Le Rosey richtet das Projekt Campus neu aus

Schönried

Das Institut Le Rosey reagiert auf Einsprachen mit einer Sistierung zum geplanten Wintercampus im Erli in Schönried. Es zieht das Projekt zurück, um den Weg für eine Neuplanung freizumachen.

So sieht der ursprünglich geplante Wintercampus am Standort Erli aus. Nun hat das Institut Le Rosey das Projekt zurückgezogen.

So sieht der ursprünglich geplante Wintercampus am Standort Erli aus. Nun hat das Institut Le Rosey das Projekt zurückgezogen.

(Bild: zvg)

Die Geschichte des seit langem vom Institut Le Rosey geplanten Wintercampus in Schönried ist eine lange. Deshalb zuerst dies: Besagtes Institut mit Hauptsitz in Rolle verfügt über zwei Dependancen in Gstaad und Schönried. Weil die Gebäude in Gstaad zum Teil veraltet sind und künftig nicht mehr genügend Platz bieten, sollen sie ersetzt und an einem neuen Standort konzentriert werden.

Die internationale Privatschule sucht nun seit längerem einen geeigneten Standort für einen neuen Wintercampus im Saanenland, wofür sich der Standort Erli in Schönried herauskristallisiert hat. In enger Zusammenarbeit mit Fachleuten und der Gemeinde Saanen hat das Institut eine Projektstudie für den neuen Campus erarbeitet. Damit dieses Projekt im Erli umgesetzt werden kann, musste für das Areal eine Überbauungsordnung (ÜO) mit Zonenplanänderung erlassen werden. Es ist dies die ÜO Nr. 75 Erli Schönried mit Än­derung Zonenplan Nr. 2 Schönried und Änderung Zonenplan und Richtplan Nr. 22 Schönried- Saanenmöser.

Am 5. April 2013 beschloss die Gemeindeversammlung diese Planungsinstrumente in Kenntnis von hängigen Einsprachen mit grosser Mehrheit. Das zuständige Amt für Gemeinden und Raumordnung genehmigte die Planung und wies die hängigen Einsprachen ab. Gegen diesen Genehmigungsbeschluss haben verschiedene benachbarte Grundeigentümer, der Verein Helvetia Nostra und die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz bei der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion (JGK) des Kantons Bern Beschwerde geführt.

OLK lehnt das Projekt ab

Als verfahrensleitende Behörde nahm das Rechtsamt der JGK einen Augenschein vor Ort, stand in einem ausführlichen Schriftenwechsel mit den am Verfahren beteiligten Parteien und holte beim Präsidium der kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) ein Gutachten ein. Die OLK ist darin gemäss der gestrigen Meldung der Gemeinde Saanen zum Schluss gekommen, «dass der im Erli geplante Campus das Landschaftsbild zu stark beeinträchtigt». Sie lehnt deshalb das Projekt mit den vorgesehenen Dimensionen ab.

Aufgrund der Beurteilung der OLK wurde eine Sistierung des Verfahrens beantragt, damit das Projekt überarbeitet und angepasst werden kann. Dieser Sistierung wurde von der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion nicht stattge­geben. Somit ergibt sich für das Projekt Erli eine neue Ausgangslage.

Neues Projekt wird geprüft

Mit Schreiben vom 26. September hat das Institut Le Rosey der Gemeinde mitgeteilt, dass es unter diesen Voraussetzungen das Projekt zurückziehe, um den Weg für eine Neuplanung freizumachen. Unter Einbezug von Fachorganen wird nun ein Projekt mit reduzierten Flächen im Erli geprüft. Dabei muss die fehlende Fläche für das Gesamtprojekt an anderen Standorten kompensiert werden, damit die Bedarfsfläche realisiert werden kann.

Wie der Gemeinderat von Saanen mitteilt, sind sich die Exekutive und auch die breite Mehrheit der Bevölkerung im Saanenland der hohen Bedeutung und Wichtigkeit von Le Rosey für die Region, den Kanton und über dessen Grenzen hinaus bewusst. Der Gemeinderat wird daher weiterhin alles daransetzen, eine optimale Lösung zu finden und Hilfestellung bei der Planung und Realisation eines neuen Campus Le Rosey zu leisten.

«Zu vieles noch ungewiss»

«Da die ursprüngliche Planung von der Gemeindeversammlung genehmigt wurde, muss der Rückzug der Form halber ebenfalls vom Volk beschlossen werden», sagt der für Bau und Planung zuständige Gemeinderat Emanuel Raaflaub. «Der Rückzug wird am 9. Dezember an der ­Gemeindeversammlung traktandiert. Es liegt kein neues Projekt auf dem Tisch. Da ist zu vieles noch ungewiss. Wir wollen den Weg freimachen, um frisch dahinterzugehen.»

Laut Philipp Gudin vom Institut Le Rosey wird der geplante Kauf des Ferienheims Frau­brunnen davon nicht tangiert. Durch die geringere Flächennutzung sei man auf der Suche nach einem weiteren Standort nicht allzuweit weg vom Erli. Gudin deutet an, dass sich in einer Distanz von sechshundert Metern zum Erli eine Lösung abzeichnen könnte, die er gestern auf Anfrage als «relativement prêt» («verhältnismässig bereit») bezeichnete.

Nicht von diesem Rückzug betroffen ist das Verfahren für den «Ausbau Hubelstrasse», das weiterverfolgt werden soll.

pd/sp

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