Pfadi Unspunne feiert 100-Jahr-Jubiläum

Am Wochenende ­feiert die Pfadi Unspunne ihr 100-jähriges Bestehen. Ihr ­Anfang war geprägt vom Ersten Weltkrieg. Ein Höhepunkt war die «Täggelibock»-Taufe.

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Im November 1983 schrieb Sekundarlehrer Max Beldi alias Bär: «Eine Chronik der Pfaderabteilung Unspunne! Sie wäre weit­gehend eine Geschichte der Interlakner Jugend». Er selber zog 1931 von Interlaken weg und hat sich gut fünfzig Jahre später in einem vierseitigen Aufsatz mit den Anfangsjahren der 1917 in Inter­laken entstandenen Pfadfinderbewegung befasst.

«Die Jugend war damals kriegerisch infiziert. Die Knaben formierten sich zu angriffigen Quartierbanden. Dörfler, Schlössler, Möösler und Rugenpärkler bekämpften sich in grimmigen Bubenschlachten. Hölzerne Säbel, lange Ruten, Pfeilbogen, Steinschleudern und Luftgewehre kamen zum Einsatz. Auch in den Nachbargemeinden bildeten sich gefährliche, wilde Scharen. Schlachtrufe erklangen. Hie Rameller, hie Stedtlikröpfe, hie Mattentuchlen.»

An der Sekundarschule Interlaken unterrichtete damals ein Lehrer namens Gustav Hauswirth, und ihm gelang es, seine wilden Schüler für die junge Pfadfinderbewegung zu begeistern. Sie basiert auf der Methodik, die der englische General Robert Baden-Powell 1908 im Buch «Scouting for Boys» veröffentlicht hat. Das Ziel ist es, ­fähige und verantwortungsvolle Bürger zu erziehen.

Bauen und Morsen

Die freien Nachmittage und die Ferien der Interlakner Pfadfinder waren fortan mit Zelt- und Brückenbauen, Kochen, Morsen, Bergtouren und Wanderungen ausgefüllt. Und die Pfadfinder engagierten sich während und nach dem Krieg für die Öffentlichkeit: Sie schlugen und rüsteten (unter Aufsicht der Gemeinde und des Forstamts) für arme Familien Brennholz.

Während des Generalstreiks begleiteten sie Lebensmitteltransporte nach Thun. Sie pflanzten auf einem Teil der ­Höhematte Kartoffeln an und verschenkten sie an Bedürftige. Wassergräben wurden gesäubert. Im ersten Werbefilm der Lötschbergbahn 1919 wirkten Interlakner Pfader als Statisten mit. Eine umfassende Chronik, wie sie Max Beldi 1983 für die Pfadi Unspunne gewünscht hat, wurde allerdings im Lauf der 100 Jahre nie geschrieben.

1968 gab es einen medienwirksamen Höhepunkt. Damals taufte der singende Seemann Freddy Quinn das Schiff «Lord Baden-Powell», besser bekannt als der «Täggelibock».

Unter der Leitung von Werner Müller arbeiteten die Interlakner Pfader, junge Männer, Buben und auch Mädchen, während fünf Jahren an der Sanierung eines Ledischiffs (Baujahr 1909), das im Hafen von Bönigen gesunken war. Nicht zur Freude der BLS und der Behörden, aber dafür mit Unterstützung der nationalen Presse («Schweizer Illustrierte» und «Beobachter»). «Täggelibock ahoi», so titelte bei der Taufe die «Schweizer Illustrierte».

Heute ist der «Täggelibock» ein unbestrittener, mietbarer Teilnehmer an der Brienzersee-Schifffahrt und hat im Sendli ­seinen Heimathafen. Die Pfadi Unspunne ist Teil des Träger­vereins.

Polo National

Immer wieder gern erzählt wird, dass Polo Hofer seinen Künstlervornamen Polo der Pfadi Unspunne verdankt. Seine Eltern führten ein Bekleidungsgeschäft, und der Sohn trug damals wohl öfters die dem Namen entsprechenden Shirts.

Er war bereits als Jugendlicher ein Unikum und gab 1968 an einem legendären Pfadiunterhaltungsabend im Kursaal Interlaken eine denkwürdige Version von Schillers «Glocke» zum Besten. Die immer gut besuchten Unterhaltungsabende – in Pfadimanier zu UA abgekürzt – gab es bis 1983, und sie eröffneten jeweils die Saison im Kursaal.

Ein neues Heim

Eine weitere denkwürdige Zahl ist 1985. Die Pfadi Unspunne konnte auf dem Areal der Alten Eisbahn in Matten ein neues Heim bauen, an dem seither immer wieder etwas verbessert wird. «Es war im Laufe der Geschichte wohl immer etwas ein Auf und Ab», sagt Urs Mühlemann, ein ehemaliger Leiter der Pfadi Unspunne und heute Präsident der Ehemaligen Pfadi Unspunne.

Theres Prantl, die ihre Pfadilaufbahn bei der damaligen Mädchenpfadi Olympia begann und heute das Heim betreut, erinnert sich, dass es 1964 insgesamt 40 Wölfe (jüngere Buben, 200 Pfader, 20 Bienli (jüngere Mädchen) und 35 Pfadfinderinnen gab.

Zur 100-Jahr-Feier sind laut Abteilungsleiterin Melanie von Känel 50 Kinder bei den Kleinen, die jetzt Biber heissen, und bei den Pfadern. Was ist Melanies Motivation, die Aufgabe zu übernehmen? «Es ist wunderschön, in leuchtende Kinderaugen zu schauen», sagt sie.

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