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Jubiläumsschau auf «einen der ehrlichsten Berufe überhaupt»

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Bergführervereins Gstaad-Lenk eröffnete im Museum der Landschaft Saanen eine Ausstellung über das Bergführerwesen im Saanenland/Obersimmental.

Begeisterte Bergführer: Peter Sollberger (links), Präsident des Bergführervereins Gstaad-Lenk, und Armin Oehrli.
Begeisterte Bergführer: Peter Sollberger (links), Präsident des Bergführervereins Gstaad-Lenk, und Armin Oehrli.
Kerem S. Maurer

In Anwesenheit von Vertretern aus Politik, Tourismus, Presse und zahlreichen geladenen Gästen eröffnete die Ausstellung «100 Jahre Bergführerverein Gstaad-Lenk» am Samstag mit einer Vernissage. Vereinspräsident Peter Sollberger begrüsste seine Gäste mit einer kurzen Ansprache, die er aus Bergführersicht zum Beginn eines normalen Tages am Berg formulierte. Bevor der Gipfel erreicht wurde, womit der anschliessende Apéro gemeint war, übergab er das Wort an Armin Oehrli aus Gstaad, der den Verein von 1983 bis 1995 präsidiert hatte.

Mit primitiver Technik

Armin Oehrli warf einen eindrücklichen Blick auf 100 Jahre Bergführerwesen im Saanenland. Gespickt mit Anekdoten, die das Bergführerleben veranschaulichten, erzählte er von bestandenen Abenteuern, überstandenen Herausforderungen, aber auch von missglückten Missionen und Tod am Berg. Fünf Männer, so erzählte Oehrli, hätten anno 1919 den Bergführerkurs abgeschlossen und zusammen mit drei älteren Kollegen den Bergführerverein Saanenland gegründet.

Jede Generation einheimischer Bergführer habe solche mit aussergewöhnlichen Leistungen hervorgebracht. Sei dies als Bergführer mit Gästen, Alpinisten, Steilwandfahrer, Achttausenderbesteiger oder in Führungspositionen in nationalen und internationalen Berufsverbänden.

Antik anmutende Ausstellungsstücke im Museum der Landschaft Saanen vermitteln einen Eindruck darüber, wie in der Gründerzeit des Vereins mit vergleichbar primitiver Technik Gipfel bezwungen wurden. Die Technik habe sich wohl in den letzten Jahrzehnten verändert, doch der Beruf sei nach wie vor sehr anspruchsvoll. Dieser sei bis heute einer der ehrlichsten überhaupt. Denn: «Auf den Gipfel kann man sich nicht hoch­reden, da muss man wirklich selber hinauf.»

Liebe zu Natur und Mensch

Man müsse als Bergführer die Berge und die Menschen lieben, sportlich sein und leiden können, schreibt Armin Oehrli im Vorwort der Broschüre zum 100-jährigen Bestehen des Vereins. Dies seien die Voraussetzungen dafür, Wochen, Monate oder gar Jahre erfolgreich mit Gästen unterwegs zu sein.

Während einer erfolgreichen Bergführerkarriere kämen an die 6 Millionen Kilometer Aufstieg mit Rucksack und Verantwortung für die Gäste zusammen, wobei etwas mehr als die Hälfte davon im Abstieg mit Skiern bewältigt werde. Und trotz seriöser Abklärungen und durchdachter Entscheidungen gebe es am Berg jedoch nie eine hundertprozentige Sicherheit. Der Grat zwischen Glück und Unglück sei schmal, Mitreissunfälle und Wächtenbruch hätten auch im Bergführerverein Gstaad-Lenk Opfer gefordert.

Mit der Lenk fusioniert

Vor 20 Jahren hat der Berg­führerverein Saanenland den Bergführerverein Lenk aufgenommen und trägt seither den Namen Bergführerverein Gstaad-Lenk. In der Region stagniere momentan die Zahl der neu ausgebildeten Bergführer, obschon der Verein vor kurzem die erste Frau als Bergführerin habe aufnehmen können.

Man zähle zurzeit etwas mehr als dreissig aktive Bergführer, weiss Präsident Sollberger und ergänzt, trotz Nachwuchssorgen sei der Fortbestand jedoch gesichert. Die Ausstellung im Museum der Landschaft Saanen kann noch bis Mitte April 2020 besucht ­werden.

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