Rutschfreudiger Fels wurde «angenagelt»

Guttannen

Am Montag jährt sich der grosse Felssturz am Gelmersee, den sechs Wanderer nur mit sehr viel Glück überlebten. Inzwischen wurde einiges getan rund um den Bergsee. Geologe Ueli Gruner erklärt, wieso unter anderem eine 300 Kubik grosse rutschende Granitplatte mit 23 Nägeln ruhiggestellt wurde.

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Bruno Petroni

Am Vormittag des 20. August 2017 lösten sich hundert Meter über dem Hüttenweg zur SAC-Gelmerhütte ohne Ankündigung 150 Kubikmeter Gestein – nur Sekunden bevor eine Gruppe von sechs Wanderern diese Stelle passieren wollte. Durch die Streuung des Gerölls wurden alle sechs verletzt, einer davon schwer.

Ehe der Hüttenweg fünf Tage später wieder geöffnet werden konnte, wurde die betreffende Felswand durch die Kraftwerke Oberhasli (KWO) minutiös von lockerem Gestein gereinigt. «Bei dieser Felsreinigung haben wir im selben Anrissgebiet noch weitere 17 Kubikmeter lockeres Gestein entdeckt, die wir im Frühjahr vor der Öffnung des Wanderwegs mit einer präzisen Sprengung zum Absturz gebracht haben», berichtet Ueli Gruner.

Schliesslich liess der erfahrene Geologe, der das Gebiet um den Gelmersee seit 14 Jahren betreut, ein sogenanntes Messsiegel anbringen, das periodisch mit einer Drohne angeflogen und überprüft werden kann.

Riesenplatte ruhiggestellt

Auch südlich, auf der gegenüberliegenden Seeseite, zeigt sich der Fels rutschfreudig, stürzte doch vor 14 Jahren eine 180 Tonnen schwere Felsplatte direkt auf den Gelmerseerundweg, wo sie heute noch angelehnt an den Berg steht und so den Wanderern einen spektakulären Tunnel bietet. Unmittelbar neben diesem «Hinkelstein» ist aber eine noch viel grössere Platte im Rutschen begriffen: «Die 300 Kubikmeter grosse Felsplatte rutschte in den letzten zehn ­Jahren um einen Zentimeter, was geologisch gesehen extrem schnell ist», erklärt Ueli Gruner.

Auf seine dringende Empfehlung hin haben die KWO deshalb im Frühling den Granitriesen mit 23 Felsnägeln zu je fünf Metern Länge an den Berg «getackert». «Rund um den Gelmersee haben wir heute insgesamt 26 Handmessstellen, welche nun seit über zehn Jahren in regelmässigen Abständen kon­trolliert werden», so Gruner.

Schliesslich werden auch die Gesteinsbewegungen am 800 Höhenmeter über den See aufragenden Schoibhorn (2684 m) und in weiteren potenziell instabilen Felsgebieten mittels 20 Laser­reflektoren überwacht.

Investition zur Sicherheit

Nächstes Jahr ist die schon seit längerer Zeit angewandte 5-Jahres-Inspektion fällig: «Da schauen wir uns sämtliche Stellen besonders gut an, indem wir zu den üblichen Messungen noch Vergleichsfotos erstellen und vergleichen.»

Die ganze Felsüberwachung rund um den Gelmersee kostet die KWO jährlich rund 10'000 Franken. Es ist eine Investition in die Sicherheit der Gelmer-Besucher.

Im Berner Oberland bestehen laut Ueli Gruner 32 potenzielle Bergsturzgebiete mit einem Volumen von über einer Million ­Kubikmetern. Die allermeisten werden nicht überwacht, doch empfiehlt Gruner, diese Gebiete Schritt um Schritt genauer zu inspizieren, um frühzeitig Kenntnisse über allfällige grössere Bewegungen zu erhalten.

Berner Zeitung

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