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Run to the Hill: Rauchzeichen und Donnergroll

Zelebrierte Unvernunft, kultivierter Vandalismus und glorifizierter Lärm haben einen Namen: Run to the Hill, das Kultfestival auf dem Jaunpass.

Kerem S. Maurer
Kultivierter Vanadalismus: Ein Auto wird in «Juan Paso» täglich mit Hingabe zerlegt.
Kultivierter Vanadalismus: Ein Auto wird in «Juan Paso» täglich mit Hingabe zerlegt.
Kerem S. Maurer

Wenn am Freitagabend der «Berner Marsch», dann die Schweizer und zum Schluss die US-amerikanische Landeshymne gespielt wird, unterbrochen durch Salutschüsse aus einer Kanone, dann wird die Jaun-Passhöhe für drei Tage in Juan Paso umbenannt, herrscht auf dem ansonsten beschaulichen Gebiet das organisierte Chaos.

Der Boltiger Memphis Kings Club, unter dem Vorsitz von Christian Schafroth, übernimmt das Zepter und ermittelt in bewusst sinnbefreiten Aktionen den lautesten Motor, den schnellsten Grabenstampfer und jenes Fahrzeug, dessen Motor ohne Öl und Wasser am längsten läuft, bevor es mit Schlegeln demoliert wird.

Dazwischen werden unzählige Sätze Gummireifen in Qualm, Gestank und Lärm aufgelöst. All das macht keinen Sinn, ist aber unterhaltsam und trifft offenbar einen Nerv in der heutigen Gesellschaft. «Wir haben so viele Gesetze in unserem Land, da braucht es ein Festival wie dieses», sagt eine Besucherin lachend und spricht dem Festival, das an seiner siebten Ausführung längst Kultstatus hat, aus der Seele.

Alle zwei Jahre findet dieses Festival statt und zieht immer grössere Kreise. «Nun werden wir mit Fragen der Erreichbarkeit und Übernachtungen konfrontiert», sagt Schafroth und tönt an, dass nicht nur die Aktivitäten, sondern auch die Livekonzerte mit handverlesenen, internationalen Acts zahlreiche Leute auf den Jaunpass locken.

Auch für Heimweh-Boltiger

Auch sei das Festival ein Ort, wo sich Heimweh-Boltiger träfen, die das Simmental vor Jahren verlassen haben. Sie kämen mit ihren Freunden und Familien ans Festival und zeigten denen, wo sie herkommen. So bekommt dieser Anlass, der seinesgleichen in der Schweiz vergebens sucht, noch weitere Aspekte: Man ist stolz auf das Festival im Grenzgebiet zwischen den Kantonen Bern und Freiburg, und grenzwertig soll es auch sein.

Am Samstagabend lassen vierzehn Salutschüsse in Folge das Obersimmental erzittern. Mehr als vor zwei Jahren. «Man muss sich schliesslich steigern, nicht dass wir unsere Glaubwürdigkeit verlieren», sagt der Mann an der Kanone. Besuchermässig sei man etwa auf dem selben Niveau wie vor zwei Jahren, resümiert Schafroth am Sonntagmorgen, lange bevor die Party zu Ende ist.

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