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Nächster Halt Spiez

Urs Roth aus Spiez baut Lokomotiven aus Holz. Rund zwei Jahre arbeitet er an einem Exemplar – und erwägt, die fertigen Loks zu verbrennen.

Flavia von Gunten
Auf Präzision legt der gelernte Feinmechaniker Urs Roth auch nach seiner Pensionierung wert.
Auf Präzision legt der gelernte Feinmechaniker Urs Roth auch nach seiner Pensionierung wert.
Christian Pfander
Detailarbeit: Im Führerstand der Lokomotive.
Detailarbeit: Im Führerstand der Lokomotive.
Christian Pfander
Die «Limmat» war die erste Lok der Spanisch-Brötli-Bahn. Der Rentner  hat sie im Massstab eins zu zehn nachgebaut.
Die «Limmat» war die erste Lok der Spanisch-Brötli-Bahn. Der Rentner hat sie im Massstab eins zu zehn nachgebaut.
Christian Pfander
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Sägemehl oder Staub sucht man in Urs Roths Werkstatt vergebens. Bohrer, Feilen und Schraubenzieher sind der Grösse nach geordnet, die Schrauben ebenfalls – hier ist ein Perfektionist am Werk.

Vor acht Jahren zog Roth mit seiner Frau von Spreitenbach nach Spiez, seither baut er Lokomotiven aus Holz. Sein Plan war ein anderer: «Über 120 Spur-N-Modelllokomotiven habe ich seit meiner Kindheit gesammelt. Ihnen wollte ich im neuen Eigenheim eine Landschaft bauen.» Rasch stellte der 66-jährige fest, dass seine Hände und Augen nicht mehr fähig waren, Häuschen und Figürchen in Streichholzgrösse zu modellieren.

So sattelte der pensionierte Feinmechaniker um auf grössere Bauteile. «Ich verkaufte die Modellsammlung und gönnte mir aus dem Erlös Sägen, Bohrmaschinen und einen Bauplan der ‹Limmat›, der ersten Lok der ­Spanisch-Brötli-Bahn, Baujahr 1847.»

«Ich kroch unter die Lok, kletterte in den Führerstand und schoss unzählige Fotos.»

Urs Roth

Doch Linien und Zahlen auf Papier genügten Roth nicht, er wollte die echte Lok sehen und reiste nach Luzern ins Verkehrshaus. Dort fand er sie nicht; der Aufseher des Museums verwies ihn nach Brugg, wo die «Limmat» stand. «Ich kroch unter die Lok, kletterte in den Führerstand und schoss unzählige Fotos», erinnert sich Roth an den Besuch des Fahrzeugs.

Dank dieser sorgfältigen Recherche entspricht das Modell, Massstab eins zu zehn, exakt dem Original. Bis auf ein Detail: Die Farbe des Holzes, es ist zu hell. «Ich verwende nur Reststücke, weil die sehr günstig sind. Da nehme ich in Kauf, dass ich nicht immer jene Farbe kriege, die ich brauche», sagt Roth.

Der Preis: unverkäuflich

Wenig Geld ausgeben für das Hobby, möglichst keines vom Lohnkonto, das sei schon immer sein Ziel gewesen. Stets diente ihm ein Nebenjob dazu, sein Hobby zu finanzieren. Während der Schulzeit sammelte er auf Tennisplätzen Bälle ein, damit er sich neue Wägen und Loks für die Modelleisenbahn kaufen konnte.

Als 20-jähriger gab er Tanzlektionen, später trat er neben seinem Vollzeitjob an Festen und in Kauf­häusern als Zauberer auf. «Diese Arbeiten machten mir Spass, aber sie waren immer Mittel zum Zweck.»

Geld verdient Roth nicht mit seinen Holzloks. «Ich fragte bei den SBB und der BLS an, ob sie eines meiner vier Werke an einem Bahnhof ausstellen möchten. Interessiert hat sich keines der Unternehmen.»

«Ich arbeite fast zwei Jahre an einem Exemplar. Würde ich diese unzähligen Stunden verrechnen, wäre der Preis unerschwinglich.»

Urs Roth

Aus Anlass der Badenfahrt, mit der alle zehn Jahre die Spanisch-Brötli-Bahn gefeiert wird, stand im August 2017 die «Limmat» im Tourismusbüro von Baden. Viele Leute hätten ihn daraufhin gefragt, ob er die Lok verkaufe. Alle Angebote lehnte er ab: «Ich arbeite fast zwei Jahre an einem Exemplar. Würde ich diese unzähligen Stunden verrechnen, wäre der Preis unerschwinglich.»

Eine Ausnahme würde Roth erlauben: Jedes Jahr fährt er nach Hamburg, wo die grösste Modelleisenbahn der Welt steht. «Es wäre ein Traum, wenn meine Loks dort ausgestellt würden.»

Das Produkt ist zweitrangig

Er könne sich aber auch vorstellen, die Werke zu verbrennen: «Es interessiert mich, wie die Loks im verkohlten Zustand aussehen. Diese Aktion wäre sehr stimmig, diente doch Kohle den alten Loks als Antrieb.» Würde es ihn nicht reuen, so viele Arbeitsstunden ins Feuer zu werfen? «Am wichtigsten ist mir die Arbeit an sich, dass ich mit meinen Händen Neues schaffen kann. Das Resultat steht an zweiter Stelle.»

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