«Rumpelstilzchen» der Brüder Grimm auf neue Art

Unterseen

Neue Figuren und Bühnenbilder, schöne ­Lieder zum Mitsingen: Das neu inszenierte Grimm-Märchen «Rumpelstilzchen» der Marionettenbühne Wengen begeistert Jung und Alt.

Neue Inszenierung (v. l.): Das Rumpelstilzchen, der König und seine Frau, die Müllerstochter.<p class='credit'>(Bild: Monika Hartig)</p>

Neue Inszenierung (v. l.): Das Rumpelstilzchen, der König und seine Frau, die Müllerstochter.

(Bild: Monika Hartig)

«Du chasch kei Gold spinne, du weisch nid, wies geit, niemer cha dr hälfe, hätt doch dr Müller nüt gseit!»

Mit diesem Lied begann am Sonntagnachmittag im ausverkauften Unterseener Stadtkeller das Märchen «Rumpelstilzchen». Vor der Vorstellung sang und spielte Erzähler Martin Niedermann mit der Gitarre vor, und alle sangen mit. Dann öffnete sich der Bühnenvorhang auf eine idyllische Szene im Wald mit Mühle, Brücke und Mühlenbach.

Stroh zu Gold spinnen

Der bettelarme Müller hat eine wunderschöne Tochter. Als sich ein König im Wald verirrt, erzählt ihm der Müller, die Tochter könne Stroh zu Gold spinnen. Dann sass das verzweifelte Mädchen im Schloss vor dem Spinnrad und Bergen von Stroh, und alle Zuschauer sangen mit: «Du chasch kei Gold spinne . . .» Da tauchte mit Donner und Blitz ein teuflisches Männlein auf und spann glitzernde Goldfäden. Das Mädchen wurde des Königs Frau. Zum Lohn forderte das böse Männlein der Königin erstes Kind, falls sie seinen Namen nicht errate.

Während des Bühnenumbaus übte Martin Niedermann mit dem Publikum das zweite Lied: «. . . ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiss!» Die Kinder hatten einen Riesenspass, als die Königin dem Rumpelstilzchen alle möglichen Namen vorschlug, wie etwa Hinz und Kunz oder Kaspar. Als sie endlich «Rumpelstilzchen» sagte, entschwand das Männlein wütend auf Nimmerwiedersehen.

Neue Inszenierung

«Wir haben das Märchen neu und frei inszeniert mit Liedern, Figuren, Kleidern und Bühnenbildern», sagte Erzähler Niedermann. Mit etwa 600 Kilogramm Material war die Marionettenbühne von Wengen angereist. Marionettenspielerin Heidi Allenspach lässt sich bei der Gestaltung der Puppen gerne von Märchenfee Trudi Gerster (ver­storben 2013) inspirieren. Die Puppenkostüme werden aus Altkleidern genäht, die Körper sind aus Holz. Puppenspielerin Angelika Bockholt erklärte, die Köpfe würden aus Pappmaché in einer Gussform aus Ton hergestellt: «Die Köpfe müssen ganz leicht, aber stabil sein; die Puppen müssen viel aushalten.» Für die Bühnenbilder werde oft Schaufensterdeko verwandt. Der Fundus an Deko ist mittlerweile sehr gross. Niedermann: «Wir spielen ohne Gage. Mit dem grössten Teil unserer Einnahmen finanzieren wir die Bühnenausstattung.»

Nächste Aufführung: Mittwoch, 15. November, um 15 Uhr im Stadtkeller Unterseen.

Berner Oberländer

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