Mit den Erfahrungen eines Pioniers

Wilderswil

Am Pararace-Event 2018 erzählte der Schweizer Rennrollstuhlpionier Heinz Frei, wie sich Sport­geräte und das sportliche Umfeld entwickelt haben.

Den Startschuss für den Jungfrau-Marathon am Samstag wird Heinz Frei geben.

(Bild: Keystone)

«In der Schweiz gibt es wenig Anlässe mit so viel Interesse und ­Publikum für Rennrollstuhl und Handbike wie das Jungfrau-Pararace», sagte Heinz Frei am vergangenen Freitagabend im Hotel Bären, Wilderswil.

So hatte der Rennrollstuhlpionier, der zu den erfolgreichsten und beliebtesten Schweizer Sportlern gehört, gerne auch die Einladung für die Teilnahme am diesjährigen Pararace-Event angenommen und erzählte – vor einem vollen Saal –, wie sich sein Sport in den letzten vier Jahrzehnten entwickelt hat.

«Vom Pionier mit Marke Eigenbau zum professionellen Rollstuhlsport» hatte Frei seinen Vortrag trocken betitelt. Tatsächlich aber bewies der Ausnahmesportler, der seit 1984 an den Paralympics 15-mal Gold in den drei Disziplinen Leichtathletik, Handbike und Langlauf gewonnen, Weltmeistertitel und Marathonsiege aneinandergereiht und drei Weltrekorde gebrochen hat, dass er auch ein guter Erzähler ist.

Emotionen und Technik

Die grossen Emotionen im Sport liess er seine Zuhörer ebenso miterleben wie das Wechselbad der Gefühle des jungen Mannes, der wegen der Querschnittlähmung nach einem Bergunfall alle Pläne begraben musste, «auf eigenen Beinen zu stehen», dann aber Schritt für Schritt herausfand, wie er sein Leben in die eigenen Hände nehmen konnte.

Schmunzelnd berichtete Frei von den frühen, selbst gebastelten Rennrollstühlen, deren Vorderräder zu flattern begannen, wenn das Tempo zu schnell wurde. Kein Wunder, waren die Organisatoren überfordert, als Rollstuhlfahrer Frei in den 1980er-Jahren zum ersten Mal als Erster ins Ziel kam.

«Sie legten mir den Siegerkranz um, und ich musste ihnen erklären, dass ich beim Bergabfahren Vorteile hatte und der Sieg in Wirklichkeit dem ersten Läufer gebührte.» Zugleich regte Frei eine separate Kategorie für Rollstuhlfahrer an.

Welten liegen auch zwischen den frühen Paralympics mit Massenlagern für die Athleten und den Spielen in Peking und London, an denen die Rollstuhlfahrer und Handbiker von Zehntausenden begeisterter Zuschauer ange­feuert und gefeiert wurden.

Die Neugier bleibt

Und doch hat sich nicht alles verändert: Obwohl die Spitzensportler heute auf ultraleichten Karbongeräten durch die Stadien fliegen, hält Heinz Frei nach wie vor den Weltrekord im Marathon, den er 1999 in Oita aufstellte. «Ich war wohl ein ‹Siebesiech›», meinte er verschmitzt auf die Frage von ­Pararace-Rennleiter Walter Hintermeister nach dem Grund für diese unübertroffene Leistung. Ernster fügte Frei an, dass es sicher nicht an der Kondition der heutigen Athleten fehle.

«Für ei­nen Weltrekord braucht es aber optimale Bedingungen – angefangen beim Wetter bis zu einem Feld von Konkurrenten, die auf einen Rekord aus sind.» Geblieben ist auch Heinz Freis Neugier auf neue Sportarten, die ihn sogar zum Testbobfahrer werden liess.

Integrationsstafette

OK-Präsident Toni Alpinice und Walter Hintermeister gaben am Freitagabend eine Vorschau auf den Jungfrau-Marathon vom7. und 8. September 2018. Zum diesjährigen Programm gehört neben dem 10. Jungfrau-Pararace am ersten Renntag neu auch eine Integrationsstafette rund um die Höhematte.

Gelaufen und gefahren wird diese Stafette unter dem Motto «Gemeinsam zum Ziel» gemeinsam von Teilnehmern mit und ohne Handicap, von prominenten und ­von Breitensportlern.

Übrigens: Den Startschuss für den Jungfrau-Marathon am Samstag wird Heinz Frei geben.

Berner Oberländer

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