierten Hansheinz Schneeberger, Christoph Schiller und Patrick Demenga Beethoven und Mozart.

Im Publikum sass auch der inzwischen 76-jährige Kurt Egger aus Blumenstein, damals noch Professor am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern. Er war so begeistert, dass er nach dem Konzert Patrick Demenga und dessen Frau Katja fragte, ob er sie künftig unterstützen könne.

«Nach mässigem Erfolg bei der Sponsorensuche», wie sich Kurt Egger im Gespräch mit dieser Zeitung erinnert, habe er als damaliger Präsident der Schulkommission beim Gemeinderat und als Professor an der Universität Bern bei musikbegeisterten Kolleginnen und Kollegen lobbyiert. «Selbstverständlich ist es leichtgefallen, den Gemeinderat für dieses kulturelle Highlight in Blumenstein zu überzeugen.»

Elegant oder sportlich

Seither engagiert sich Kurt Egger finanziell für die 4-Jahreszeiten-Konzerte und betreibt weiter eifrig Mundpropaganda. «Viele Freunde und Bekannte konnte ich schon zu einem Besuch motivieren. Die einen kommen elegant gekleidet, andere verbinden das Konzert mit einer Wanderung und erscheinen im Sporttenü.»

Seit mehr als zwanzig Jahren hält Kurt Egger der Konzertreihe die Treue. Ihn überzeugt sowohl das Konzept wie auch das hohe musikalische Niveau der Konzerte.

«Patrick und Katja Demenga und auch ihre Nachfolger Mirjana Reinhard und Yuka Oechslin spielen nicht nur klassische Werke, sondern bringen dem Publikum auch Kammermusik jüngeren Datums näher – Konzerte von Bach, Mozart, Beethoven, Brahms . . . bis Hindemith, Lutoslawski, Schönberg, Strawinsky. Hinzu komme, dass die Organisatoren immer wieder begabte junge Musikerinnen und Musiker engagieren und mit dieser Konzertreihe auch fördern.

«Man spürt, dass hier Künstlerinnen und Künstler in freundschaftlichem Kontakt auf höchstem Niveau musizieren. Eine fast familiäre Atmosphäre mit einem hochgradigen und äusserst abwechslungsreichen Programm.» Was die Konzertreihe neben der Musik auszeichnet, ist das Ambiente.

Kurt Egger gerät ins Schwärmen: «Die Akustik der jahrhundertealten Kirche, ihre Lage am rauschenden Fallbach, der Wechsel der Jahreszeiten vom zarten Frühling in den fast südländischen Sommer, vom farbigen Herbst zum schon fast hochalpinen Winter – alles spielt irgendwie zusammen.»

Die Farbe Grau dominiert

Seit der Journalist Martin Etter die ersten Zeilen zu der Konzertreihe zu Papier brachte, haben die Rastlosigkeit und die Stressbelastungen in einem Mass zugenommen, wie es sich der frühere Doyen der Berner Kulturjournalisten wohl kaum hätte vorstellen können. Umso wichtiger seien jene Oasen der Ruhe geworden, wie sie die klassische Musik besonders gut erzeugen könne, ist Kurt Egger überzeugt.

«Leider ist das Publikum altersmässig wenig durchmischt. Es dominiert die Haarfarbe Grau.»Kurt Egger

«Leider ist das Publikum der 4-Jahreszeiten-Konzerte altersmässig wenig durchmischt. Es dominiert die Haarfarbe Grau», konstatiert er mit einem Lächeln. «Schade, dass nicht mehr junge Leute zu den Konzerten kommen.» Klassische Musik hat den Ruf, abgehoben zu sein, elitär und intellektuell.

«Ein Vorurteil», findet Kurt Egger, «das mit der Auswahl der Komponisten, mit dem persönlichen Engagement der Solisten sowie mit dem Konzertrahmen schnell entkräftet werden könne. «Vielleicht müsste mit besonderen musikalischen oder auch organisatorischen Akzenten noch mehr unternommen werden, um auch die jüngere Generation zum Konzertbesuch zu motivieren.»

Egger ist überzeugt, dass diese Konzertreihe für ältere und auch für jüngere Personen eine Oase der Ruhe, der Besinnung und der Naturnähe ist. «Für diese Oase brauche es kein grosses musikalisches Vorwissen, nur die Bereitschaft, auch auf leisere Töne und besonders auf sich selbst zu ­hören.»

Berner Oberländer

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