Kunst und Leben – alles ist im Fluss

Seit dem 21. September und noch bis zum 21. Dezember werden im Zusammenhang mit dem 125-Jahr-Jubiläum von Interlaken zwischen Brienzer- und Thunersee Kunstwerke ausgestellt. Am Mittwoch war Vernissage.

Projektleiter Roland Seiler (rechts) und Künstler Hans Thomann vor dessen Kunstwerk «Spieglein Spieglein» bei der Aareschleuse Unterseen/Interlaken.

Projektleiter Roland Seiler (rechts) und Künstler Hans Thomann vor dessen Kunstwerk «Spieglein Spieglein» bei der Aareschleuse Unterseen/Interlaken. Bild: Markus Hubacher

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Schnell wie der Wind galoppieren sie flussabwärts. Der Zug der Aare gibt ihnen Kraft: 13 Wölfe, ein Rudel Energie aus Drahtgeflecht, eine dynamische Wildheit. Gerade ziehen sie vor dem Schwimmbad in Interlaken vorbei, auf einem Floss stehend – als Kunstwerk von Olivier Estoppey aus Lucens im Waadtland.

Es ist eines der 19 Kunstwerke, die nun zwei Monate lang entlang der Aare – wortwörtlich «Inter-Laken», also zwischen den Seen – zu betrachten sind. Flankiert von Nicolas ­Lavarennes Erzengel und Paul Wiedmers «Schutzzone». Von Bahnhof-Ost bis -West.

Da gibt es Hölzer, grossen Bleistiften gleich, die den Fluss beschreiben (Martin Stützle), sich nach Hilfe reckende Hände, welche diejenigen der Flüchtlinge symbolisieren (Ruth Righetti, Verena Vogt) oder eine Handvoll Koffer, die unter der Eisenbahnbrücke stehen. Künstlerin Anna Schmid: «Manche Touristen reisen oft schon wieder ab, bevor sie richtig angekommen sind.»

Zeitpunkt zwischen Festdorf und Eisbahn

Der Weg entlang der 19 Kunstwerke ist zwei Kilometer lang – und lohnt sich. Die Themen der Werke sind manchmal sozialkritisch, manchmal mahnend, immer aktuell. Damit die Besucher wissen, was die Künstler ausdrücken wollen, können sie sich eine App herunterladen, welche auf den Beschriftungstafeln der jeweiligen Werke steht.

Initiiert wurde die Ausstellung von Projektleiter Herbert Seiler in Zusammenarbeit mit der Kunst­gesellschaft Interlaken (KGI) im Rahmen des 125-Jahr-Jubiläums von Interlaken. «Genau in der Zeit zwischen Festdorf und Eisbahn», schmunzelt Roland Seiler. «Und weil die Aare im Herbst weniger Wasser hat.»

Am Tag der Vernissage vergangenen Mittwoch konnte der geborene Böniger zudem seinen 70. Geburtstag feiern. «Die Ausstellung ist für mich das schönste Geschenk.» Die Idee entstand nach den positiven Reaktionen der vorgängigen Ausstellung der Menschenskulpturen des Metallbauers Nicolas Lavarenne. «Viele waren begeistert und kamen auf mich zu, bald wieder eine Ausstellung zu organisieren.» Dank der Mithilfe der KGI und der Unterstützung der Gemeinden sei dies gelungen.

An die hundert kamen an die Vernissage

Zur Vernissage im Englischen Garten in Interlaken erschienen an die hundert Interessierte. Thomas Meier von der KGI betonte in seiner Ansprache und ganz in der Manier Heraklits die Symbolik der Aare in Bezug auf die Kunst: «Alles ist im Fluss, alles fliesst. Veränderung ist die Konstante des Lebens in Natur und Kultur.» Und weil auch Kunst fliessen kann, zeigte Künstler Max Bühlmann in seiner Performance die Gleichheit des Wortes Ton in der Verschiedenartigkeit von Erde und Musik. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.09.2016, 07:59 Uhr

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