Niemand wollte eine Million fürs Palace zahlen

Mürren

Noch hat das Mürrener ­Palace-Hotel keinen neuen Besitzer. Bei der Versteigerung im Schloss Interlaken ging kein Gebot ein. Dafür gibt es gute Gründe.

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Samuel Günter@samuel_guenter

Das Sitzungszimmer im Konkursamt im Schloss Interlaken war am Freitagmittag gut gefüllt. Aber keiner hatte einen Koffer voller Geld dabei. Es stand die Versteigerung des Palace-Hotels Mürren an. Mindestangebot: eine Million Franken. Bevor die Versteigerung startete, erläuterte Konkursverwalter Heinz Aebi die Bedingungen und kurz die Vorgeschichte.

Es zeigte sich: Koffer voller Geld wären auch nicht erwünscht gewesen. «Bargeld dürfen wir nur bis maximal 100'000 Franken entgegennehmen», sagte Aebi. Gefragt wäre also ein Check gewesen. Denn der Mindestpreis hätte sofort bezahlt werden müssen.

Unattraktiv für Käufer

Hätte. Niemand war bereit, ein Gebot abzugeben. Das überraschte nicht sonderlich, sondern war allgemein erwartet worden. Weshalb, wurde aus den Erläuterungen Aebis zur bewegten Vorgeschichte des Palace klar. Dieses wurde 2009 geschlossen und 2013 der Konkurs darüber eröffnet.

Die Probleme des 1874 gebauten Hotels begannen aber schon früher. So verkaufte der damalige Besitzer 1998 Aktien an einen Timesharing-Konzern. Von daher rührt ein Grundbucheintrag, der der Gesellschaft Palace Mürren Title Limited ein weitgehendes Nutzniessungsrecht bis ins Jahr 2041 gewährt.

«Der Rechteinhaber profitiert von den Einnahmen, dem Besitzer bleiben die Ausgaben», fasst Aebi die Situation zusammen. Dies wirkt sich auch auf den geschätzten Verkehrswert des Objekts aus, der dadurch ins Minus falle. Keine rosigen Aussichten für einen allfälligen Käufer.

Teurer Unterhalt

2016 wurde die Palace Avenir AG gegründet. Diese besteht aus 16 Aktionären – lokale Firmen, Institutionen wie das Sportzentrum und auswärtige Hausbesitzer. Die AG erwarb die angesprochenen Nutzniessungsrechte. Ein allfälliger Käufer müsste sich also mit ihr arrangieren. Die Avenir AG ist aber selbst am Kauf des Palace interessiert.

Allerdings hätte man einen Freihandverkauf vorgezogen, wie Avenir-Präsident Peter Wirth, Wohnungsbesitzer in Mürren und früherer CEO der Bieler Maschinenfirma Mikron AG, nach der Versteigerung erklärte. «Hier wurde Dienst nach Vorschrift gemacht, was alle Seiten Geld und Zeit kostet», kritisiert er.

Rund 10'000 Franken kostet der Unterhalt des Palace monatlich. Die Kosten gehen zulasten des Kantons Bern. Dies sei der Grund, weshalb man den Mindestpreis bei einer Million angesetzt habe, um den Schaden für den Steuerzahler in Grenzen zu halten, erklärt Aebi.

Neue Versteigerung im Herbst

Und wie geht es jetzt weiter? Die Avenir AG nutzt schon heute – in Absprache mit dem Konkursverwalter – gewisse Teile der Immobilie. Etwa das Personalhaus. Dies wolle man ausbauen, wie Wirth bestätigt. «Wir haben verschie­dene Brandschutzmassnahmen umgesetzt und Sanitärarbeiten vorgenommen», erklärt er. Zwei Stockwerke des Hotels wolle man ab August als Bed and Breakfast nutzen. Bei den Teilen, die die Avenir AG nutzt, übernimmt sie auch den Unterhalt, was wiederum den Kanton entlastet.

Im Herbst – voraussichtlich im Oktober – wird eine zweite Versteigerung stattfinden. «Dieses Mal ohne Mindestangebot», erklärt Aebi. Ein Franken könnte also für den Zuschlag reichen. Ganz so günstig wird es aber doch nicht: Zum eigentlichen Verkaufspreis kommen 45'050 Franken für das Inventar dazu. Dieser Kostenpunkt ist gemäss Aebi fix. Weiter fallen verschiedene Gebühren an.

Avenir AG will bieten

Im Herbst werde man bieten, sagt Wirth. Als Einziger, wie er hofft. Aufgrund des Nutzungsrechts ergebe es wenig Sinn, gegen die Avenir AG zu bieten.

«Wir wollen sicherstellen, dass das Hotel nicht in schlechte Hände gerät», hält Wirth fest. Falls es zum Kauf komme, werde man das Hotel als Übergangslösung betreiben und gleichzeitig ein Projekt für die Zukunft ausarbeiten. «Mit diesem würden wird dann auf die Suche nach Investoren gehen.» Zu einem früheren Zeitpunkt schätzte Wirth den Sanierungsbedarf auf 15 Millionen Franken.

Berner Oberländer

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