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Meisterhafter Zauber im Dreivierteltakt

Einmal mehr beehrte Christian Zacharias, der Klangmagier am Flügel, das Menuhin Festival Gstaad. Diesmal mit «Valses et danses», einem Programm, das ihm am Herzen liegt und die Zuhörenden genau dort traf.

Christian Zacharias in der Kirche Zweisimmen.
Christian Zacharias in der Kirche Zweisimmen.
Ursina Humm

Ein Mann, ein Flügel – und die Welt rundherum kann getrost versinken. Denn Christian Zacharias kann zaubern. Auch wenn er dies strikt von sich weisen würde. Er wirkt entrückt, wenn er spielt, einem Wissenschaftler gleich, der unermüdlich erforscht, experimentiert, eintaucht in seine Materie, durch nichts zu stören. Fern von jeglicher Effekthascherei und voller Demut bringt er Musik in ihrer reinsten Form zu Gehör. Und bannt sein Publikum trotz tiefer Abgeklärtheit mit Charisma und unbedingter Präsenz.

Brillante Technik

Franz Schuberts Sonate Nr. 4 in ­a-Moll sowie dessen «Valses sentimentales» und «Valses nobles» machten am Donnerstag in der gut besuchten Kirche Zweisimmen den Anfang. Der grosse Pianist stellte seine brillante Technik ganz in den Dienst der Aus­sage und verlieh den zarten ­Kompositionen eine filigrane Transparenz und sanft schwingende Eleganz.

Maurice Ravels «Valses nobles et sentimentales» sind eine Hommage an Franz Schubert, der seine Walzersammlung über hundert Jahre früher ediert hatte. ­Ravel soll ein Zitat von Henri de Régnier als Motto gewählt haben: «Das köstliche und immer neue Vergnügen einer nutzlosen Beschäftigung». Schalkhaft beschreiben diese Worte die Leichtigkeit des Werkes, zuweilen unterbrochen vom kräftigen Zugriff des durchwegs auswendig spielenden Zacharias. (Wobei der französische Ausdruck «par cœur» viel treffender ist.)

Neue Kunstauffassung

Robert Schumanns «Davidsbündlertänze» widerspiegeln den romantischen deutschen Tondichter, der sich während seines Studiums mit Gleichgesinnten wie David im Kampf gegen die Philister für eine neue Kunstauffassung starkmachte. Die achtzehn Miniaturen durchlaufen ein breites Spektrum an Emotionen, darunter auch Roberts Liebe zu Clara. Von Meisterhand musiziert, bildeten sie den nachhaltigen Abschluss eines bewegenden Klavierabends. Lange anhaltender Applaus und stehende Ovationen begleiteten den stillen und immer noch versunkenen Pianisten auf seinem Weg aus der ­Kirche.

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