Keine Mietwohnungen, kein Heimatort

Gadmen/Brienzwiler

Gadmen hat freiwillig mit Innertkirchen fusioniert; der ehemaligen Gadmer Gemeindepräsidentin stossen einige Aspekte des Zusammenschlusses dennoch sauer auf.

«Der Gemeinderat will Gadmen touristisch nutzen und nur in Innertkirchen Wohnraum schaffen», sagt Barbara Kehrli, Ex-Gemeindepräsidentin von Gadmen.

«Der Gemeinderat will Gadmen touristisch nutzen und nur in Innertkirchen Wohnraum schaffen», sagt Barbara Kehrli, Ex-Gemeindepräsidentin von Gadmen.

(Bild: Nathalie Günter)

Nathalie Günter@nathalieguenter

Gadmens Ex-Gemeindepräsidentin Barbara Kehrli wohnt nun in Brienzwiler, wie ein Blick ins Telefonbuch zeigt. Wie kommts? «Ich habe im Schulhaus, das jetzt zur Lodge umgebaut wird, gewohnt», erzählt Kehrli. Als der Um- und Neubau festgestanden habe, habe sie nach einer Wohnung zur Miete gesucht. «Aber Mietwohnungen sind in Gadmen rar, es gibt nur circa acht, und diese sind alle vermietet.» Sie habe nichts Passendes gefunden.

Nur touristische Förderung?

Kehrli übt Kritik am Gemeinderat: «Dieser will Gadmen touristisch nutzen und nur in Innertkirchen Wohnraum schaffen.» So hatte sich auch Gemeinderat Krump zur Entwicklung der beiden Ortschaften im «Oberhasler» geäussert. Zum Beispiel mit dem Projekt «Wohnen an der Aare». Das Projekt, initiiert von der Gemeinde, sei gut, darum gehe es nicht. «Aber warum nicht so was auch in Gadmen machen?», fragt Kehrli. Auch dort gäbe es Häuser, welche die Gemeinde kaufen und zu Mietwohnungen umfunktionieren könnte.

Nach Innertkirchen, ins Tal, will Kehrli nicht. «Ich bin keine Innertkirchlerin, jetzt bin ich eine Gadmerin in Brienzwiler.» Mit dem Ziel, einst wieder nach Gadmen zurückzukehren. Denn dort sei ihr Zuhause, Kehrli ist oft im Dorf anzutreffen. «Wir organisieren viel selbst, das ist für unsere Talschaft selbstverständlich – Samariterverein, Skilift, Skibeizli, Triichle, Blumenkisten an den Ortstafeln.» Da seien vor allem Leute in ihrer Generation und ausschliesslich Einheimische. «Aber was ist in 15 Jahren, wenn diese Leute weniger aktiv sind? Junge können nicht nach Gadmen kommen, weil es fast keine Mietwohnungen gibt.» Die älteren Leute würden ja noch in ihren Häusern wohnen, ein Hauskauf sei nicht für alle möglich.

Die Fusion selbst hat Kehrli gut in Erinnerung. «Es hat viele Sitzungen und intensive Gespräche gegeben, es war kein Sturz ins kalte Wasser.» Es sei klar, dass mit der Fusion auch Veränderungen für die Gadmer entstanden seien, etwa die Öffnungszeiten oder die Weihnachtsbeleuchtung. «Die älteren Leute fahren jetzt halt mit dem Postauto runter, um auf die Gemeinde zu gehen, das läuft gut.»

Wappen hui, Heimatort pfui

Was Kehrli in Bezug auf die Fusion am sauersten aufstösst, ist die Aberkennung des Heimatortes durch den Kanton. «Es ist eine Frechheit, dass ein Gadmer nun für etwas bezahlen soll, das er vorher sowieso hatte.» Der Heimatort diene der Identifikation sehr stark. Hingegen findet Kehrli die Variante mit dem Gadmer Wappen im Erscheinungsbild der Gemeinde Innertkirchen eine «gute Lösung».

Berner Oberländer

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