Neue Fakten zu Rigips-Plänen – einige Fragen bleiben

Krattigen

Die Rigips AG stellte ihr Grobprojekt «Abbauerweiterung Süd» an einer gut besuchten Infoveranstaltung vor. Die Publikumsfragen betrafen Land, Wald, Wasser, Strommast und Sicherheit.

Der Abbauperimeter (rot markiert) hat eine Fläche von 24 Hektaren. Gerechnet wird, dass hier drei Millionen Kubikmeter verwertbares Gipsgestein abgebaut werden können.

Der Abbauperimeter (rot markiert) hat eine Fläche von 24 Hektaren. Gerechnet wird, dass hier drei Millionen Kubikmeter verwertbares Gipsgestein abgebaut werden können.

(Bild: zvg)

In rund fünf Jahren geht der Gipsvorrat im bisherigen Abbaugebiet der Rigips AG zu Ende. Seit längerer Zeit ist das Unternehmen dabei, Abbaumöglichkeiten für die Zukunft zu suchen. Die Rigips AG hat sie in einer Geländemulde im Osten der Gemeinde Krattigen (Chalberstall/Schwendiwald) gefunden. Am Mittwoch stellte sie zusammen mit den Gemeindebehörden der Bevölkerung das Grobprojekt vor, das einen Abbauperimeter von 24 Hektaren definiert.

«In Krattigen ist ein Gipsabbau ökologisch und ökonomisch sinnvoll», sagte Marcel Sigrist, Werkleiter der Oberländer Betriebseinheit Heimberg/Leissigen, die 45 Beschäftigte hat. Der abgebaute Gips eignet sich als Baustoff für nicht tragende Wände und der ebenfalls vorkommende Anhydrit für die Zementproduktion. Der Abbau würde im Tagbau mit Sprengungen erfolgen. Abgebaut würde in verschiedenen Gebietsabschnitten von oben nach unten.

Definiert ist zudem der Perimeter, in dem der Transport stattfinden wird. Es wird eine serpentinenartige Zufahrt durch den bestehenden Steinbruch geben, deren Verlauf noch nicht genau definiert ist, und Förderbänder für das abgebaute Material. Die Abbaugebiete werden nach rund fünf Jahren mit sauberem Deponiematerial aufgefüllt; die vom Gipsuntergrund geprägte hügelige Landschaft soll ähnlich wie heute modelliert werden. Der Zeithorizont, den das Grobprojekt umfasst, ist lang: Es wird rund fünfzig Jahre dauern, bis die erwarteten drei Millionen Kubikmeter Gips abgebaut sind.

Wasser und Strom

Projektleiter Dieter Böhi von der Kellerhals und Haefeli AG zeigte auf, dass es keine übergeordneten Schutzziele gibt, die das Projekt verunmöglichen würden. Eines der Themen, zu denen das Publikum Fragen stellte, war Wasser. Ob seine drei Quellen noch Wasser führen würden, fragte ein Versammlungsteilnehmer. Böhi riet, alle Quellen zu melden, damit sie genau auf ihre eventuelle Beeinträchtigung untersucht werden könnten. Das Oberflächenwasser wird in ein Absetzbecken abgeleitet. Die bestehende Wasserleitung wird umgeleitet.

Wie mit dem Hochspannungsmast im Abbaugebiet umgegangen wird, ist noch offen. «Das Ziel ist es, ihn an seinem Standort zu erhalten», sagte Sigrist. Verhandlungen mit Swissgrid seien im Gang. Die Grundeigentümer im Gebiet haben entweder einen Kaufrechtsvertrag oder einen Dienstbarkeitsvertrag mit der Rigips AG abgeschlossen.

Wo Realersatz angeboten wird, ist noch offen; die Rigips AG hat eigenes Land im Gebiet. «Es gibt einen Kampf um jeden Flecken Land, wo man noch ein paar Tierli weiden lassen kann», gab ein Krattiger zu bedenken. Ein grosser Teil des Waldes, der abgeholzt wird, muss nicht anderswo wieder aufgeforstet werden, weil die Rodung temporär ist. Thomas Breu, Geschäftsführer der Rigips AG, zeigte sich überzeugt, dass man nach Erfahrungen mit andern Pflanzen auch die Frauenschuh-Orchideen umsiedeln könnte.

Grundsätzlich positiv

Gemeindepräsident Christian Kummer erklärte, dass der Gemeinderat dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüberstehe. Ein Grund dafür dürfte das Resultat der Verhandlungen über den Infrastrukturvertrag sein. Die festgelegte Abgeltung für die Gemeinde beträgt jährlich 156'000 Franken. Dazu kommt noch eine Nutzungsabgabe für die Strassenparzelle, welche überquert werden muss, von 40'000 Franken. Das sind Gipseinnahmen von gut einem Steuerzehntel für Krattigen.

Die Informationsveranstaltung diente auch dazu, die Stimmung der Bevölkerung zu spüren, denn die Krattiger werden wahrscheinlich im Jahr 2017 über das Projekt abstimmen. Zu spüren war eine gewisse Unsicherheit der künftigen Nachbarn, ob ihre Liegenschaften nicht Schaden nehmen könnten. Heutige Nachbarn des Steinbruchs erwähnten Staubimmissionen und ungünstige Einfahrten, die verändert werden müssten.

Berner Zeitung

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