Kein Stopp mehr bei den Eigerwand-Fenstern

Die Reisezeit von der Kleinen Scheidegg auf das Jungfraujoch wird ab Mitte Dezember 17 Minuten kürzer. Die neuen Züge verkehren ab dann im 90-Minuten-Takt. Der Zwischenstopp bei der Station Eigerwand fällt weg.

Rund fünf Minuten dauert der Zwischenstopp für
die Touristen bei der Tunnelhaltestelle Eigerwand.
Künftig rauschen die Züge hier vorbei.

Rund fünf Minuten dauert der Zwischenstopp für die Touristen bei der Tunnelhaltestelle Eigerwand. Künftig rauschen die Züge hier vorbei. Bild: Bruno Petroni

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Vier neue Zugkompositionen von Stadler Rail weihten die Jungfraubahnen im August ein (wir berichteten). Auch dank dieser 32-Millionen-Investition dauert die Fahrzeit von der Kleinen Scheidegg auf das Jungfraujoch künftig nur noch 35 anstatt der bisherigen 52 Minuten. Dies gilt ab dem Fahrplanwechsel vom 11. Dezember.

Allerdings werden diese 17 Minuten nicht nur mit der höheren Fahrgeschwindigkeit gewonnen. Bei der Tunnelstation Eigerwand auf 2864 Metern über Meer findet künftig kein Zwischenstopp mehr statt. Patrizia Bickel, Mediensprecherin der Jungfraubahnen, bestätigt auf Anfrage entsprechende Informationen dieser Zeitung.

Bei der Station Eigerwand ermöglichen mehrere grosse Fenster einen Panoramablick direkt von der Eigernordwand auf die Kleine Scheidegg und eine weite Um­gebung. Der fünfminütige Zwischenhalt findet auf der Bergfahrt statt und wird auch zum Kreuzen genutzt.

Blick von aussen auf die Eigerwand-Fenster. zvg/Wikimedia Commons

Künftig rauschen die Züge also hier ohne Halt vorbei. «Damit entsprechen wir einem Gästebedürfnis», sagt Patrizia Bickel. «Umfragen haben ergeben, dass die Einsparung von Reisezeit begrüsst wird.» Dank des neuen Rollmaterials fahren die Züge schneller und verkehren im 90-Minuten-Umlauf, womit sich die Rundreise zum Jungfraujoch um 30 Minuten verkürzt. Eine Komposition fährt beispielsweise um 9 Uhr auf der Scheidegg ab, kommt um 9.35 Uhr auf dem Jungfraujoch an und fährt um 9.43 Uhr wieder talwärts.

Ankunftszeit auf der Scheidegg ist 10.18 Uhr. Also ist der Zug um 10.30 Uhr wieder bereit zur Abfahrt. «Neu müssen nur noch drei anstatt wie bisher vier Kompositionen stetig unterwegs sein», so Bickel. Mit einem fünfminütigen Halt bei der Eigerwand wäre dieser Turnus nicht möglich. So bleibt den Touristen bei der Bergfahrt noch der Stopp bei der Station Eismeer erhalten, wo ein Panoramablick auf den Mittellegigrat des Eigers, auf das Obere Eismeer sowie den Fieschergletscher möglich ist.

Bickel: «Keine Abwertung»

Bei Touristikern stösst diese Massnahme nicht nur auf Gegenliebe. «Als ich davon hörte, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen», so Bruno Hauswirth, Geschäftsführer von Grindelwald Tourismus. «Natürlich haben wir einen Panoramablick auf unsere Region sehr geschätzt.» Hauswirth attestiert den Jungfraubahnen, dass sie dem Zeitgeist Rechnung tragen: «Man muss sich den Gegebenheiten anpassen. Das Bedürfnis einer kürzeren Reisezeit scheint vorhanden zu sein.»

In die gleiche Kerbe schlägt Robertus Laan, Inhaber des Reiseveranstalters Jungfrautours: «Die Reisegruppen aus dem Fernen Osten sind daran interessiert, ihr Programm möglichst schnell durchzuziehen.» Hingegen könne er sich vorstellen, dass der Durchschnittsgast aus Europa, den USA oder Australien den fehlenden Zwischenstopp bedauern würden. «Ein Retourticket von Interlaken-Ost auf das Jungfraujoch ohne Ermässigung kostet rund 200 Franken. Wenn ich so viel Geld ausgebe, will ich so viel wie möglich erleben.» Der Ausblick beim Eismeer sei zwar spektakulär, aber relativ vergleichbar mit dem, was den Gast auf dem Jungfraujoch erwarte.

Von einer Abwertung der Reisezeit könne keine Rede sein, sagt Patrizia Bickel. «Ich kann nachvollziehen, dass es Leute gibt, die diese Änderung bedauern. Entscheidend ist aber, dass die Gäste künftig eine halbe Stunde länger auf dem Jungfraujoch verweilen können.» Die Zeit ganz oben sei wichtiger als jene unterwegs. «Dies haben Rückmeldungen ergeben. Ausserdem wird das Erlebnis Eigernordwand künftig mit der Linienführung des Eiger-Expresses als Bestandteil der V-Bahn praktisch greifbar.»

Die Tunnelstation Eigerwand bleibe überdies als Dienststation erhalten. Es gibt keine Pläne, die Infrastruktur abzubauen. Im Gegenteil: «Wir prüfen zurzeit, wie wir die Station künftig touristisch nutzen können.» Für detaillierte Auskünfte sei es aber noch zu früh. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.10.2016, 15:35 Uhr

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Christoph Buchs, Redaktor

Der Weg ist das Ziel» lautet eines der meistgenannten Sprichworte.
Im Fall des Trips auf das Jungfraujoch mag dies aus wirtschaftlicher Sicht nicht zutreffen: Gerade die Gäste aus dem Fernen Osten wollen offensichtlich so schnell wie möglich auf das Jungfraujoch und später genauso schnell wieder runter.

Dennoch: Der Ausblick von der Station Eigerwand ist ebenso eine bleibende Erinnerung wie das Erlebnis auf dem Jungfraujoch – und zwar auch bei Gästen aus dem asiatischen Raum. Das Bild von Kollege Petroni, das diesen Artikel illustriert, dürfte beispielhaft genug sein.

Aus meiner Sicht wird das Gesamterlebnis der Reise klar abgewertet. Auch wenn das Unternehmen mit seinen Haltestellen natürlich machen kann, was ihm beliebt und was es für richtig hält. Es wird stimmen, dass der fünfminütige Halt bei der Eigerwand nicht mehr ins Fahrplankonzept passt.

Immerhin bleibt die Infrastruktur bei der Station Eigerwand erhalten und ein Blick durch die Fenster weiterhin möglich. Ich bin gespannt, wie die Station dereinst genutzt wird.

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