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Mit Lobliedern in die Schlacht

Der Ururururgrossvater von Hans Ulrich Grossniklaus aus Steffisburg erwarb 1798 ein Büchlein mit religiösen Liedern. Und dieses begleitete ihn im Kampf gegen die Franzosen.

Hans Ulrich Grossniklaus mit dem Liederbüchlein seines Ururururgrossvaters Kasper Nägeli.
Hans Ulrich Grossniklaus mit dem Liederbüchlein seines Ururururgrossvaters Kasper Nägeli.
Markus Grunder
Markus Grunder
Der Band beinhaltet 'Die Gothnischen Lieder zum Lobe des Dreyeinigen Gottes'.
Der Band beinhaltet 'Die Gothnischen Lieder zum Lobe des Dreyeinigen Gottes'.
Markus Grunder
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«Die sers Lieder Büchlein ist und gehört Caspar Nägeli under der Compagnei Haller Regiment Oberland.» Diesen Satz hat Soldat Nägeli vorne in sein Büchlein eingetragen. Auf der Rückseite steht in dichtender Form: «Wär wissen will den Namen mein, und wessen dieses Buch mecht sein, dem wird hier klar vor Augen stehn, den Namen Kasper wohl zu sehn. Also werd ich genant ­beym Tauf und habe dieses Buch gekauft. Jetz gehört es mir mit allem Recht, Nägeli ist genamtes Gslächt. Ich bit ein jeder hab es mir zur Hand, Oberhasle ist mein Vater Land.»

Kasper (respektive Caspar) Nägeli hat dieses Büchlein am «30ten Jenner 1798» in Bern gekauft und dafür «12 Batzen» bezahlt. Es sollte ihn fortan in die Schlacht gegen Frankreich begleiten, welche schliesslich zum Ende der Alten Eidgenossenschaft führte. Mit Liedern, die weniger das Kriegsgeschehen, als vielmehr die Besinnlichkeit beschworen: «Ach, Vater von uns ­allen», «Christi tief geschlagene Wunden», «Ehre sei Jesu mit Freuden», «Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren» und so weiter sind darin aufgeführt.

«Nachdenken»

Etwa dreissig Jahre alt war Kasper Nägeli, als er in der Compa­gnei Haller mit dem 1. Bataillon ins Kriegsgeschehen verwickelt wurde. Über sein Schicksal ist nichts Gesichertes bekannt. Das Liederbüchlein tauchte jedoch Jahre später wieder in den Unterlagen seiner Nachkommen auf.

Heute befindet sich der Band mit «Gothnischen Liedern zum Lobe des Dreyeinigen Gottes» im Besitz seines Ururururenkels Hans Ulrich Grossniklaus aus Steffisburg.

Der ehemalige Lehrer, pensionierte Leiter der bernischen Feuerwehren und langjährige Lokalpolitiker kam durch den Nachlass seines Vaters zu dem seltenen Schriftstück. «Er war ein eifriger Sammler und Chronist», erzählt Grossniklaus. «Dieses Büchlein bedeutet mir sehr viel. Es veranlasst mich immer wieder dazu, über vergangene Zeiten nachzudenken und spannende Vergleiche zur Gegenwart zu ziehen.»

«Persönlicher Bogen»

Der viel gereiste und sportbegeisterte 70-Jährige interessierte sich bereits in seiner Jugend für Geschichte. «Sicher wurde ich dabei von meinem Vater beeinflusst», sagt er. «Und dieses Interesse an neuerer wie auch älterer Geschichte, am Franzoseneinfall in die Schweiz, an den beiden Weltkriegen, der Nachkriegszeit in Deutschland oder etwa am amerikanischen Bürgerkrieg ist bis heute geblieben.»

Nicht erstaunlich, dass Hans Ulrich Grossniklaus noch zahlreiche weitere historische Dokumente hortet. Doch das kleine Buch mit den Lobliedern, das seinen Ururururgrossvater in den Kriegswirren begleitete, hat für ihn einen ganz speziellen Stellenwert. Denn: «Es ist ein Schriftstück, das einen ganz persönlichen Bogen in diese Zeit spannt.» Und diese Zeit damit lebendig erhält.In der Rubrik «Rückblick» stellen wir im «Forum» regelmässig spannende historische Schriftstücke vor, die sich im Besitz von Leserinnen und Lesern befinden.

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