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Nur das nächste oder das letzte Kapitel?

Das geplante Betriebsgebäude in Wilderswil ist eigentlich unbestritten. Trotzdem zieht sich die Realisierung schon Jahre hin. Nun kommen zwei gegensätzliche Initiativen zur Abstimmung.

Hier soll das Betriebsgebäude entstehen. Ob es so hoch wird, wie die Profile andeuten, muss sich noch zeigen.
Hier soll das Betriebsgebäude entstehen. Ob es so hoch wird, wie die Profile andeuten, muss sich noch zeigen.
Sibylle Hunziker

Fahrzeuge, Material und Büros der Gemeindebetriebe, des Werkhofs und der Feuerwehr sind auf zehn Standorte über das ganze Dorf verteilt. Keine Idealsituation. Da sind sich alle einig. Ein neues Betriebsgebäude beim Dorfeingang sollte Abhilfe schaffe. Im November 2014 wurde eine erste Variante genehmigt, ein redimensioniertes Projekt im November 2017.

Doch dann entzündete sich eine Diskussion um die Nutzung des geplanten dritten Stocks. Dieser sollte erst fremdvermietet werden, später plante der Gemeinderat, dort neu die Gemeindeverwaltung unterzubringen. Das lehnten die Wilderswilerinnen und Wilderswiler mit 400 zu 359 ab. Es folgten eine Initiative und eine Gegeninitiative. Die erste fordert, auf den dritten Stock zu verzichten. Die zweite will bewirken, dass die Gemeindeverwaltung nun doch in den oberen Stock einzieht.

Sorgen um die Finanzen

Die Gruppierung, die erfolgreiche Opposition gegen den Umzug der Verwaltung bezog, doppelte nach und lancierte die Initiative «Verzicht auf Drittnutzung im Betriebsgebäude». Diese verlangt, auf den dritten Stock komplett zu verzichten. Den Initianten gehören mit Eduard Schild und Hans Schmutz zwei ehemalige Gemeindepräsidenten und auch weitere frühere Behördenmitglieder an.

«Ja, es ist aussergewöhnlich, dass sich ehemalige Ratsmitglieder zu Wort melden», meint Schild gegenüber dieser Zeitung. «Aber wir machen uns Sorgen über die Entwicklung unserer Gemeinde», ­ergänzt Schmutz. Die Sorgen gelten der finanziellen Zukunft Wilderswils. «Neben den 7,75 Millionen Franken für das Betriebsgebäude stehen weitere grosse Kostenpunkte an: 3 Millionen für den Direktanschluss und 5 Millionen für die ­Schulraumerweiterung», zählt Schmutz auf. «Wenn das so durchgezogen wird, steht die Gemeinde Ende 2023 mit 17 Millionen Franken Schulden da.»

Für Schmutz und Schild ist es unbestritten, dass es ein neues Betriebsgebäude brauche, aber man müsse es richtig machen. So sei beispielsweise der Stützpunkt der Feuerwehr Bödeli ganz in der Nähe. «Und in Zukunft werden die Feuerwehren wohl noch stärker zusammenarbeiten. Müsste man da nicht prüfen, ob es Synergien gibt?», fragt Schild. Und auch Schmutz hält die Eile für übertrieben. «Es geht lediglich um ein einziges Depot, das die Feuerwehr in Kürze aufgrund der Arbeiten an der Umfahrung nicht mehr nutzen kann, da wird sich eine Zwischenlösung finden.»

Die Initianten verlangen einen Marschhalt. «Wir müssen nun überprüfen, was wir wirklich brauchen und was nicht», sagt Schild. Wäre es dann nicht ehrlicher gewesen, dies mit der Initiative zu fordern und nicht den Verzicht des dritten Stocks? «Die Initiative erfolgte als Reaktion auf das Verhalten des Gemeinderates», meint Schmutz. Dieser habe schon am Abend der Abstimmungsniederlage beschlossen, am dritten Stock festzuhalten. «Da hätte man doch stattdessen das Gespräch suchen müssen.»

