«Natur hat das Drehbuch geändert»

Wattenwil und Blumenstein droht keine Gefahr. Aber Wanderer und Spaziergänger sollten sich nach wie vor nicht in das Erdrutschgebiet am Oberlauf der Gürbe wagen.

Wegen der starken Regenfälle im Januar und Februar ist der Schutzwald bei Wattenwil und Blumenstein im Kanton Bern ins Rutschen geraten. Video: sda

5 Millionen Kubikmeter Geröll und Erde: Das entspricht in etwa einem quadratischen Stück Land mit einer Seitenlänge von 800 Metern und einer Höhe von 8 Metern. Diese ungeheure Masse befindet sich im Gebiet Meie­risli auf der linken Seite der Gürbe auf Gemeindegebiet von Wattenwil und Riggisberg in Be­wegung. «In diesem Gebiet hatten wir schon immer Rutschungen», sagte am Freitag Kurt Ruchti, Leiter des Krisenstabs, an einem Ortstermin für die Medien.

«Aber noch nie in diesem Ausmass! Die Natur hat das Drehbuch geändert, nun muss sich die Regie anpassen.» Rund 1200 Bäume stehen im Meierisli-Rutschgebiet. Wobei «stehen» der falsche Ausdruck ist. Einige liegen am Boden, andere sind in gefährlicher Schieflage und können jederzeit umstürzen.

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Die Wanderwege sind gesperrt; wer das Gebiet betritt, tut dies auf eigene Gefahr, wie Behördenvertreter von Kanton und Gemeinden am Freitag be­tonten.

Räume für das Geschiebe

Das ist aber nicht die einzige Gefahr: Weil der Meierisli-Rutsch der Gürbe so nahe kam wie nie ­zuvor, ist das Bachbett auf einer Länge von rund 800 Metern verengt worden. Hinzu kommen massive Schäden an den Ver­bauungen, von denen jede rund eine halbe Million Franken gekostet hat. Staus und Murgänge sind also nicht ausgeschlossen.

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Wenn das Geschiebe über die Ufer des Bergbaches tritt, soll es sich in zwei Räumen ablagern können, ohne die Dörfer Wattenwil und Blumenstein zu bedrohen wie beim Unwetter von 1990.

Oberhalb der Brücke zwischen Wattenwil und Blumenstein beträgt das Volumen des Auffangraumes 600'000 Kubikmeter, unterhalb der Brücke, in der sogenannten Gürbe-Usschütti, 100'000 Kubikmeter. Um eine maximale Auffangkapazität zu gewährleisten, transportieren Forstarbeiter zurzeit die Bäume weg, die Opfer von Burglind geworden sind.

Schadholz und Borkenkäfer

Hinzu kommt die Gefahr durch den Borkenkäfer: «Nasses und kaltes Wetter ist schlecht für den Käfer, begünstigt aber das weitere Abrutschen des Terrains und umgekehrt», sagte Revierförster René Lauper. «Wie wir das Schadholz aus dem Rutschgebiet abtransportieren, ist in Abklärung», fügte er an.

«Das Problem dabei: Es gibt keine Zugangsstrasse.» Offen ist auch, was die Besitzer des Schadholzes – die Burger­gemeinde Wattenwil, die Wald­gemeinde Obergurnigel, der Kanton und ein paar Privatpersonen – damit anfangen werden.

Trotz der Bedrohung: Es gebe keinen Grund zur Panik, be­tonten Behördenvertreter am Freitag unisono. Die Dörfer und Weiler in der Umgebung seien nicht gefährdet, weil man aus der Katastrophe von 1990 Lehren ­gezogen und Massnahmen getroffen habe.

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