Kind muss zur Schule

Eltern aus der Region Interlaken müssen eine Busse bezahlen, weil sie ihr Kind vier Wochen lang nicht in die öffentliche Schule schickten.

Weil sie ihre Tochter ohne Bewilligung zu Hause unterrichteten, müssen Eltern aus dem Raum Interlaken eine Busse bezahlen.

Weil sie ihre Tochter ohne Bewilligung zu Hause unterrichteten, müssen Eltern aus dem Raum Interlaken eine Busse bezahlen. Bild: Keystone

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Diese Eltern verstanden die Welt nicht mehr, als sie im Oktober 2017 einen Strafbefehl erhielten. Vater und Mutter sollten je eine Busse von 300 Franken und Gebühren von 150 Franken bezahlen, weil sie ihre Tochter bei Schuljahresbeginn 2016 nicht in die öffentliche Schule schickten. Sie machten gegen den Strafbefehl Einsprache und lösten damit ein Gerichtsverfahren aus.

Privat unterrichten

Aus der Befragung der Eltern durch die Gerichtspräsidentin ging nicht klar hervor, weshalb sie ihre Tochter zu Hause unterrichten wollten. Die Mutter hat jedoch im Mai/Juni 2016 ein Gesuch für eine Bewilligung von privater Schulung eingereicht. Dieses wurde bereits am 12. Juli vom Schulinspektor abgelehnt. Weil sie diesen Entscheid nicht akzeptierte, gelangte sie an die Erziehungsdirektion.

Im Brief des Schulinspektors stand auch, dass eine Einsprache gegen den Entscheid keine aufschiebende Wirkung habe und die Tochter in der Zeit bis zum definitiven Entscheid die öffentliche Schule besuchen müsse. Am ersten offiziellen Schultag Mitte August mailte die Mutter der Schule, dass ihre Tochter nicht eingeschult werde, solange das Gesuch für privaten Unterricht nicht erledigt sei.

­Worauf die Schule erwiderte, das Kind müsse auch während des laufenden Verfahrens in die Schule kommen. Sie forderte die Eltern auf, entweder die Bewilligung oder das Kind in die Schule zu schicken. Komme das Kind nicht und sie hätten keine Bewilligung, so werde die Schule die Eltern anzeigen. Das Kind kam nicht, die Mutter unterrichtete es rund vier Wochen lang zu Hause. Erst als im September das Gesuch um privaten Unterricht definitiv abgelehnt wurde, schickten sie das Kind in die Dorfschule.

Schlecht beraten

Bei der Befragung gab der Vater an, er habe Einsprache gemacht, weil es nicht so sei, dass sie einen Fehler gemacht hätten. «Wir machten es so, wie es uns die Anwältin sagte.» Auf viele Fragen wusste er keine Antwort, denn: «Meine Frau macht die Post, sie bezahlt die Rechnungen und macht alle diese Sachen.»

Ergiebiger war die Befragung der Mutter. Aber auch diese sagte, sie hätten der Anwältin geglaubt und so gehandelt, wie diese geraten habe. Aus den Briefen, die sie vom Schulinspektor, der Erziehungsdirektion und der Schule erhalten hatten, ging jedoch klar hervor, dass die Eltern die Tochter in die öffentliche Schule hätten schicken müssen. Die Gerichtspräsidentin wies darum wiederholt auf diese Unterlagen hin, die den Eltern klar aufzeigten, dass sie das Kind nicht zu Hause unterrichten durften.

Strafbefehl akzeptiert

Die Eltern wurden von der Gerichtspräsidentin darauf aufmerksam gemacht, dass es teurer kommt, ein Urteil zu fordern, als die Einsprache zurückzuziehen.

Nach kurzer Beratung entschied sich das Ehepaar schliesslich, die Einsprache gegen den Strafbefehl zurückzuziehen. Dies nicht aus Überzeugung, sondern aus Kostengründen. Somit akzeptieren sie den Strafbefehl und damit auch die Busse. (Berner Oberländer)

Erstellt: 11.07.2018, 19:00 Uhr

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