Kandergrund

Blausee: Tierquälerei ohne Folgen

KandergrundDie Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen mehrere Mitarbeiter der Blausee AG eingestellt. Sie sieht bei den Verantwortlichen den vom Tierschutz erhobenen Vorwurf der Tierquälerei beim Ausfischen im vergangenen Herbst nicht bestätigt.

Das Gebäude am Eingang des Blausees, der viele Hobbyfischer anzieht. Ab kommenden Jahr gibt es einige Veränderungen beim Ausfischen.

Das Gebäude am Eingang des Blausees, der viele Hobbyfischer anzieht. Ab kommenden Jahr gibt es einige Veränderungen beim Ausfischen. Bild: Markus Hubacher

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Das Medienecho war gewaltig, als der Dachverband Berner Tierschutzorganisationen (DBT) Anfang des Jahres ankündigte, die Verantwortlichen für die «Aus­fischete» am Blausee wegen Tierquälerei anzuzeigen.

Die Tierschützer bezogen sich auf das Ausfischen vom vergangenen Herbst und veröffentlichten un­ter anderem Videoaufnahmen, die Hobbyfischer beim nicht fachgerechten Fangen und Töten sowie beim Posieren mit ge­fangenen Fischen zeigten.

Die Verantwortlichen hätten die Teilnehmer an der «Ausfischete» unzureichend informiert und beaufsichtigt, so der Vorwurf (wir haben berichtet). «Plötzlich waren wir die Tierquäler vom Blausee», erinnert sich André Lüthi, Mitbesitzer und Verwaltungsrat der Blausee AG, noch bestens an die Überschriften und Beiträge gerade in den verschiedenen überregionalen Medien.

Anzeige, Medienkampagne

Doch nun hat die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern das Verfahren gegen die vier Verant­wortlichen beim Ausfischen eingestellt, wie Lüthi bestätigt. «Wir sind sehr erleichtert, auch weil wir immer überzeugt davon waren, nichts falsch gemacht zu haben», so Lüthi. «Zudem waren wir erstaunt, dass der Tierschutz nicht das Gespräch mit uns gesucht hat. Stattdessen kam diese Anzeige und eine Medienkampagne.»

Doch die Staatsanwaltschaft hat nun einen Schlussstrich unter die Sache gesetzt. Es habe sich in der Angelegenheit kein Tatverdacht erhärtet, heisst es in der Erklärung zum Beschluss. Auch konnten den Aufsehern ­weder eine pflichtwidrige Un­vorsichtigkeit noch ein Untätigbleiben oder eine Sorgfaltspflichtverletzung nachgewiesen werden.

Es lägen keine Hinweise vor, dass die Beschuldigten Tierquälereien toleriert hätten. Dass es dazu vereinzelt gekommen sei, das bestreitet die Staatsanwaltschaft indes nicht. So sei auf den Videos des DBT zu sehen, dass einzelne unbekannte Fischer sich wegen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz strafbar gemacht hätten.

«Namentlich, indem mit den Fischen nicht würdevoll umgegangen wurde, die Fische nicht ordnungsgemäss betäubt und nicht unverzüglich fachgerecht getötet wurden.» Aber: Diese fehlbaren Fischer könnten heute nicht mehr ausfindig gemacht werden.

Betreuung war sichergestellt

Die Staatsanwaltschaft spricht die vier angeklagten Verantwortlichen der Blausee AG auch von dem Vorwurf der Inkaufnahme von Tierquälerei frei.

Durch die Aufsichtspersonen sei eine an­gemessene Betreuung der Angler sichergestellt worden, die mittels Merkblatt über die wichtigsten Aspekte der Fischerei und der Tierschutzbestimmungen informiert worden seien.

Und: «Das Merkblatt der Blausee AG in­formiert detaillierter über die Tierschutzbestimmungen als das Informationsblatt des Fischereiinspektorats des Kantons Bern.»

Fischen nur noch in Gruppen

Damit es aber in Zukunft nicht mehr zu solchen Szenen wie im Herbst 2016 komme, hatte die Blausee AG bereits im März an­gekündigt, das Ausfischen nicht mehr in gewohnter Form stattfinden zu lassen. So gibt es in diesem Jahr überhaupt kein Aus­fischen am Blausee und ab 2018 unter veränderten Bedingungen.

André Lüthi: «Geplant sind kleine Gruppen von zehn Leuten, in denen die Teilnehmer bei einem Profi lernen können, wie man fischt.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 13.09.2017, 06:13 Uhr

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