Interlaken

Neue Vision für die Jungfraubahnen

InterlakenDie Jungfraubahnen passen ihre Vision an. Dies weil sie wegen des Erfolges ihren «visionären Charakter» verloren. An der Generalversammlung erklärte CEO Urs Kessler, dass man eine durchgehende Hochsaison anstrebe.

Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler gab an der Generalversammlung die neue Vision bis 2025 bekannt. Ein Faktor für die Zielerreichung sei die Realisierung der V-Bahn.

Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler gab an der Generalversammlung die neue Vision bis 2025 bekannt. Ein Faktor für die Zielerreichung sei die Realisierung der V-Bahn. Bild: Markus Hubacher

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«Wir haben jetzt schon das zweite Mal die Millionengrenze geknackt», sagte CEO Urs Kessler an der Generalversammlung der Jungfraubahn Holding AG. 1'041'000 Gäste bereisten 2017 das Jungfraujoch. Noch mehr als im bisherigen Rekordjahr 2015.

Dieser schöne Erfolg habe auch eine Kehrseite. «Wir hatten die Vision von 10 Monaten Hochsaison und einer Million Besuchern im Jahr 2022», meinte Kessler. Durch die frühe Zielerreichung habe dieser Slogan «seinen visionären Charakter» verloren. «Die Million Gäste ist von der Vision zur – ambitiösen – Richtgrösse geworden.»

Aber Kessler hatte für die 1253 Aktionäre gleich eine neue Vision für 2025 zur Hand. «12 Monate Hochsaison und einen Durchschnittsertrag pro Jochbesucher von 120 Franken.» Heute sind es 110 Franken. Und auch für die Wintersaison nannten die Verantwortlichen ein ehrgeiziges Ziel: 1,25 Millionen Gästeeintritte – die Saison 2017/2018 schloss mit knapp 990'000.

V-Bahn: Baubeginn am 4. Juni

Zwei Faktoren sollen diese Ziele ermöglichen: die Preispolitik und die Realisierung der V-Bahn. «Die V-Bahn ist nötig, damit die Jungfrauregion wieder in die Champions League der Skigebiete aufsteigt», meinte Kessler. Noch ist die Plangenehmigung inklusive Konzession durch das Bundesamt für Verkehr ausstehend. Kessler erwartet bis Ende Mai grünes Licht. «Wir wollen am 4. Juni mit dem Bau beginnen.»

Der Bau der V-Bahn werde einen Boom auslösen, ist Kessler überzeugt. «Wir gehen davon aus, dass allein in Grindelwald fünf Hotels gebaut oder wiedereröffnet werden. Mit insgesamt bis zu 1000 Hotelbetten.» Die V-Bahn werde ihre Funktion als Motor für die gesamte Volkswirtschaft nicht nur ausfüllen, sondern die Erwartungen übertreffen.

In der Preisgestaltung gingen die Jungfraubahnen neue Wege mit saisonaler Preisdifferenzierung auf den privatwirtschaftlich betriebenen Strecken. In der Hauptsaison kostet die Retourfahrt aufs Joch 234.80 Franken, sonst 210.80 und in der absoluten Nebensaison im November 184.40.

«Die flexiblen Preise helfen, die Nachfrage über das ganze Jahr verteilt besser zu steuern.» Diese Lenkungsmassnahme soll auch bei den Erlebnisbergen eingesetzt werden. Kessler betont, dass es sich nicht um Dumpingpreise handelt.

«Das Marketing zahlreicher Mitbewerber besteht nur noch darin, deren Ausflugsberge zu möglichst tiefen Preisen am Markt zu verkaufen.» Dies könne langfristig nicht funktionieren. Nur Qualität könne zum Erfolg führen und diese dürfe auch ihren Preis haben.

Nebentöne bei Wahlen

Die statutarischen Geschäfte winkten die Aktionäre schnell durch. Einzig bei der Wahl eines Verwaltungsratsmitgliedes als Ersatz für den zurücktretenden Bruno Hofweber gab es eine Wortmeldung. Der Verwaltungsrat schlug Catrina Luchsinger Gähwiler, Zollikerberg vor. Auch wegen ihrer juristischen Kompetenzen.

Ein Votant fragte, weshalb man sich nicht für Barbara Egger entschieden habe. Die unbestritten auch über juristische Kenntnisse verfüge und sich als Regierungsrätin stark für die Jungfraubahnen und die V-Bahn eingesetzt habe.

Ein fliessender Übergang von der Regierung in den JB-Verwaltungsrat wäre kein gutes Zeichen gewesen, meinte Verwaltungsratspräsident Thomas Bieger. Einer Erhöhung der Dividende von 2.10 Franken auf 2.40 stimmten die Aktionäre zu. (Berner Oberländer)

Erstellt: 14.05.2018, 18:17 Uhr

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