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Nachtmusiken als grandioses Crescendo

Zweifellos gehört der türkische Pianist Fazil Say zu den Ausnahmekönnern. Dies bestätigte er am Menuhin Festival bei seinem Recital in der Kirche Saanen.

Virtuose am Flügel in der Kirche Saanen: Der türkische Pianist Fazil Say.
Virtuose am Flügel in der Kirche Saanen: Der türkische Pianist Fazil Say.
zvg/Raphael Faux

Etwas ganz Besonderes bildete bereits Says Programm: Er hatte Werke ausgewählt, die allesamt die Nacht (und oft auch den Mond) zum Thema haben. Und diese, teils recht kurzen, Kostbarkeiten hatte er als grandioses Crescendo angelegt.

So begann der Gang durch die so vielfältigen Nachtmusiken mit drei Nocturnes von Chopin, von Say ganz ruhig und kontemplativ gehalten. Nur ein kurzes Wetterleuchten hie und da deutete darauf hin, dass es unter der scheinbar harmonischen Oberfläche brodelte.

In Debussys «Clair de lune» aus seiner «Suite bergamasque» und den sechs Piecen aus seinem ersten Préludes-Zyklus wurde das Ausdrucksspektrum deutlich ausgeweitet. Hier stand Poetisches («La fille aux cheveux de lin») neben Skurrilem («La danse de Puck»), Verspielt-Vitales («Ministrels») neben ins Monumentale Gesteigertem («La cathédrale engloutie»), feinsinnig Gewobenes («Danseuses de Delphes») neben Klangsinnlichem («Les sons et les parfums tournent dans l’air du soir»). Der ganze erste Teil wirkte aber doch eher meditativ, fast weihevoll, mit (noch) gebändigten Gefühlen – gleichsam als Gedankenstrom beim Betrachten des Mondes. Dies änderte sich nach der Pause radikal.

In Beethovens berühmten Sonaten Nr. 14, cis-Moll, op. 27Nr. 2 (der sogenannten Mondscheinsonate), und Nr. 23, f-Moll, op. 57 (der «Appassionata») setzte Fazil Say nämlich die gesamte Palette von verinnerlichter Beseelung bis zu donnernder Exaltation ein. Er schien dabei um maximale Expressivität zu ringen, ging Risiken ein und fand zu ebenso tiefschürfender wie facettenreicher Aussage, welcher es weder an Hintergründigkeit noch an Konturenschärfe und an geradezu eruptiven Klangkaskaden fehlte. Ein wildes Gewitter am zuvor so friedlichen Nachthimmel.

All dies gestaltete der Künstler technisch auf höchstem Niveau und er verdeutlichte manches auch gestisch – gleichsam als sein eigener Dirigent. Das Publikum in der voll besetzten Kirche Saanen reagierte begeistert und erhielt zwei Zugaben geschenkt. Die zweite, eine fulminante, wohl eigene, Bearbeitung von Gershwins «Summertime», bildete dabei den Crescendo-Höhepunkt und löste Standing Ovations aus.

www.gstaadmenuhinfestival.ch

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