Exporte im Kanton Bern: Mehr als nur heisse Luft

Berner Unternehmen verkauften 2016 Waren im Wert von fast 13 Milliarden Franken ins Ausland. Neben der ­Uhren- und Maschinenbranche hat dazu auch die Kunststoffspezialistin Colasit aus Spiez beigetragen.

Mit Kunststoff erfolgreich: Colasit-Chef Urs Moser mit einem Ventilatorengehäuse in der Produktionshalle.

Mit Kunststoff erfolgreich: Colasit-Chef Urs Moser mit einem Ventilatorengehäuse in der Produktionshalle. Bild: Manuel Lopez

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Die Schutzbrille ist montiert. Konzentriert hantiert der Mitarbeiter mit dem Luftschweissgerät. Er bearbeitet damit ein Kunststoffteil. Urs Moser steht ­daneben. «Heisse Luft ist für uns existenziell», sagt der Chef der Colasit AG in Spiez. «Damit schweissen wir unsere Kunststoffventilatoren zusammen.»

Ventilatoren. Sie sind quasi das Lebenselixier der Spiezer Firma, die zur niederländischen Colasit Holding gehört. In der Schweiz sind praktisch in jedem Industriebetrieb, wo die Luft durch Chemikalien oder andere Stoffe belastet ist, Kunststofflüfter von Colasit eingebaut. Sie saugen die verschmutzte Luft an und leiten sie durch einen Luftwäscher. Am anderen Ende kommt saubere Luft raus.

Die Firma stellt auch ganze Waschanlagen her, der Verkaufsschlager sind jedoch die Ventilatoren. Zu den Kunden der Spiezer Firma gehören unter anderem Hallenbäder, Abwasserreinigungs- sowie Kehrichtverbrennungsanlagen, die ­Labore der ETH, des Inselspitals und der grossen Pharmafirmen, aber auch Unternehmen wie Rolex oder Swatch.

Uhren sind im Kanton spitze

2016 haben Berner Unternehmen Waren von insgesamt 12,8 Milliarden Franken ins Ausland exportiert. Zum Vergleich: Schweizweit waren es Produkte im Wert von mehr als 210 Milliarden, die ausser Landes verkauft wurden. Im Kanton Bern führt die Präzisions-, Instrumente- und Uhrenindustrie die Exportstatistik an.

Fast 4 Milliarden Franken betrug mit diesen Produkten der Umsatz im Ausland. Mehr als die Hälfte dieses Umsatzes wird im Seeland rund um die Stadt Biel generiert. Die weiteren Podestplätze in der Berner Exportstatistik belegen in dieser Reihenfolge die Maschinen- und die Pharmabranche mit 3 beziehungsweise 2,6 Milliarden Umsatz im Ausland.

In der Maschinenbranche angesiedelt ist auch die Colasit AG. Mit ihren Produkten erwirtschaftet sie einen ­Exportumsatz von jährlich mehreren Millionen Franken. Rund zwei Drittel ihres Umsatzes generiert Colasit im Ausland.

Die Firma aus der Berner Landregion ist damit ein eher kleiner Player, gleichzeitig aber auch ein sogenannter Hidden Champion. So werden Unternehmen bezeichnet, die zwar nicht sehr bekannt, in ihrer Nische jedoch führend sind. Über ihre Distributionspartner ist Colasit in rund 20 Ländern in Europa, Asien, ­Afrika, Südamerika, Australien und den USA vertreten.

Auftrag für Vergnügungsparks

Die Colasit AG beschäftigt in Spiez 95 Angestellte. «Wir wachsen nachhaltig und eher langsam. Das mag gegen aussen unspektakulär wirken, ist für uns aber der richtige Weg», hält Urs Moser fest.

Neben den Ventilatoren und Lüftungsprodukten stellt die Firma auch Kunststoffteile her, die von Vergnügungsparks aus aller Welt bestellt werden. So stammen etwa die Verschalungen einer Achterbahn in einem Vergnügungspark in Florida aus dem Oberland. Auch der Europa-Park Rust zählt zu den Kunden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 10.08.2017, 22:43 Uhr

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