Rund 150 Kubikmeter Felsen donnerten in den Gelmersee

Die Abklärungen nach dem Steinschlag beim Gelmersee sind im Gang. Wann der Wanderweg wieder ge­öffnet werden kann, ist derzeit offen. Insgesamt donnerten am Sonntag rund 150 Kubikmeter Fels zu Tal.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Der Lärm war tatsächlich ohrenbetäubend!», sagt Roman Gimmel. Der Thuner Gemeinderat und Präsident von Thun-Thunersee Tourismus befand sich am Sonntag mit seiner Familie nur einige Hundert Meter von der Stelle beim Gelmersee entfernt, wo sich der Steinschlag ereignete. «Es waren riesige Felsbrocken, die runterdonnerten. Teilweise zerschellten sie an der steilen Felswand und wurden damit zu einer Art Splitterbombe.»

Er hatte gerade das Handy gezückt, um seine Töchter abzulichten, als es zu den dramatischen Szenen kam. «Ich sah, dass sich mehrere Menschen auf dem Wegabschnitt befanden. Mir war sofort klar, dass das nicht gut gehen konnte.» Der Spuk dauerte keine halbe Minute. «Dann war es vorerst totenstill», sagt Gimmel. Eine grosse Staubwolke sei in die Höhe gestiegen.

«Als sie sich legte, habe ich das Ausmass gesehen.» Es sei ein Wunder, dass alle mit dem Leben davongekommen seien. Rund um den Gelmersee hätten sich Hunderte Wanderer befunden, sagt Gimmel. Bereits rund zwanzig Minuten später waren Helikopter von Rega und Air-Glaciers vor Ort und flogen die Verletzten aus. Die unversehrten Ausflügler konnten mit der Gelmerbahn wie vorgesehen ins Tal fahren.

Gimmel steckt der Schreck des Steinschlags noch in den Knochen. «Wir sind oft in den Bergen unterwegs und haben auch schon Schneelawinen und Steinschläge gesehen, aber das war nichts im Vergleich zu dem so unmittelbaren Felsabsturz am Gelmersee.» Sie hätten zudem vor dem Steinschlag noch eine kurze Pause gemacht, sagt Gimmel. «Hätten wir sie nicht gemacht, dann wäre es für uns sehr brenzlig geworden.»

Gelmerbahn fährt

Am Montag waren die Abklärungen an der Absturzstelle im Gebiet Heubalm in Gang. «Der betroffene Wegabschnitt bleibt bis auf weiteres gesperrt», sagt Thomas Huber von der Kraftwerke Oberhasli AG, welche die Gelmerbahn betreibt. Die Bahn ihrerseits verkehrt fahrplanmässig.

Die Gelmerhütte des Schweizer Alpen-Clubs kann über andere Wanderwege erreicht werden. Sie liegt knapp 600 Höhenmeter oberhalb des Sees auf 2412 Metern über Meer. Ob sich der Zwischenfall vom Sonntag auf die Besucherzahlen auswirken wird, kann Huber nicht abschätzen. Er will ihn ob aller Tragik nicht dramatisieren. «Es war höhere Gewalt.» Der Gelmersee befinde sich in alpiner Region. Da könne es zu Naturereignissen wie Steinschlägen kommen.

Huber will noch nicht zu weit in die Zukunft blicken. «Zuerst muss das geologische Gutachten abgewartet werden. Danach werden die zuständigen Akteure entscheiden, welche Massnahmen umgesetzt werden müssen, um den Weg wieder zugänglich zu machen.»

Fels wird gesäubert

Erste Arbeiten wurden bereits am Montag an die Hand genommen. «Bergführer befinden sich in der Wand und säubern den Fels», sagt Hans Abplanalp. Er ist Gemeindepräsident von Guttannen, auf dessen Gebiet sich der Gelmersee befindet. Ein Geologe untersucht zudem die Absturzstelle.

Nach den Schätzungen des Experten seien rund 150 Kubikmeter Fels in den Gelmersee gedonnert, sagt Ab­planalp. «Ein Steinschlag in dieser Grössenordnung ist nichts Aus­sergewöhnliches.» Wenn er sich aber an einem schönen Sonntag bei einem beliebten Ausflugsziel ereigne, werde er aussergewöhnlich.

Sobald das geologische Gutachten vorliegt, wird die Gemeinde, welche für den Wanderweg ­zuständig ist, über das weitere Vorgehen befinden. «Ich kann aktuell noch nicht abschätzen, wann das ist», sagt Abplanalp. Geht keine unmittelbare Gefahr mehr von der Absturzstelle aus, dürfte der Weg um den See wieder freigegeben werden.

Spital verlassen

Vom Steinschlag am Sonntagmittag kurz nach 13.10 Uhr wurden zwei Wandergruppen getroffen – insgesamt sechs Ausflügler wurden verletzt, eine Person davon nach ersten Erkenntnissen schwer. Polizeisprecher Christoph Gnägi konnte gestern Entwarnung geben. «Alle Verletzten haben das Spital unterdessen verlassen.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 21.08.2017, 17:33 Uhr

Artikel zum Thema

Sechs Wanderer von Steinschlag getroffen

Gelmersee Sechs Personen wurden am Sonntag auf dem Wanderweg am Gelmersee oberhalb von Guttannen durch Steinschlag verletzt. Die Gelmerbahn der KWO hat ihren Betrieb vorerst eingestellt. Mehr...

Steinschlag nahe des Grimselpasses fordert sechs Verletzte

Bei einem Unglück am Gelmersee im Berner Oberland sind sechs Personen verletzt worden, davon ein Wanderer schwer. Mehr...

Ds Bärner Oberland isch schön kurios

Einige bekannte Perlen und viel Abseitiges jenseits der Massen und Besucherströme: Die Berner Journalistin Regula Tanner präsentiert «111 Orte im Berner Oberland, die man gesehen haben muss». Mehr...

Paid Post

Fünfmal selber gemacht

Ideen für Selbstgemachtes - und ein Einkaufsgutschein im Wert von 500 Franken zu gewinnen.

Kommentare