Mobilfunkanlagen im Gegenwind

Hasliberg

Die Information zu den geplanten Swisscom-Anlagen in Hasliberg brachte keine Klarheit.

Die Mobilfunkanlage Reuti würde rein äusserlich auf dem Stationsgebäude nicht besonders auffallen.

Die Mobilfunkanlage Reuti würde rein äusserlich auf dem Stationsgebäude nicht besonders auffallen.

(Bild: Anne-Marie Günter)

Der Kongresssaal Hasliberg war am 26. April gut besetzt. Die Gemeinde hatte zur Information über Mobilfunkanlagen eingeladen. André Pfäffli, Projektleiter für Mobilfunk der Swisscom AG, stellte sachlich vor, was diese am Hasliberg plant: drei neue Mobilfunkanlagen zu den bestehenden vier. Auf Käserstatt nützt sie den Mast der Kantonspolizei, auf dem Sunrise bereits Antennen hat. Auf der Bergstation der Gondelbahn Meiringen-Reuti plant sie eine neue Anlage, die vier Meter höher ist als das Dach und vorbereitet wird für 5G. Eine neue Anlage auf Hochsträss soll unter anderem ermöglichen, dass auch die Hirten im Melchtal mobil telefonieren können. Die Baupublikationen für die Anlagen Reuti und Hochsträss werden im Mai noch einmal aufgelegt, weil bei der ersten Publikation die Profile nicht gestellt werden konnten. Es können Einsprachen eingereicht werden.

Warum muss das sein?

Swisscom-Gemeindebetreuer Urs Indermühle erklärte, dass die Swisscom AG den Auftrag hat, die Bevölkerung flächendeckend zu versorgen. Zudem will sie ihre Kunden in einem Markt, in dem sich der Datenverkehr jedes Jahr verdoppelt, zufriedenstellen und für die Zukunft bereit sein. Es gehe nicht mehr nur ums Telefonieren, sondern um Anwendungen im Verkehr, im Haus, für die Sicherheit, in der Industrie. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch 5G, die neue Entwicklungsstufe im Mobilfunk, welche die Datenübertragung viel schneller macht. Es wird neue Frequenzen brauchen.

Martin Haenzi, zuständig für den Elektrosmog beim beco, stellte klar, dass bei den Baugesuchen die von der Schweiz festgelegten Grenzwerte für nicht-ionisierende Strahlen eingehalten würden. Mensch und Tier sollten nicht gefährdet sein. Eingeladen war auch Marcel Hofmann, der Elektrosmog-Fachmann der alternativen Seite, und da klang es anders: Es gebe Studien, die Veränderungen im Hirn und Blut durch nicht-ionisierende Strahlen belegten. Zudem würde die immer schnellere Datenübertragung zu schädigendem Verhalten führen, «blödsinnige Videos» im Netz und Pornos als Beispiel.

Braucht Hasliberg das?

Der Tenor in der Fragerunde war deutlich: Die anwesenden Hasliberger sind so zufrieden, wie es heute ist. Sie befürchten, dass durch die Hintertür aufgerüstet werde, dass im Siedlungsgebiet Reuti Bevölkerung und Hotelgäste tangiert würden und Häuser weniger Wert hätten. Ohne Antwort blieb die Frage, wie viel Entschädigung die Eigentümer bekommen, auf deren Grund die Antennen stehen. Theo Horat, Betriebsleiter der Bergbahnen Meiringen-Hasliberg AG erklärte, dass bei den Standortverhandlungen 5G noch kein Thema war, was auch die Swisscom-Vertreter bestätigten.

Offen blieb auch die Frage nach den Antennen der beiden Swisscom-Mitbewerbern Sunrise und Salt auf dem Hasliberg, von denen niemand an der Infoveranstaltung teilnahm. Gemeinderätin Pia Huber bat die Swisscom, auf die neuen Anlagen zu verzichten, und Gemeindepräsident Arnold Schild war am Ende der Veranstaltung überzeugt, dass sich Hasliberg mit dem Thema weiter beschäftigen werde.

Berner Oberländer

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