Mit ihm soll der Ballenberg zur Ruhe kommen

Der neue Geschäftsleiter des Freilichtmuseums bei Brienz heisst Martin Michel. Der Bernexpo-Kadermann aus Unterseen steht vorbehaltlos hinter der Aufgabenteilung an der Ballenberg-Spitze.

Martin Michel (links) wurde am Montag von Ballenberg-Stiftungsratspräsident Peter Flück vorgestellt.

Martin Michel (links) wurde am Montag von Ballenberg-Stiftungsratspräsident Peter Flück vorgestellt.

(Bild: Adrian Moser)

Stefan von Bergen@StefanvonBergen

Meist ist die Reihenfolge umgekehrt. Martin Michel aber kam auf den Ballenberg, bevor der Ballenberg auf ihn kam. Bei einer persönlichen Standortbestimmung geriet das Freilichtmuseum in Hofstetten bei Brienz ins Visier des 51-jährigen Bernexpo-Kadermanns aus Unterseen. Dann erst stiess er auf das Stelleninserat für einen Ballenberg-Geschäftsführer.

«Das wäre doch etwas für mich, da könnte ich meine im Messebetrieb erworbene Erfahrung als Gastgeber einbringen» – so habe er überlegt, erzählte Michel am Montag an einer Medienorientierung in Bern. Dort stellte ihn Peter Flück, Präsident des Ballenberg-Stiftungsrats, als neuen Geschäftsführer vor.

Einstimmige Wahl

Martin Michel hat sich in der Ausmarchung gegen über vierzig Mitbewerberinnen und -bewerber aus der ganzen Schweiz durchgesetzt. In der engeren Auswahl standen am Ende acht Personen, unter ihnen drei Frauen. Michel sei vom Stiftungsrat einstimmig gewählt worden, sagte Flück. Er lobte Michel als zugleich «innovativ, geerdet und regional vernetzt». Sein neues Amt tritt Michel am 1. Juni an.

Wie sein Vorgänger Peter Kohler kommt auch Martin Michel aus dem Oberland. «Warum denn nicht?», replizierte Peter Flück und dementierte gleich, dass Oberländer Bewerber einen regionalen Bonus genossen. Flück räumte aber ein, dass sich aussichtsreiche Bewerber wegen der peripheren Lage des Ballenbergs selber aus dem Bewerbungsrennen nahmen.

Unruhe nach Chefwechseln

Martin Michel rückt nach auf einen Chefsessel, auf dem es schon unruhige Wechsel gab. 2014 trat aus bis heute nicht kommunizierten Gründen die Stadtberner Historikerin Katrin Rieder ab. Im letzten November kündigte ihr Nachfolger Peter Kohler seinen Abgang an – weil er mit dem Stiftungsrat uneins war über die Abgrenzung von operativem und strategischem Geschäft. Im Klartext: Kohler wollte wohl mehr gestalten, als er durfte.

«Das war vor meiner Zeit»: Martin Michel will nicht auf die mehrmaligen Wechsel in der Vergangenheit eingehen.
(Video: Stefan von Bergen)

«Ich blicke nach vorne in die Zukunft», kommentierte Martin Michel die früheren Turbulenzen diplomatisch. Für ihn zähle am Ende des Tages das Ergebnis, das strategische Geschäft überlasse er dem Stiftungsrat. Seinen Gestaltungswillen lebe er am liebsten bei der Vernetzung von Menschen aus. Der Ballenberg sei bestens aufgestellt und habe Entwicklungspotenzial, lobte Michel. Und er versprach, die Konsolidierung nach den Unruhen rund um Katrin Rieders Abgang fortzuführen. Es leuchtet ein, dass er für den Stiftungsrat der richtige Mann ist.

«Bin kein Museumsmacher»

Martin Michel ist ausgebildeter Radio- und TV-Techniker. Für die Übertragung des Lauberhornrennens hat er in Wengen einst Kupferkabel verlegt. Er lancierte in Interlaken das vor einigen Jahren eingestellte Gratisblatt «Oberland aktuell». Seit 17 Jahren ist Michel nun in verschiedenen Positionen bei der Bernexpo AG tätig, derzeit als Head of Business Evolution. Er hat sich mehrfach weitergebildet, als Marketingplaner und zuletzt in Betriebswirtschaft an der Berner Fachhochschule.

«Im Team immer besser als einer alleine»: Wie Martin Michel das Freilichtmuseum führen will.
(Video: Stefan von Bergen)

Bringt Michel auch ein Flair für die im Ballenberg zentrale Museums- und Forschungsarbeit mit? «Ich bin kein Museumsmacher, ich werde mir das nötige Know-how im Gespräch mit den zuständigen Spezialisten holen», räumt er ein.

Auf dem aufsteigenden Ast?

Es gibt dringendere Herausforderungen. Zwar hat der Ballenberg laut Stiftungsratspräsident Peter Flück in der Saison 2018 mit 210'000 Besuchern und einer ausgeglichenen Rechnung erstmals wieder die defizitären Vorjahre übertroffen. Martin Michel wird aber nun zeigen müssen, ob das Freiluftmuseum schon die Trendwende zum Guten geschafft hat. Alles auf den Kopf stellen wird er nicht. So denkt er zwar über neue digitale Angebote nach, will aber auch auf «analoge Erlebnisse» in den alten Bauernhäusern oder im neu eingerichteten Foxtrail setzen.

Priorität hat für Michel, neue Besuchergruppen ins Freilichtmuseum zu locken. Woran das scheitern kann, weiss er aus eigener Erfahrung. «Ich war schon seit Jahren nicht mehr im Ballenberg und habe so sein spannendes Programm verpasst», gestand er. Viele kommen nur wenige Male im Leben in das Freiluftmuseum und glauben es dann gesehen zu haben. Martin Michel wird versuchen, sie eines Besseren zu belehren.

Berner Zeitung

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