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Jungfraujoch: Auszeichnung für Forschung in schwindelnder Höhe

Die Akademie der Naturwissenschaften hat die Forschungsstation auf dem Jungfraujoch ausgezeichnet. Am Freitag wurde eine Plakette enthüllt.

Ausgezeichnet: Die Forschungsstation auf dem Jungfraujoch.

Beim Jungfraujoch denkt man in erster Linie an atemberaubende Ausblicke. Tatsächlich findet in der Höhe auch Forschung statt. Die dortige Forschungsstation erhält nun die Auszeichnung «Chemical Landmark» der Akademie der Naturwissenschaften.

Am Freitag würdigten Vertreter der Akademie und der Forschungstation und ihrer Partnerinstitutionen die langjährige Forschungsgeschichte auf dem Jungfraujoch. Bei einem Anlass wurde die Plakette «Chemical Landmark» enthüllt, mit der die Akademie der Naturwissenschaften (SCNAT) bedeutende historische Stätten der chemischen Forschung in der Schweiz kürt.

Das Besondere an dieser Forschungsstation sei, dass sie seit ihrer Gründung im Jahr 1931 international ausgerichtet ist, sagte Markus Leuenberger von der Universität Bern im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Zudem bietet sie die einzige – exklusiv den Forschenden vorbehaltene – Übernachtungsmöglichkeit dort oben. Sie sei dank der Jungfraubahn gut erreichbar, so dass Forschende auch schweres Gerät transportieren können, erklärte der Direktor der Hochalpinen Forschungsstationen Jungfraujoch und Gornergrat.

Luftqualität und Aerosole

In den ersten Jahrzehnten stand die Astronomie und Strahlungsforschung im Fokus der Station und des noch etwas höher gelegenen Sphinx-Observatoriums. Heute widmen sich 80 Prozent der Forschungsprojekte der Klima- und Umweltforschung, insbesondere den Gasgemischen und Partikeln der Atmosphäre und ihren langfristigen Trends. Dafür ist die Forschungsstation in insgesamt 30 Netzwerke eingebunden.

So zum Beispiel in das Nationalen Beobachtungsnetz für Luftfremdstoffe («Nabel») der Forschungsanstalt Empa und des Bundesamts für Umwelt. Seit den 1970er Jahren liefern die Messinstrumente Daten über die Luftqualität, beispielsweise den Bleigehalt, der durch die Verbrennung bleihaltiger Treibstoffe in die Luft gelangte.

Dank bleifreiem Benzin und neuen Raffinationsanlagen sank der Gehalt an Blei und anderen Schadstoffen wie SO2 gegen Ende der 1970er Jahre und liege heute sehr tief, sagte der Forschungsstation-Direktor.

«Diese Initiative des Bundes war ziemlich visionär», betonte Leuenberger. «Durch die kontinuierliche Überwachung der Luftverschmutzung liess sich feststellen, ob die gewählten Gegenmassnahmen wirksam sind.»

Überwachung Ozon-schädigender Gase

Ähnliches gilt für andere Projekte, wie einer Messreihe belgischer Forschender: Seit den 1950er Jahren messen sie am Jungfraujoch Gase mit einer Methode, die auf Spektralanalyse des Sonnenlichts beruht.

«Anhand der Spektren im Archiv lassen sich die Trends verschiedener Substanzen, zum Beispiel halogenierter Gase, in der Atmosphäre nachvollziehen», erklärte Leuenberger. So konnte beispielsweise überprüft werden, ob das Montreal-Protokoll zum Schutz der stratosphärischen Ozonschicht eingehalten wurde und wird. Dieses verbietet den Gebrauch bestimmter Ozonschicht-schädigender Substanzen.

Auch die Messung der Treibhausgase CO2 und Methan sowie von Luftpartikeln (Aerosolen) steht im Fokus der Forschung auf dem Jungfraujoch. Aerosole spielen für die Wolkenbildung eine wichtige Rolle und wirken über Rückkopplungen auf das Klimasystem der Erde zurück. Deshalb ist es zentral, die Prozesse der Wolkenbildung gut zu kennen, um diese in Klimamodellen korrekt abzubilden.

Die grosse Mehrheit der Projekte steht unter Schweizer Leitung mit internationaler Beteiligung, führte Leuenberger aus: Von 44 im Jahr 2018 standen 37 unter Schweizer Leitung, vier unter deutscher, zwei unter belgischer und je ein Projekt unter österreichischer und finnischer Federführung. Durch internationale Zusammenarbeiten sind aber auch beispielsweise die USA und Grossbritannien beteiligt.

Wind von beiden Seiten

Viele der Messgeräte befinden sich im Sphinx-Observatorium, das auf dem Sphinx-Felsen und damit noch einige Meter höher als die Forschungsstation bei 3450 Metern über Meer liegt. Der Vorteil des Observatoriums sei, dass Wind sowohl von Norden als auch von Süden an die Messstation gelange, die Forschungsstation liege hingegen am Südhang, sagte Leuenberger. «Für einige Messungen spielt das keine Rolle, aber einige Projekte brauchen den Windzugang aus beiden Richtungen.»

Allerdings ist der Platz im Observatorium sehr begrenzt, weshalb zusätzlicher Raum nötig war. Dieser eröffnete sich mit der alten Swisscom-Station, welche das Telekommunikationsunternehmen vor einigen Jahren der Stiftung für die Hochalpinen Forschungsstationen Jungfraujoch und Gornergratzur Verfügung stellte.

Heute ist die Swisscom-Station im Besitz der Jungfraubahn. Auf 120 zusätzlichen Quadratmetern stehen seit 2014 bereits die ersten Messinstrumente, um Vergleichsmessungen anzustellen. In Zukunft sollen dort weitere Projekte Stellung beziehen, sagte Leuenberger.

Attraktiv dürfte dieser neue, etwas entferntere und auf 3700 Metern - und damit höher - gelegene Standort insbesondere für Messungen sein, die leicht durch den Tourismus in unmittelbarer Nähe der Forschungsstation und des Observatoriums gestört werden könnten. Darunter fallen etwa die Aerosolmessungen, in denen immer wieder «Spikes» aufgrund von Zigarettenrauch auftauchen, erklärte Leuenberger.

SDA/flo

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