Nächstes Wochenende gehen die Pässe auf

An Grimsel und Susten werden die Schneeräumungsfahrzeuge von den Passhöhen abgezogen. Die beiden Alpenübergänge werden dem Verkehr am nächsten Freitag übergeben.

  • loading indicator
Bruno Petroni

Donnerstagnachmittag auf dem Grimselpass, 2164 Meter über Meer: Das Thermometer liegt gerade mal knapp über der Nullgradgrenze, und ein beissender Wind verfrachtet mächtige Nebelbänke vom Obergoms her ins Ober­hasli. Das Hotel Alpenrösli ist immer noch in massive Schalungsbretter eingepackt. Unvorstellbar, dass hier in einer Woche bereits der Sommerbetrieb laufen soll.

Da oben liegt der Schnee noch über einen Meter hoch; wenn auch nicht so hoch wie in anderen Wintern, wo sich am Sidelcher die Schneemassen zur Passöffnung auch schon bis zu acht Meter hoch getürmt hatten. «Aber es hat genug, um die Passöffnung bisher noch hinauszögern zu müssen», wie Heinrich Bürgi sagt. Damit meint der zuständige Werkhofchef des Strasseninspektorats die Restschneemengen an den Steilhängen der Seeuferegg. Am Sustenpass befinden sich die heiklen Stellen im Stuhlweng (Obertal).

An den rutschgefährdeten Orten müssen nächste Woche möglicherweise mit gezielten Sprengungen noch die letzten Nassschneelawinen ausgelöst werden. «Den Rest werden die angesagten höheren Temperaturen erledigen, und dann können wir die Pässe am nächsten Freitag freigeben», sagt Bürgi.

Effizient mit dem Pistenbully

Zusammen mit zwei Vertretern der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg und dem Wilderswiler Transportunternehmer Daniel Morger ist Heinrich Bürgi dabei, einem zwei Tonnen schweren Pistenbully mit 450 PS die Raupen «auszuziehen». In den vergangenen acht Wochen räumten die Strassenunterhalter am Grimsel den Schnee von der Passstrasse. Die Räummethode mit Pistenfahrzeugen wurde erstmals versuchsweise im Jahr 2000 angewendet – seit 12 Jahren ist sie Standard.

«Mit den fünf Meter breiten Bugschaufeln der Pistenmaschinen können unsere Leute Riesenmengen von Schnee beiseite schieben, sodass die nachfolgenden Schneefräsen in einem bis zwei Durchgängen die Strasse schneefrei machen können», erklärt Bürgi.

Fast im Durchschnitt

Nachdem es vor zwei Monaten noch nach einer frühen Öffnung der Pässe ausgesehen hatte – Föhnstürme liessen den Schnee im Rekordtempo dahinschmelzen –, sorgten die niedrigeren Temperaturen im Mai für eine markante Verzögerung der Schneeschmelze. Die Öffnung der Pässe am 10. Juni erfolgt jedoch nicht wesentlich später als im langjährigen Durchschnitt (Grimsel 31. Mai, Susten 7. Juni).

Ein kurzer Blick auf die seit 66 Jahren geführte Statistik zeigt, dass die früheste Öffnung des Grimsel am 7. Mai 2011 war, die späteste am 12. Juli 1975. Am Susten konnte der Sommerverkehr am 17. Mai 1964 und 2011 am frühesten beginnen; am spätesten am 13. Juli 1975.

Die Wirte werden bereit sein

Das Hotel Alpenrösli auf dem Grimselpass nimmt den Betrieb gleichzeitig mit der Passöffnung auf: Der 82-jährige Sigi Steiner beginnt übermorgen Montag mit den Vorbereitungsarbeiten und wird gemeinsam mit seiner Nichte Manuela Imhof am Freitag parat sein. Auch Adolf Kündig wird sein auf 2280 Metern über Meer stehendes Berggasthaus über der Sustenpasshöhe rechtzeitig zum Saisonbeginn auf Vordermann bringen – «sofern das Wetter mitmacht».

Schon seit März offen sind das Alpin-Center und das Berghotel am Steingletscher. Auch hier wird Gastwirt Thomas Michel für hungrige, durstige und nach einem Bett suchende Passfahrer da sein.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt