Kalt, kurz, aber schön

In der Serie «Angetroffen» stellen wir diese Woche Yunita vor. Die 33-Jährige ist mit ihrer Familie zum ersten Mal in Europa in den Ferien. Für zwei Tage besuchen sie Interlaken.

Yunita gefällt es sehr in der Schweiz: «Wir sind überwältigt.»

Yunita gefällt es sehr in der Schweiz: «Wir sind überwältigt.»

(Bild: Nathalie Günter)

Nathalie Günter@nathalieguenter

Etwas leer für seine Verhältnisse ist der Höheweg in Interlaken an diesem herrlichen Wintertag. Nach all den Feierlichkeiten über Neujahr ist wohl auch touristisch Ruhe eingekehrt. Die Sonne scheint, die Berge sind weiss gezuckert. Auf einem Bänkli neben dem bekannten Eisfeld sehe ich eine junge Frau mit asiatischen Gesichtszügen sitzen. Sie geniesst die Sonnenstrahlen. Ich stelle ihr die obligate Frage, um ins Gespräch zu kommen: «Do you speak English?» – «Yes!», sagt sie freudig und ist sofort bereit, etwas zu plaudern, als ich mich als lokale Reporterin vorstelle. Yunita ist 33-jährig, kommt ursprünglich aus Indonesien und lebt seit vielen Jahren in Australien.

«Normalerweise machen wir einmal pro Jahr Ferien», erzählt Yunita. Nach Europa reise sie aber zum ersten Mal. Zusammen mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern kam sie von Amsterdam über Paris für zwei Nächte nach Interlaken. Dann gehts weiter nach Luzern, Venedig und Rom. «Und dann müssen wir auch schon wieder zurück zur Arbeit», sagt Yunita und lacht.

Die Schweiz gefällt ihr mehr als gut: «Wir sind überwältigt. Es ist das schönste Land auf der Welt». Einfach etwas teuer sei es für sie. Und kalt: «Wir waren gestern auf dem Jungfraujoch. Es war minus 14 Grad!» Und Yunita stellt mir gleich eine Gegenfrage: «Was magst du mehr, den Sommer oder den Winter in der Schweiz?» Ich antworte diplomatisch mit: «Herbst». Und ob Luzern anders sei als Interlaken? «Ein bisschen grösser», sage ich. Ich empfehle ihr, bei der Zugfahrt nach Luzern unbedingt an einen Fensterplatz zu sitzen, damit sie die Aussicht geniessen könne.

Dann kehren auch schon ihr Mann und ihre zwei Töchter vom Eislaufen zurück. Auch die Mädchen sind sich einig: «We like it here!» Und bekräftigen dies mit heftigem Kopfnicken. Bevor es weiter zum Zug geht, frage ich noch nach dem obligaten Foto. Klar, sagt Yunita sofort, aber sie wolle auch eins mit mir, als «local person», machen. Gesagt, getan, und Yunita und ihre Familie machen sich auf zum Bahnhof.

Yunita mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern. Die vier machen normalerweise einmal im Jahr Ferien. Foto: Nathalie Günter

Berner Oberländer

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