Naturschutz verlangt ein Umdenken beim V-Projekt

Grindelwald

Kurz vor der zweiten Abstimmung der Bergschaft Wärgistal meldet sich die Stiftung Landschafsschutz zu Wort und propagiert eine Alternative zur bisherigen Führung des V-Projekts in Grindelwald.

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Nachdem das Bundesgericht die Beschwerde von Peter Roth gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung zum V-Projekt abgewiesen hat, meldet sich die Stiftung Landschaftsschutz zu Wort. «Der Eigerexpress könnte mit Zwischenstation im Arvengarten auf den Eiger Eigergletscher geführt werden», erklärt der Geschäftsleiter Raimund Rodewald. Tal- und Bergstation würden etwa dem heutigen Eiger Express-Projekt entsprechen.

«Wir wollen die Diskussion öffnen und vom schwarz-weiss Denken in dieser Angelegenheit abrücken», sagt Rodewald zur?Motivation. Die Stiftung Landschaftsschutz gehört zu den 15 Einsprechern gegen das V-Projekt, gemeinsam mit Mountain Wilderness und Pro Natura.

«Knick» in der Linienführung

Der Zeitpunkt, kurz vor der erneuten Versammlung der Bergschaft (21. Oktober) erklärt Rodewald so: «Wir haben uns bereits im 2013 zum Vorhaben geäussert und Kritikpunkte – auch die Linienführung – angebracht.» Nun, da die Bahn nach dem Willen des Stimmvolks gebaut werden sollte, behalten man sich vor, eine eigene Vorstellung der Linienführung zu präsentieren.

Bahnen sagen «Nein»

Rodewald führt weiter aus: «Im Arvengarten – wo heute schon Liftgebäude von Arven, Honegg und Eigerexpress stehen – soll eine Umlenkstation anstelle der Talstation des heutigen Nordwandlifts entstehen.» Die Kabinen würden abgebremst, Ein- und Aussteigen sei dann möglich. Wenn die Kabine die Station durchlaufen hätten, werde die Gondelbahn beschleunigt und fahre auf der zweiten Sektion in der Bahnachse des heutigen Nordwandlifts auf den Eigergletscher weiter. Die neue Bahn solle den Nordwandlift ersetzen.

Und was sagen die Jungfraubahnen zum Vorschlag der Stiftung Landschaftsschutz: «Wir haben den vorliegenden Vorschlag sowie zahlreiche weitere Varianten bereits früher prüfen lassen», erklärt Mediensprecherin Patrizia Bickel. In einer Interessenabwägung hätte die hier vorliegende Variante «Grindelwald Grund – mit einer Zwischenstation Arvengarten – Eigergletscher» im Vergleich zum V-Bahn-Projekt schlechter abgeschnitten. «Die Streckenführung der 3S-Bahn gemäss Projekt V-Bahn wurde gemeinsam mit Fachstellen von Bund und Kanton vor Ort begutachtet und als die ökologisch beste Variante befunden.»

Rodewald entgegnet, die Jungfraubahnen hätten bisher imme r gesagt, ein «Knick» sei nicht möglich. «Wir haben uns bei Experten der Seilbahnbranche umgehört, hier war das Credo, das sei sehr wohl möglich.» Die neue Streckenführung passe sich besser dem Geländerelief an und würde die Bahn besser ins Gelände integrieren.

Aber hat nicht die die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission erklärt, das V-Bahn-Projekt beeinträchtige die geschützte Landschaft am Rande des Unesco-Weltnaturerbes am Eiger nur leicht? Rodewald: «Wir haben den Entscheid der ENHK nicht verstanden, der Entscheid war relativ knapp begründet», so Rodewald.

Erfahrungen bei Projekten im Oberengadin hätten gezeigt, dass die ENHK verschiedene Varianten prüfen musste. Zudem die Umweltverträglichkeitsprüfung UVP: «Die Jungfraubahnen müssen stichhaltig darlegen können, dass keine umweltverträglichere Variante für die Linienführung der Gondelbahn auf den Eigergletscher möglich ist.» Und wenn die Jungfraubahnen auf ihrem Projekt beharren? «Die Konzessionserteilung steht noch aus, da behalten wir uns rechtliche Schritte vor.»

Berner Zeitung

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