Mitholz bereitet sich auf den Ernstfall vor

Kandersteg

Eine Notumfahrung soll verhindern, dass Kandersteg bei einer Gefahrensituation in Mitholz von der Aussenwelt abgeschnitten würde. Am Freitagabend fand in Kandergrund ein Infoanlass zum Projekt statt.

Für die Umfahrung müssten die Brücken über den Stägebach verbreitert werden. Fotos: Nik Sarbach

Für die Umfahrung müssten die Brücken über den Stägebach verbreitert werden. Fotos: Nik Sarbach

Es ist ein Horrorszenario, das sich in Mitholz niemand vorstellen mag: Eine Explosion im Munitionslager «Under der Flueh» hat Teile des Dorfes verschüttet, ebenso die Bahnlinie und die Hauptstrasse nach Kandersteg. Für Mitholz ist das ein Albtraum und auch für Kandersteg eine mehr als unangenehme Vorstellung.

Im Dezember gab der Kanton bekannt, dass er die Planung einer Notumfahrung in Auftrag gegeben hat. Diese soll im Fall der Fälle die Erreichbarkeit Kanderstegs sicherstellen. Und zwar nicht nur, wenn in Mitholz eine Katastrophe eintreten sollte, sondern auch dann, wenn Strasse und Schiene lediglich vorsichtshalber gesperrt werden müssten.

Auch die Brücke am Louenigrabe ist aktuell zu schmal.

Baurechtliche Vorarbeit

Am Freitagabend präsentierten Kreisoberingenieur Markus Wyss, Ingenieur Adrian Lauber und der Kandergrunder Gemeindepräsident Roman Lanz an einem Mitwirkungsanlass im Gemeindehaus Kandergrund erste konkrete Pläne. Bevor überhaupt irgendwelche bauliche Massnahmen möglich wären, muss die Gemeinde nämlich eine Überbauungsordnung (ÜO) mit Baugesuch durchbringen, was vorgängig eine Mitwirkung erfordert.

«Wir werden beantragen, dass die Notumfahrung nicht vorsorglich gebaut wird», betonte Markus Wyss am Freitag während des gut besuchten Anlasses. Stattdessen sollen vorerst nur die Grundlagen so weit erarbeitet werden, dass die Umfahrung bei einer Gefahrensituation innerhalb weniger Tage erstellt und befahrbar wäre.

Eine Gefahrensituation bedeutet konkret: Mitholz ist evakuiert, der Bahnverkehr ist eingestellt, und die Kantonsstrasse ist gesperrt. Sollte die Notumfahrung tatsächlich je gebaut werden, muss sie vollständig zurückgebaut werden, sobald vom Munitionsdepot keine Gefahr mehr ausgeht. Auch diese Vorgabe enthält die ÜO.

Einspurige Notstrasse

Die Pläne des Ingenieurbüros Kissling und Zbinden AG sehen eine einspurige, mindestens drei Meter breite Strasse von Teuffematti bis «Underem Büehl» vor. Der Verkehr würde mittels Ampelsystem wechselseitig geführt. Die vorgesehene Strecke führt grösstenteils über bestehende Wege, die lediglich etwas verbreitert, stabilisiert und, wo noch nicht der Fall, asphaltiert werden müssten.

Die gesamthaft knapp 2,5 Kilometer lange Strecke verläuft von der Hauptstrasse über die Sommerau zur Kander, diese entlang auf dem bisherigen Wander- und Veloweg bis zur Brücke «Underem Büehl» und von dort über die Schlossweid zurück zur Hauptstrasse.

Allein bei der Abzweigung von der Hauptstrasse auf Höhe Teuffematti bis zur Kander ist ein Neubaustück von gut 500 Metern Länge angedacht (siehe Grafik). Dieses wäre nötig, da der bestehende Fuhrweg so nahe am Stägebach verläuft, dass ein Ausbau mit Gewässerschutzgesetzen kollidieren würde.

Zusätzlich wären am Müllerlibrüggli über den Stägebach und an der Brücke über den Loueni­grabe Verbreiterungen nötig, damit auch grössere, bis 28 Tonnen schwere Fahrzeuge problemlos passieren könnten. In dieser Form könnte die Notumfahrung, wenns eilt, innerhalb von zehn Tagen erstellt werden.

«Falls der Regierungsrat auf dem vorsorglichen Bau besteht, werden wir uns dafür einsetzen, dass vorerst nur Vorarbeiten durchgeführt werden», sagte Markus Wyss. «Das Asphaltieren der Strasse und der Bau des neuen Teilstücks würden dann nur noch wenige Tage in Anspruch nehmen.»

Mit diesem Vorschlag könnte man sich auch in Kandersteg abfinden. Im April wird das Projekt anhand der Eingaben aus der Mitwirkung überarbeitet, bevor es zur Vorprüfung an den Kanton geht. Die öffentliche Plan­auflage dürfte ab Ende Juni erfolgen. Voraussichtlich Ende September wird die Gemeindeversammlung über das Projekt befinden.

Berner Oberländer

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