Grindelwald

Lokalkolorit im Taschenbuchformat

GrindelwaldHeinz Stettler hat sein erstes Büchlein mit allerlei Anekdoten aus vergangenen Zeiten veröffentlicht. Damit will er die ­Geschichte des Tales lebendig erhalten.

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«Ich wollte ein Taschenbuch machen, das man leicht mitnehmen kann», sagt Heinz Stettler, der mit dem Buch «Är isch no nid eso Aalta, wie-n er uusgsehd» seinen Erstling realisiert hat.

Das heisst: ein erstes Buch, in dem es weitegehend um die Bevölkerung des Tales geht. «Taschenromane habe ich schon einige geschrieben», sagt Stettler. «Anekdoten zum Schmunzeln», heisst es zudem auf dem Front­deckel. Blättert man hinein, geht es gleich los mit Geschichten aus der Zeit von 1900 bis in die jüngste Vergangenheit.

Über ein Jahr recherchiert

Das Besondere am Buch: Die Texte sind jeweils in «Grindelwalddytsch» geschrieben, dem ört­lichen Dialekt und auf Deutsch. Stettler war früher nicht nur Betreiber des «Oberlands», eines bekannten Restaurants im Dorf, sondern hatte auch auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet und sonst die Welt bereist. So denkt er heute noch als Gastgeber und will die lokalen Geschichten mit der Übersetzung einem breiteren Leserkreis zur Verfügung stellen.

Er war niemals um eine Antwort verlegen, heisst es etwa in einer Anekdote eines gewissen Rudolf Kaufmann, der wohl zu lange beim Feierabendbier sitzen geblieben war.

Der damalige Dorfpolizist Kurt Schwendener schickte diesen nach Hause und gab ihm den gut gemeinten ­Ratschlag: «Du solltest das Geld besser zur Bank bringen und ­dafür weniger trinken.» Darauf antworte das Dorforiginal: «Ich bringe das Geld dem Christian Boss im Restaurant Steinbock – der bringts dann schon zur Bank!»

Auf «Grindelwalddytsch» tönt der Abschnitt dann so: «Ds Ruedelli ischt egheim en Antwort schuldig bbliben. Ysa Torfpolizischt – dr Kurt Schwendener – ed emmel o umhi eis miesse-ng ga Fyrabe-m bieten, u dda hed er ds Ruedelli mid glasige Ojge troffen u mmu graten, er sel doch ds Gäld gschyder uf d Bank bringe, was ’ses z verbudlen. Da druuf ah heds Torforiginal gmeind: «I bringe ds Gäld zu Boss Chrigel i Schteimbock – där bringts de schon uf d Bank.»

«Schade, habe ich nicht schon früher damit angefangen, solche Anekdoten zu sammeln.» Heinz Stettler

Stettler freut sich, dass er allerhand Anekdoten zusammentragen konnte. Er sagt: «Schade, habe ich nicht schon früher damit angefangen, solche Anekdoten zu sammeln.»

Ein spezieller «Duden»

Die Recherche für den Band dauerte über ein Jahr, während dieser Zeit hat Stettler mit Dutzenden Leuten gesprochen, «und allergattig interessants erfahre». Während man ein Inhaltsverzeichnis vergeblich sucht, «das hat man am Stammtisch auch nicht», erklärt er lachend, hat er das Buch mit historischen Fotos aufgewertet, die zeigen, wie es früher einmal war.

Etwa die Fotografie von Steffen Albert von Oberäll, der in seinen jungen Jahren ein erfolgreicher Töfffahrer war. Oder von feiernden Spielern des Eishockeyclubs Grindelwald.

Nicht zuletzt sogar ein Bild vom Grossvater des Redaktors dieser Zeitung mit selbem Namen, der mit der Anschaffung des ersten Viehwagens «Chalberbänna» im Tal schon früh auf Fortschritt anstatt auf Rückschritt setzte. Punkto Mundart hat sich Stettler ans Buch «Weischt, was d seischt» von Samuel Brawand gehalten, quasi den «Duden» für den Grindelwalder Dialekt.

Und lektoriert hat Ueli Baumann, ein ehemaliger Lehrer, der sich mit Dialekt ebenfalls bestens auskennt. Ob es eine Fortsetzung gibt? Stettler hält sich an einen Satz ganz am Ende seines Buches: «Nid alls, wa mmu am a Schtammtische gheerd, sellt mu wyter verzellen.»

Erhältlich ist das Büchlein von Heinz Stettler mit 174 Seiten im Museum Grindelwald und im ­Eigerness Shop für 20 Franken. (Berner Oberländer)

Erstellt: 06.02.2018, 22:00 Uhr

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