Kanton soll Hotellerie helfen

Der Interlakner SP-Grossrat Urs Graf fordert eine Be­seitigung der Wettbewerbsnachteile im Tourismus.

In seiner Motion fordert Urs Graf vom Regierungsrat einen Bericht über die Situation der Hotellerie in den Ferienregionen des Kantons Bern an (Archivbild).

In seiner Motion fordert Urs Graf vom Regierungsrat einen Bericht über die Situation der Hotellerie in den Ferienregionen des Kantons Bern an (Archivbild). Bild: Markus Hubacher

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In Österreich, Deutschland oder Südtirol unterstützt die öffent­liche Hand den Tourismus mit massiven Finanzierungshilfen. Zinslose Darlehen oder Bürgschaften hülfen, die Infrastruktur zu erneuern und auf dem hart umkämpften Markt in der Alpenregion bestehen zu können, sagen Befürworter.

Der Interlakner SP-Grossrat Urs Graf fordert nun in einer Motion den Regierungsrat zum Handeln auf. Der Kanton Bern hinke auch im Vergleich mit anderen Bergkantonen hinterher, stellt Graf fest.

Konkurrenz aus dem Netz

Der Investitionsstau zwingt viele Hotelbetriebe zum Aufgeben. «Neubauten sind abgesehen von städtischen Gebieten und dem Saanenland selten, weil fast nicht finanzierbar», so Graf. Dies, weil die Bereitschaft der Banken zur Finanzierung meist nicht aus­reiche und potenzielle Investoren die nötigen Mittel daher nicht aufbringen könnten. Verschärft hätten sich die Probleme in der Hotellerie in den vergangenen Jahren durch Konkurrenz aus dem Internet: Durch Onlinedienstleister werden auch Private zu Hoteliers. Als Konsequenz der Misere in der Hotellerie gehen im Berner Oberland fortlaufend Betriebe in die Hände von aus­ländischen Investoren.

Durch Onlinedienstleister werden auch Private  zu Hoteliers.

Oft verschwinden danach die Gäste­betten: «Häufig wollen die In­vestoren einfach eine Immobilie in der Schweiz besitzen», schreibt Graf in seiner Motion. Aus Hotelbetrieben werden so Ferienwohnungen, Internate oder Wohn­heime. Die Finanzierungshilfen aus der öffentlichen Hand, wie sie etwa auch die anderen drei grossen Tourismuskantone Wallis, Graubünden und Tessin kennen, führen laut Urs Graf in den Ferienregionen des Kantons Bern «zu einem massiven Wettbewerbsnachteil».

Das sei nicht nur für die Hotellerie ein grosses Problem. «Eine gesunde Hotellandschaft ist das Fundament jedes gesunden Tourismus», so Graf. Die Wettbewerbsverzerrung könne auch schnell zu einem Problem für die gesamte Wirtschaft des Kantons werden.

Motion breit abgestützt

In seiner Motion fordert Urs Graf vom Regierungsrat einen Bericht über die Situation der Hotellerie in den Ferienregionen des Kantons Bern an. Dieser soll mit Zahlen den Zustand der Branche einordnen. Weiter soll der Bericht aufzeigen, welchen Einfluss die wachsende Zahl von ausländischen Eigentümern auf die Hotelangebote im Kanton hat. Gestützt auf diesen Bericht, soll der Regierungsrat anschliessend Massnahmen festlegen, welche die Hotellerie im Kanton unterstützen.

Unterstützung erhält Urs Graf mit seiner Motion von sämtlichen Ratsparteien mit Ausnahme der Grünliberalen. Auch der Hotelier-Verein Berner Oberland begrüsst den Vorstoss des Interlakner Grossrats. (Berner Oberländer)

Erstellt: 14.09.2017, 10:36 Uhr

Artikel zum Thema

Hotellerie-Krise wird zum Dauerzustand

Der Nationalrat glaubt nicht, dass die Schweizer Hotellerie jemals aus der Krise findet. Oder wie soll das Bekenntnis zum unbefristeten Sondersatz bei der Mehrwertsteuer sonst verstanden werden? Vielleicht als Warnung, der Politik zu misstrauen, wenn sie befristete Begünstigungen gewährt wie beim Energiegesetz? Mehr...

Hotellerie feierte 100-Jähriges

Lenk Die Berner Oberländer Hotellerie feierte: Vor 100 Jahren hat sie sich zum Verein zusammengeschlossen. Gemeinsam zu lösende Probleme stehen auch heute noch an. Mehr...

Abo

Immer die Region zuerst. Im Digital-Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 29.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Polizei in Rosa: Demonstranten bewarfen die Ordnungshüter in Nantes (Frankreich) mit Farbe. (16. November 2017)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...