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Marias Lobgesang im Advent

Die Kantorei Interlaken bot in der Schlosskirche Passendes zum Advent an.

Die Schlosskirche Interlaken war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Die Schlosskirche Interlaken war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Orith Tempelman

Das Gloria ist zweifellos Vivaldis berühmtestes Chorwerk, aber das Magnificat ist genauso brillant, mit all dem Drama und Kontrast seiner besten Konzerte. Das Stück scheint auch aufgrund seiner Popularität mehrfach überarbeitet worden zu sein. Man kennt mindestens zwei Magnificat-Vertonungen, RV 610 und RV 611, und es existieren ausserdem ein RV 610a und ein RV 610b, um den Mangel an Instrumentalisten – vor allem an Oboisten – und anderen Solisten auszugleichen.

Für Vivaldi und andere Barockkomponisten war es zwar nicht ungewöhnlich, eigene Werke selbst neu zu bearbeiten oder Teile daraus wieder zu verwenden. Aber die erhebliche Anzahl kompletter Versionen dieses einen Stücks macht es einzigartig in seinem Schaffen. In Interlaken sang die Kantorei unter der Leitung von Prof. Dr. Helmut Freitag eine der erweiterten Fassungen mit zusätzlichen Arien und einem instrumentalen Zwischenspiel.

Die solistisch auftretenden Itto Bakir (Sopran), Sarah Widmer (Mezzosopran), Stefan Arni (Oboe), das 5-köpfige Streicherensemble sowie Martin Heim an der Positivorgel sind bereits mehrmals in der Schlosskirche aufgetreten. Beide Sängerinnen haben eine schöne, gepflegte Stimme, aber sie klingen einzeln besser als im Duett, da der Mezzosopran sich von der Klangstärke her neben einem strahlenden Sopran meist nicht durchsetzen konnte. Das Ungleichgewicht machte sich insbesondere im «Esurientes» bemerkbar. Kein Problem diesbezüglich hatte der Oboist Stefan Arni – auch nicht im «Sicut locutus est», das Vivaldi ursprünglich für zwei obligate Oboen schrieb.

Neben Vivaldis Magnificat standen auch Mozarts Arie «Laudate Dominum» sowie eine Arie aus Bachs Weihnachtsoratorium für je eine Solistin mit Instrumentalensemble auf dem Programm. Die musikalischen Darbietungen wurden aufgelockert durch adventliche Gedanken, vorgelesen von Rosmarie Boss, und die Kantorei sang noch bekannte vorweihnächtliche Melodien, zum Teil unter der Leitung von Christine Thöni.

Sogar das Publikum, das die Schlosskirche bis zum letzten Platz füllte, wurde mehrmals aufgefordert, mitzusingen. Und so sangen zum Schluss des schönen Adventskonzerts nicht nur die 44 Sängerinnen und Sänger der Kantorei das bekannte Weihnachtslied «O du fröhliche, o du selige», sondern auch mehrere Hundert Zuhörerinnen und Zuhörer.

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