Jung-SVPler baut Unfall wie im Film

Frutigen

Nils Fiechter, Jung-SVPler aus Frutigen und national bekannt als «Burka-Bomber», inszenierte in einem Wahlclip vor einem Jahr einen Autounfall. Nun hat ihn die Realität eingeholt.

Mit diesem Videoclip machte Nils Fiechter letztes Jahr Werbung für seine Nationalratskandidatur. <i>Quelle: Youtube</i>

Manchmal holt die Realität die Fiktion ein. Oder sie prallen zusammen und es gibt einen Blechschaden, wie bei Nils Fiechter, einem 19-jährigen Jung-SVPler aus Frutigen. Für seine Kandidatur in den Nationalrat drehte Fiechter vergangenes Jahr einen Videoclip. Darin inszenierten er und Mitkandidat Markus Horst einen kleinen Auffahrunfall. Ein «EU-Auto» — rasant unterwegs mit feiernden, unachtsamen Passagieren an Bord — prallt in einen Einachstraktor.

Das gemütlich tuckernde Mobil der beiden Jung-SVPler auf der anderen Strassenseite kommt indessen ungeschoren davon. In der Politik kommt es nicht auf die Geschwindigkeit an, «sondern die Richtung muss stimmen», so Fiechters Botschaft.

Nun hat ihn die Wirklichkeit eingeholt. Fiechter baute im Mai selber einen Autounfall, wie aus einem rechtskräftigen Strafbefehl hervorgeht. Verurteilt wurde er wegen Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz durch Fahren in fahrunfähigem Zustand. Fiechter ist kurz eingenickt und hat eine Auffahrkollision verursacht. In seinem eigenen Video würde er sinngemäss die Rolle des «EU-Autos» spielen.

Auf Fahrzeugkolonne aufgefahren

Nachfrage beim Oberländer Jungpolitiker: «Es geht mir gut, es gab zum Glück keine Verletzten und keine grösseren Schäden», sagt er. Passiert ist ihm das Malheur morgens um sieben auf dem Weg zur Arbeit. Bei Münsingen war Stau, Fiechters Tempo gedrosselt, als ihn der Schlaf übermannte.

Der Mann, der als sogenannter «Burka-Bomber» nationale Bekanntheit erlangte, weil er verschleiert und mit der Attrappe eines Sprengstoffgürtels auf dem Bundesplatz posierte, nimmt den Vorfall ernst: Seine Aussage im Video, die Richtung müsse stimmen, gelte allerdings nach wie vor: «Die Richtung stimmte und ich bin ja nicht vom Weg abgekommen», interpretiert er den Unfall.

1300 Franken Strafe

Für die Sache mit der Burka – eigentlich war es ein Niqab, wie er präzisiert – kam Fiechter straffrei davon. Das ist nun anders. Die Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland ahndete seinen Unfall als Vergehen und brummte ihm eine Busse (800 Franken) und eine Gebühr (500 Franken) auf. «Das Rechtssystem funktioniert und man muss halt den Kopf hinhalten», so Fiechters Fazit.

Apropos Rechtssystem: Nun, wo bei Nils Fiechter die Fiktion scheinbar zur Realität wird, würde er am liebsten ein Video über die Bundesverfassung drehen. Damit diese die höchste rechtliche Grundlage im Land bleibe. Angst vor einem Blechschaden hat er dabei nicht.

Berner Zeitung

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