Proteste und Emotionen

Leissigen

Die Infoveranstaltung der BLS zur Kreuzungsstelle im Dorf schlug hohe Wellen. Einwohner kritisierten etwa Strahlenbelastungen und das Fehlen eines Nutzens des Projekts für das Dorf.

Einwohner befürchten Nachtruhestörungen während der Bauphase der BLS Kreuzungsstelle.

Einwohner befürchten Nachtruhestörungen während der Bauphase der BLS Kreuzungsstelle.

«Der Auslöser für das Projekt Kreuzungspunkt Leissigen ist ein nationales Interesse. Im Fernverkehr von Zürich bis Interlaken müssen 400 Meter lange Züge irgendwo kreuzen – das geht wegen der Abfahrtszeiten in Bern nur im Raum Leissigen und Därligen», sagte Daniel Wyder, Leiter Infrastruktur der BLS und Mitglied der Geschäftsleitung, am Dienstag. Am öffentlichen Infoabend folgten zahlreiche Einwohner Leissigens den Ausführungen der drei anwesenden BLS-Referenten.

Diese betonten einmal mehr, dass eine Doppelspur durch Därligen nicht möglich sei und der Bau eines Umfahrungstunnels mit etwa 200 Millionen Franken das Doppelte der für die Ausbauten am Thunersee zur Verfügung stehenden Mittel kosten würde. Deshalb gebe es zum Kreuzungspunkt Leissigen keine Alternative. Auch sei es vom Betrieb her nicht möglich, die Züge in Bern zu verkürzen.

Baulärm und Strahlung

«Wir haben jedoch die neue Kreuzungsstrecke von 1050 auf 560 Meter – derzeit 360 Meter – Doppelspur verkürzen können. Dafür fahren die Züge künftig in Leissigen mit 90 statt 75 Stundenkilometer», sagte Stefan Bolliger, Leiter Netzentwicklung Konzepte. Durch die Verlage­rung des Rangierbetriebs nach Leissigbad gewinne man im Dorf Platz, es gebe weniger Lärm. Der Betriebsablauf des Güterverkehrs wird optimiert.

«Man kann nicht bis zu sieben Wochen ohne Nachtruhe sein, das ist gesundheitlich unzumutbar.»Heike Gfeller, Einwohnerin

Gesamtprojektleiter Arthur Hitz erläuterte die Erneuerung der Bahnanlage und die geplanten Streckenbegradigungen, die die Beschleunigung auf 90 Stundenkilometer ermöglichen. Er sprach über die Beeinträchtigungen der Einwohner während der Bauzeit etwa durch Lärm, Erschütterungen und Strahlungsemissionen.

Künftig sollen zehn Züge weniger pro Tag fahren und dank modernem Rollmaterial weniger Lärm verursachen. Hitz informierte auch über die nichtionisierende Strahlung bei den oberirdischen Speisleitungen und die Anlagegrenzwerte.

«Das frei werdende Bahnhofareal ist eine grosse Chance, um einen Naherholungsraum am See zu schaffen», sagte Joël Buntschu, Leiter Projekt- und Arealentwicklung. Die Parkierung Richtung Kreuzung soll optimiert werden. Insgesamt dauere der Planungsprozess etwa sieben bis zehn Jahre, so Buntschu.

Protest und Emotionen

Zahlreiche, teils aufgebrachte Einwohner meldeten sich zu Wort. Einwohnerin Heike Gfeller zu den Nachtarbeiten während der Bauzeit: «Man kann nicht bis zu sieben Wochen ohne Nachtruhe sein, das ist gesundheitlich unzumutbar.» Arthur Hitz wies auf harte Vorgaben hin und empfahl kollektive Einsprachen via Gemeinde.

Einwohner Martin Hauser verlangte, wenn die Tunnelvariante schon zu teuer sei, sei wenigstens ein Bahnanschluss für Leissigen zu realisieren. Hauser war auch für eine Ortsplanung mit Verkehrskonzept für Schiene und Strasse. Arthur Hitz: «Das Projekt ist weit fortgeschritten, der Spielraum ist begrenzt. Wir bleiben weiterhin offen, um Lösungen zu finden.»

Leitungen in den Boden?

Ein kämpferisches Votum mit viel Zahlenmaterial kam von Einwohner Gerhard Zumstein betreffend die geplanten Streckenbegradigungen und die dafür zu bauenden Stützmauern. Engagiert wandte sich auch Einwohner Beat Steuri an die Projektverantwortlichen betreffend die Leitungen: «Leitungen in den Boden zu verlegen, ist euch zu teuer. Das Volk hier will aber Leitungen im Boden – müssen wir davor bis vor Bundesgericht gehen?»

Schon jetzt lebten Familien mit kleinen Kindern direkt unter der Strahlung, so Steuri. Die Versammlung reagierte mit Bravorufen und Applaus. Daniel Wyder von der BLS: «Wir haben das Projekt bereits x-mal optimiert. Wir bleiben aber offen für Gespräche mit der Gemeinde und den Direktbetroffenen.»

Mehrere Votanten bemängelten, dass das Projekt dem Dorf keinen Nutzen bringe. Zu Wort meldete sich auch Marcel Sigrist, Leiter der Rigips AG, Leissigen: «Wir sind in Diskussion mit SBB Cargo und sind weiterhin für die Bahn.»

Berner Oberländer

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