Am 7. April stimmen die Wilderswilerinnen und Wilderswiler über das Betriebsgebäude ab. Visualisierung: PD
Am 7. April stimmen die Wilderswilerinnen und Wilderswiler über das Betriebsgebäude ab. Visualisierung: PD

Abbruch verursacht Kosten

Auch die Initiative «Leerläufe – Verschleuderung von Steuergeldern vermeiden» muss sich eine Frage gefallen lassen: Ist sie nicht eine Zwängerei nach der Abstimmungsniederlage? Mit­initiant Beat Brunner verneint. «Unsere Initiative ist eine unmittelbare Reaktion auf die erste ­Initiative.» Diese gefährde die Realisierung des eigentlich unumstrittenen Betriebsgebäudes.

Brunner verweist darauf, dass die Gemeinde bestehende Verträge mit einem Generalplanungsunternehmen habe. «Diese abzuändern, hat Kosten, eventuell gar eine Busse zur Folge.» Weiter würde man so Planungskosten von 700'000 Franken in den Sand setzen. Bei einer Verzögerung sei die Realisierung des geplanten Rettungsstützpunktes der Spitäler fmi AG infrage gestellt. Schliesslich würden die Baukosten beim Verzicht auf ein drittes Stockwerk nur wenig tiefer ausfallen.

Auch Brunner kennt die Wilderswiler Politik und speziell die Finanzen von innen. Acht Jahre stand er im Gemeinderat den Finanzen vor, vier Jahre arbeitete er in der Finanzkommission mit. Und auch in diesem Initiativ­komitee sind weitere ehemalige Behördenvertreter Mitglied.

Was mit der Verwaltung?

Aber Brunners grösster Trumpf ist die Gemeindeverwaltung. Diese genüge den Ansprüchen schon länger nicht mehr. «Es hat zu wenig Platz, viele Räume sind ringhörig, was problematisch ist, wenn etwa vertrauliche Gespräche geführt werden sollten, und sie ist nicht rollstuhlgängig.» Mit einer zusätzlichen Investition von 800'000 Franken erhalte die Gemeinde eine komplett neue Gemeindeverwaltung, «die die Ansprüche sowohl der Dorfbevölkerung als auch der Mitarbeitenden auf lange Sicht erfüllen» werde.

Die Betriebskosten könnten so deutlich gesenkt werden. So würden die Mietkosten von 60'000 Franken jährlich wegfallen. Zurzeit ist die Verwaltung bei der Burgergemeinde zur Miete. «Weil Verwaltung, Werkhof, Gemeindebetriebe und Feuerwehr im gleichen Gebäude sind, ergäben sich Synergien etwa bei der Reinigung oder der Versicherung, aber auch effizientere Arbeitsabläufe», ist Brunner überzeugt.

Dass bei der Gemeindeverwaltung Handlungsbedarf besteht, bestreiten Schmutz und Schild nicht. Das Betriebsgebäude sei aber der falsche Weg. Schliesslich «funktioniere» die Gemeinde gut, weshalb keine Eile bestehe. Schmutz glaubt, dass es am bestehenden Standort in Absprache mit den Burgern noch Möglichkeiten gebe. Und Schild verweist auf unbebautes Land im Dorf, das der Gemeinde gehört, wo man, wenn dann nötig, eine neue Verwaltung erstellen könne, die erst noch zentraler liege.

Auch wenn der von ihm favorisierte Standort nicht im Zentrum liege, so sei er hervorragend erschlossen, kontert Brunner. Er wird per Bus, zu Fuss, mit dem Velo und mit dem Auto – es hat genügend Parkplätze – bestens erreichbar sein.» Brunner bleibt dabei: «Die Gemeinde wird nie wieder so günstig zu einer neuen, zeitgemässen Verwaltung kommen.»

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