Leissiger fordern fundierte Verkehrsstudie

Leissigen

Staus könnten sich zu einem Problem für einen Busbetrieb zwischen Interlaken und Spiez entwickeln, befürchten Leissiger Bürger, die sich in einem Brief an Regierungsrätin Barbara Egger wenden. Sie verlangen eine entsprechende Studie.

Die Einfahrt Därligen-Ost könnte für einen Busbetrieb zwischen Interlaken und Spiez problematisch sein.

Die Einfahrt Därligen-Ost könnte für einen Busbetrieb zwischen Interlaken und Spiez problematisch sein.

(Bild: Bruno Petroni)

Samuel Günter@samuel_guenter

«Mit Unverständnis und grosser Besorgnis verfolgen wir die ak­tuelle Debatte im Zusammenhang mit dem Regionalverkehr zwischen Spiez und Interlaken», mit diesen Worten wenden sich Einwohner Leissigens an Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer, Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin des Kantons Bern. Beim Entscheid zugunsten der Buslösung seien «nicht alle Fakten gründlich geprüft worden».

Es geht um das Angebotskonzept 2018 bis 2021, über das der Grosse Rat in der am Montag beginnenden Session befinden wird. Es sieht vor, dass der öffentliche Regionalverkehr zwischen Interlaken und Spiez künftig mit Bussen sichergestellt werden soll.

Gemäss dem Schreiben weise der A-8-Tunnel bei Leissigen bereits heute 93 Prozent des Verkehrsaufkommens des Gotthardtunnels auf. Weiter sei die Strecke Spiez–Interlaken gemäss dem Jahresbericht des Bundesamtes für Verkehr (Astra) der «einzige Unfallschwerpunkt auf dem Nationalstrassennetz im ganzen Berner Oberland». Das Schreiben weist daraufhin, «dass es für die Einfahrt Därligen-Ost unter Berücksichtigung der vom Astra prognostizierten Verkehrszunahme künftig keine Lösung gibt, damit ein Bus in nützlicher Frist in Richtung Interlaken einfädeln kann».

Studie aus der Not

Was die Zahlen angehe, habe man mit dem Astra Rücksprache genommen, erklärt Andreas Wyss, der den Brief verfasste. «Das ­Astra hat uns bestätigt, dass die maximale Kapazität des Abschnitts zwischen Interlaken und Leissigen 1000 bis 1250 Fahr­zeugen pro Stunden beträgt und dass man von einer jährlichen Zunahme von 1,2 bis 1,3 Prozent bis 2030 ausgehen muss», erklärt Wyss gegenüber dieser ­Zeitung.

Aufgrund dieser Zahlen und der Daten der automatischen Verkehrszählanlage im Leissigentunnel hätten die Leissiger «aus der Not heraus» eine «vereinfachte Studie» erarbeitet. Man habe ein Best-Case- und ein Worst-Case-Szenario aufgestellt. Im besten Fall bilde sich bei mehr als 1250 Fahrzeugen pro Stunde ein Stau, im schlechtesten Fall ab 1000. Als Vergleichswert diente dabei der 18. Januar 2015, wo am Abend das Verkehrsaufkommen 1100 Fahrzeuge stündlich betrug und sich ein Stau bildete. An diesem Tag fand die Abfahrt der Lauberhornrennen statt.

Hierbei sei zu bemerken, dass die angrenzenden Abschnitte laut dem Astra eine höhere Verkehrsbelastung aufwiesen als der Leissigentunnel. Ebenso müsse man die Einfahrten und deren Auswirkungen auf den Verkehrsfluss näher betrachten.

Fundierte Studie nötig

Wyss und seine Mitstreiter nahmen die Zahlen von 2016 (für den Januar 2015) als Grundlagen und rechneten die Zahl entsprechend den Wachstumsprognosen hoch. Für das Jahr 2020 kommen sie so auf 125 respektive 585 Stau­stunden. Für 2030 sind es schon 273 oder 1010 Stunden und für 2040 490 oder 1575 Stunden. Diese Zeiten fallen nicht nur aufs Wochenende, sondern auch auf Stosszeiten am Morgen, am frühen Nachmittag und am Abend.

Und was sagt das Astra zur Prognose der Leissiger? «Es handelt sich bei Ihrer Rechnung um eine stark vereinfachte Rechnung», schreibt Mark Siegen­thaler, Beauftragter Information und Kommunikation, in einem E-Mail an Andreas Wyss. «Die Zahlen und Hochrechnungen zeigen, dass es Tage mit erhöhtem Verkehrsaufkommen und zum Teil Stau gibt. Sie stimmen vermutlich ziemlich gut und können sicher als Diskussionsgrundlage dienen.» Die Annahmen, wann es zu einem Stau komme, seien «zu überprüfen».

Weiter hält Siegenthaler fest, dass man die verschiedenen Stundenwerte anhand der Strassenanlage in Verkehrsqualität A bis F einteilen und nicht nur den Leissigentunnel, sondern auch die angrenzenden Abschnitte beleuchten müsste. «Was man aber sicher sagen kann, und das würde ich auch so unterstützen: Um Klarheit da­rüber zu erlangen, wie stabil ein allfälliger Busbetriebsfahrplan eingehalten werden könnte, müsste man eine fundierte Verkehrsstudie machen.»

Offene Fragen

Im offenen Brief fragen die Leissiger Regierungsrätin Barbara Egger entsprechend, aus welchen Fakten sie schliesse, dass ein ­Busbetrieb problemlos funktionieren werde, und wie sie zum Schluss komme, dass die Einfahrt Därligen-Ost für einen Busbetrieb funktionieren werde? Und: «Warum wurde im Wissen der Problematik der A 8 keine ganzheitliche Verkehrsstudie erstellt, welche wichtige Fakten für den Entscheid liefern würde?»

Berner Zeitung

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