Mit Kaffee und vollem Einsatz

Hasliberg

Nach vier Jahren gibt Sandra Weber das Gemeindepräsidium wieder ab. Sie hat bei der Arbeit im Gemeinderat und in der Regionalkonferenz viel profitiert – und viel Kaffee getrunken.

Verlässt den Hasliberg nach elf Jahren: Die abtretende Gemeindepräsidentin Sandra Weber.

Verlässt den Hasliberg nach elf Jahren: Die abtretende Gemeindepräsidentin Sandra Weber.

(Bild: Nathalie Günter)

Nathalie Günter@nathalieguenter

Als Kind war sie viel auf dem Hasliberg, ihre Eltern besassen ein Ferienhaus. 2007 zog sie mit ihrem Mann Bernhard hin. 2008 gründete die studierte Geografin die Erlebniskultour GmbH mit Schneeschuh- und Biketouren. 2014 kam die Anfrage, ob sie sich nicht für das Gemeindepräsidium zur Wahl stellen würde. Und Sandra Weber trat an. Die gebürtige Zürcherin gewann die Kampfwahl gegen Andreas Moor und war die letzten vier Jahre Gemeindepräsidentin von Hasliberg.

Kritik wichtig und notwendig

«Ich habe es extrem gerne gemacht und viel von der Zusammenarbeit profitiert», sagt Sandra Weber. Bei ihrem Start war das Projekt Zukunft Hasliberg schon in den Startlöchern. «Es war für mich ein Riesenglück, mit diesem Projekt in mein Amt einsteigen zu können», so Weber. Aber: «Das Konzept lag bereit, was man daraus macht, ist ein anderes paar Schuhe.» Sie habe in der Projektleitung zusammen mit Initiator Alex Willener und Bettina Wüthrich vom Standortmarketing viel umsetzen können.

Da seien einerseits die grösseren Brocken, wie das Netzwerk Haslital, der Pumptrack – der in der Finanzierung weit fortgeschritten sei – oder das geplante Generationenhaus. «Wichtig sind aber auch die kleineren Teilprojekte», sagt Sandra Weber, «damit die Leute auch sehen, da geht was». Dazu zählt sie zum Beispiel den Sandstrand mit Muscheln am Badesee oder die Filmnachmittage für die Kinder. Das zweijährige Projekt Zukunft Hasliberg sei zum jetzigen Zeitpunkt abgeschlossen.

«Ich habe es extrem gerne gemacht und viel von der Zusammenarbeit profitiert.»Sandra Weber, abtretende Gemeindepräsidentin Hasliberg

Kritische Stimmen habe es immer gegeben, zum Projekt Zukunft Hasliberg, aber auch im Alltag. «Die sind wichtig und notwendig, solange sie anständig sind.» Weber reduzierte ab 2015 als Klassenlehrerin an der Oberstufenschule in Lungern auf 60 Prozent. «So konnte ich mich voll für das Amt einsetzen.» Die heute 43-Jährige war dadurch oft in ihrem Büro auf der Gemeindeverwaltung anzutreffen.

Dabei habe sich so eine Art Besprechungsstunde, ohne fixen Zeitpunkt, entwickelt. «Der Kaffeeverbrauch auf der Gemeindeverwaltung ist etwas angestiegen», sagt Sandra Weber laut lachend. Sie habe älteren Damen mit dem Laptop geholfen, konkrete Anliegen besprochen oder sich mit den Bürgern auch einfach bei einem Kaffee ausgetauscht.

Vom Einsitz in die Geschäftsleitung der Regionalkonferenz Oberland-Ost (RKOO) habe sie ebenfalls fast nur profitiert. «Ich konnte mit spannenden Leuten zusammenarbeiten.» Gleichzeitig die Gemeinde zu vertreten und doch auch für die ganze Region zu denken, sei herausfordernd. Mit Webers Abgang wird nur noch eine Frau, Wilderswil-Gemeindepräsidentin Marianna Lehmann, in der RKOO sitzen. «Mich würde es freuen, wenn mehr Frauen in diesem Gremium sind – und mehr Junge», so Weber.

Mehr Dossiersicherheit

Auch ein Novum führte Sandra Weber in ihrer vierjährigen Amtszeit ein: Im Gemeinderat wurden die Ressorts aufgehoben. «Ich finde es wichtig, dass ein Gemeinderat von allen Projekten etwas weiss.» Die Vorbereitungen auf die Sitzungen seien dadurch etwas aufwendiger geworden, dafür die Gespräche und die Diskussionen vertiefter.

Der Gemeinderat müsse klar strategisch arbeiten, die Verwaltung operativ. «Für uns als Gemeinderäte war die Veränderung durchs Band positiv.» Eine Rückmeldung aus der Bevölkerung sei aber, dass eine direkte Ansprechperson im Gemeinderat fehle.

Sich aktiv und mit hundertprozentigem Engagement für das Amt einsetzen, das ist Sandra Weber wichtig. Mit ihrem neuen Job als Abteilungsleiterin und Geschäftsleitungsmitglied am Heilpädagogischen Zentrum Hohenrain des Kantons Luzern und einem damit verbundenen Wohnortwechsel ins Säuliamt ist dies nicht mehr möglich.

«Ich habe darum früh bekannt gegeben, nicht wieder zur Wahl anzutreten.» Sie sei sehr froh, dass der Gemeinderat soweit neu gebildet ist und es um das Präsidium sogar eine Kampfwahl gegeben hat. «Das gibt mir ein gutes Gefühl für den Abschluss.» Sie freue sich auch, nicht mehr ganz so fest im Fokus zu stehen.

Die 43-Jährige wird neu am Heilpädagogischen Zentrum Hohenrain des Kantons Luzern als Abteilungsleiterin und Geschäftsleitungsmitglied arbeiten. Foto: Nathalie Günter

Berner Oberländer

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